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Die 1. Säule – sie ist als staatliche Vorsorge eine Lebensbasis

Der Staat bezahlt den Leistungsempfängern aus der 1. Säule eine minimale Existenzgrundlage – für das Leben im Alter, bei Erwerbsunfähigkeit und nach einem Todesfall. Damit erfüllt die Schweiz ihre wichtigste sozialstaatliche Verpflichtung.

Die Versicherten haben eine Beitragspflicht

Ab Geburt sind in der 1. Säule alle in der Schweiz lebenden oder erwerbstätigen Menschen versichert. Auslandschweizer haben die Möglichkeit, sich freiwillig zu versichern. Wer hier wohnt oder arbeitet, bezahlt Beiträge, und das ab dem 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahrs. Wer nicht oder noch nicht erwerbstätig ist, wird ab vollendetem 20. Altersjahr beitragspflichtig. Erwerbstätige Rentner (ab 65) und Rentnerinnen (ab 64) zahlen nur Beiträge, wenn ihr Lohn CHF 1'400 übersteigt.

 

Eine Volksversicherung mit 3 Segmenten

Die 1. Säule ist Teil des Schweizer 3-Säulen-Systems. Sie umfasst:

1.       Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV): Sie ist das bedeutendste Element der staatlichen Vorsorge. Im Ruhestand ersetzt sie den Lohn mindestens teilweise. Im Todesfall werden eine Witwen-/Witwerrente und eine Waisenrente (bis 18, in Ausbildung längstens bis 25) ausbezahlt.

2.       Die Invalidenversicherung (IV): Erstes Ziel der IV ist, Menschen wiedereinzugliedern,  wenn sie durch Krankheit oder Unfall invalid geworden sind. Können Invalide nicht mehr oder nur noch teilweise arbeiten, bezahlt die IV eine Rente zur Existenzsicherung.

3.       Die Ergänzungsleistungen (EL): Sie ergänzen die AHV oder IV für all jene Fälle, in denen das Existenzminimum nicht erreicht wird. Die Ergänzungsleistungen bestehen aus einer Rente sowie der Vergütung von Kosten, die zur Pflege der Krankheit oder Behinderung entstehen.

 

Finanzierung aus Lohnprozenten und Bundesbeiträgen

Die 1. Säule wird im Umlageverfahren finanziert. Das heisst, Erwerbstätige und Arbeitgeber zahlen monatliche Beiträge ein, mit denen die Zahlungen der heutigen Rentner finanziert werden. Ebenso wichtig ist die Finanzierung durch Bund und Kantone, durch die Mehrwertsteuer sowie die Tabak- und Alkoholsteuer.

Geschichte seit 1890

Bis ins 19. Jahrhundert war die Fürsorge für erwerbsunfähige und alte Menschen Sache von Familien, gemeinnützigen Organisationen und der Kirche. Zudem gab es eine öffentliche Armenfürsorge, die ihre wenigen Mittel streng verteilte. Unter dem Eindruck der Massenarmut von Fabrikarbeiterfamilien wurde 1890 die erste Verfassungsgrundlage für eine Sozialversicherung geschaffen. Doch erst 1912 wurde das Gesetz für eine Unfall- und Krankenversicherung vom Stimmvolk angenommen. Die erste Gesetzesvorlage für die heutige AHV scheiterte in der Volksabstimmung von 1931. Der Bundesrat nützte aber seine Vollmachten während des zweiten Weltkriegs aus. Er führte den Erwerbsersatz für Soldaten ein. Das Bundesgesetz zur AHV wurde 1947 vom Volk angenommen. 1948 zahlten die Postboten die ersten AHV-Renten bar aus.