Zurück zum Blog

Fakten und Irrtümer zu den drei Vorsorgesäulen

Die Leistungen hiesiger Sozialversicherungen, so Experten, könnten künftig deutlich magerer ausfallen. Umso wichtiger ist es daher, die bestehenden Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Vorsorge auszuschöpfen. Es sind mehr, als man denkt.

Keine Woche ohne Negativmeldungen über das schweizerische Vorsorgesystem. Doch so sehr sich Politiker und Experten über die Schieflage von AHV, IV und Co. aufregen, die einzelnen Vorsorgenehmer kümmert’s noch wenig. Wieso denn auch? Die AHV funktioniere doch einwandfrei. Fast wie ein Uhrwerk. Wird man pensioniert, wird aus dem angesparten Guthaben schliesslich die AHV-Rente ausbezahlt. So jedenfalls stellen sich viele Schweizerinnen und Schweizer das Funktionieren dieses Vorsorgewerkes vor.

Doch so häufig diese Meinung auch geäussert wird, sie ist falsch. In Tat und Wahrheit arbeitet die AHV, die erste Säule des schweizerischen Sozialversicherungssystems, nach dem sogenannten Umlageverfahren. Dass heisst, die von den Erwerbstätigen einbezahlten Beträge fliessen nicht auf die eigenen Konti, sondern werden direkt den aktuellen Pensionären gutgeschrieben. Mit den einbezahlten Beiträgen öffnet ein Beschäftigter mit andern Worten kein eigenes Konto, sondern erwirbt sich bloss das Recht, bei der Pensionierung eine AHV-Rente zu beziehen.

Pro Monat gibt es maximal 2350 Franken
Ziel der AHV ist es, den Existenzbedarf des Versicherten oder der Hinterbliebenen im Alter oder im Todesfall zu sichern. Ab dem Pensionierungszeitpunkt – bei Männern aktuell mit 65, bei Frauen mit 64 – erhält jeder Versicherte eine Altersrente und allenfalls auch eine Kinderrente ausbezahlt. Im Todesfall kann sodann ein Anspruch auf eine Witwen-/Witwerrente oder eine Waisenrente bestehen. Und das gibt’s: Für eine alleinstehende Person beträgt die maximale Jahresrente gegenwärtig 28'200 Franken, das sind 2350 Franken pro Monat. Ehepaare erhalten höchstens 150 Prozent der Einzelrente, also eine maximale Rente von 42 300 Franken oder von 3525 Franken pro Monat. Das Rentenminimum beträgt jeweils die Hälfte der oben erwähnten Beträge.

original

Finanzieller Spielraum nach der Pensionierung will frühzeitig geplant werden.

Ohne Anmeldung keine Rente
Doch aufgepasst: Wer nichts verlangt, erhält auch nichts. Wer nach seiner Pensionierung eine AHV-Rente beziehen will, muss sich anmelden. Dies bei der zuständigen AHV-Ausgleichsstelle. Welche das ist, kann am einfachsten beim jeweiligen Arbeitgeber erfragt werden. Zweckmässigerweise erfolgt die Anmeldung mindestens 3 bis 6 Monate, bevor das Rentenalter erreicht ist.

Eine volle AHV-Rente gibt es nur dann, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens wenn man lückenlos in die AHV einbezahlt und zweitens, wenn man ein minimales Jahreseinkommen erzielt hat. Für Männer sind für eine volle Rente mindestens 44 und für Frauen 43 Beitragsjahre notwendig. Es ist also sehr ratsam, die AHV-Beiträge selbst dann zu bezahlen, wenn man zum Beispiel wegen Arbeitslosigkeit, eines Studiums oder einer Weltreise für eine gewisse Zeit nicht erwerbstätig ist. Die Nichterwerbstätigen-Beiträge machen im besten Fall nicht einmal 500 Franken pro Jahr aus. Ein fehlendes Beitragsjahr andererseits führt in der Regel zu einer dauerhaften Rentenkürzung um mindestens 2,3 Prozent, also um rund 325 bis 650 Franken pro Jahr. Neben einer lückenlosen Beitragszahlung bedingt eine maximale Rente ein durchschnittliches Jahreseinkommen von aktuell 84 600 Franken. Das tönt deutlich anspruchsvoller, als es ist, kann sich dieses Einkommen doch aus drei Teilen zusammensetzen: aus dem Erwerbseinkommen, den Erziehungsgutschriften für Kinder und aus den Betreuungsgutschriften für die Pflege naher Verwandter. Zudem wird das Einkommen der zurückliegenden Jahre mit einem Aufwertungsfaktor auf das heutige Niveau angepasst, um die Inflation zu berücksichtigen.

Rentenvorbezug lohnt sich in aller Regel nicht
Laut AHV-Gesetz kann man den Pensionierungszeitpunkt zwischen dem 63. und 70. Altersjahr festlegen. Wer in Frühpension gehen will, muss allerdings eine spürbare Rentenkürzung um 6,8 Prozent pro Jahr in Kauf nehmen. Wer die Pensionierung dagegen aufschiebt, kann seine AHV-Rente um 5,2 (Aufschub ein Jahr) bis stattliche 31,5 Prozent (Aufschub 5 Jahre) erhöhen.Generell ist ein Vorbezug nur dann sinnvoll, wenn der Rentenempfänger mit einer kurzen Lebenserwartung rechnet. Denn statistisch hat ein 65-jähriger Mann noch eine Lebenserwartung von 19,4, eine Frau sogar von 22,4 Jahren. Eine Rentenkürzung von 6,8 Prozent pro Jahr lohnt sich aber nur dann, wenn ein Mann keine 78 und eine Frau keine 81 Jahre alt wird. Eine Wette mit der Zeit ist auch der maximale Rentenaufschub. Für einen Mann zahlt sich ein solcher Aufschub nur dann aus, wenn er mindestens 83 Jahre alt wird.

Auch erwerbstätige Rentner zahlen AHV-Beiträge
Wer arbeitet, der zahlt. Im Extremfall auch lebenslang: Personen im AHV-Rentenalter müssen Beiträge bezahlen, so lange sie eine Erwerbstätigkeit ausüben. Immerhin existiert für sie ein Freibetrag, auf dem keine Abgaben zu entrichten sind. Dieser Freibetrag beträgt gegenwärtig 1400 Franken im Monat oder 16 800 Franken im Jahr. Wer nicht (mehr) arbeitet und noch nicht im AHV-Rentenalter ist, der zahlt ebenfalls, nämlich die Beiträge für Nichterwerbstätige. Die Höhe dieser Beiträge richtet sich nach dem Vermögen und dem mit einem Faktor von 20 multiplizierten Renteneinkommen. Für sehr Reiche, die ein Reinvermögen von rund 8,4 Millionen Franken und mehr besitzen, wird es dann teuer, die AHV-Beiträge können nämlich bis maximal 24 259 Franken pro Jahr betragen.

Lücken auch bei der zweiten Säule unbedingt stopfen
Bei der AHV ist es vor allem wichtig, Fristen einzuhalten und Beitragslücken zu vermeiden. Bei der zweiten und dritten Säule hat der Vorsorgenehmer dagegen deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Das Vermeiden von Beitragslücken ist bei der zweiten Säule noch empfehlenswerter als bei der AHV. Solche Lücken können beispielsweise durch eine Lohnerhöhung oder einen Unterbruch im Erwerbsleben entstehen. Wer sie sukzessive stopft, kann seine Steuern erheblich senken. Mit einer gestaffelten PK-Nachzahlung von beispielsweise 50 000 Franken steigt nämlich nicht nur das PK-Guthaben, sondern sinken ebenfalls die Steuern. Und dies massiv. Je nach Kanton sind es zwischen 13 000 bis 23 000 Franken. Wer bei der Teilpensionierung nicht die Rente, sondern den Kapitalbezug wählt, sollte wissen, dass er nicht das gesamte Guthaben auf einmal beziehen muss. Mit einem gestaffelten Bezug lassen sich oft nochmals mehrere Tausend Franken an Steuern sparen.

Auch bei der Säule 3a und bei Freizügigkeitskonti ist ein gestaffelter Bezug möglich und ratsam. Hier allerdings nur dann, wenn mehrere Konti bestehen. Beziehen kann man diese Gelder bis zu 5 Jahren vor oder nach dem ordentlichen AHV-Alter, falls man bis 70 weiterarbeitet.

Darf’s ein bisschen mehr Risiko und Ertrag sein?
Anders als bei der AHV kann der Vorsorgenehmer bei der Anlage der Gelder, die er in die zweite und dritte Säule gesteckt hat, mitreden. Dies seit der ersten BVG-Revision vor zehn Jahren. Leider aber nur für die überobligatorischen Pensionskassenguthaben. Gesetzlich erlaubt ist eine individuelle Anlagestrategie also ab einer Lohnsumme von 126 900 Franken (Sicherheitsfondslohn) bis zu 846 000 Franken. Nach Schätzungen könnten davon 10 bis 15 Prozent aller Vorsorgenehmer profitieren. Mehrere Finanzdienstleistungsunternehmen wie Swiss Life, Liberty oder Pensexpert bieten seit dieser Lockerung eine ganze Palette von Individuallösungen für das Überobligatorium der Säule 2 und die Säule 3a an. Die Kernidee: Die Versicherten sollen die Bewirtschaftung ihrer Vorsorgegelder soweit als möglich in die eigene Hand nehmen und mehr Eigenverantwortung übernehmen. Möglich ist dies im Bereich der zweiten Säule mit Sammelstiftungen wie der Swiss Life mit ihrem Produkt Business Premium oder der Liberty Flex.

Mehrwerte dank individueller Bewirtschaftung
Zu beachten ebenfalls: Bei einer individuellen Strategiewahl gibt es weder eine Zins- noch eine Kapitalgarantie. Die mit der gewählten Anlagestrategie erzielte Performance wird dem einzelnen Versicherten in guten wie schlechten Anlagejahren 1:1 gutgeschrieben. Der Versicherte kann dafür von einer Anlagestrategie profitieren, die exakt seiner persönlichen Risikofähigkeit und Risikoneigung entspricht. Langfristig sind mit diesem Modell Mehrrenditen von 1 bis 2 Prozent pro Jahr realistisch, sind Finanzexperten überzeugt. Dies nicht zuletzt deshalb, weil so keine allgemeinen Wertschwankungsreserven gebildet werden müssen. Durch den Durchschnittspreiseffekt als Folge der regelmässigen Einzahlungen der Sparbeiträge erhöht sich die Performance zusätzlich. Diese Effekte können bei einem überobligatorischen PK-Kapital von einer halben Million jährliche Mehrerträge von 5000 bis 10 000 Franken bringen. Kein kleiner Batzen.

Quelle: Magazin 50plus


Pensionierung optimal planen

Sie können auf unserer Webseite www.plus.ch/pensionierung den Swiss Life-Ratgeber, welcher in Zusammenarbeit mit dem Beobachter erstellt wurde, herunterladen. Mit einer Checkliste und detaillierten Informationen in den verschiedenen Lebenslagen ein praktischer Ratgeber.

original