Vom Glück, daheim zu sein

Wer beruflich an einen anderen Ort gebunden, oder sonst oft auf Reisen ist, der kommt in der Weihnachtszeit meistens gerne nach Hause. Wobei “zuhause” nicht immer die eigenen vier Wände bedeuten muss. Bei sich sein, in der Natur aufblühen oder im Land ankommen: Daheim ist, wo man sich wohlfühlt.

761’930 – so viele Schweizer leben im Ausland. Dies besagt die Statistik des eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten über Auslandschweizer (Stand 2015). Und noch viel mehr Schweizer pendeln zwischen zwei oder mehreren Orten hin und her. Aus beruflichen Gründen, nicht selten auch aus Liebe. Wenn es im Dezember wieder auf die Weihnachtszeit zugeht, kehren aber fast alle gerne nach Hause zurück. Wobei für manche zu Hause da ist, wo man aufgewachsen ist, während für andere dort, wo die Freunde sind, oder wo man sich wohl und geborgen fühlt.

Bestimmt erinnern Sie sich selber auch noch an einen dieser Momente, als man beispielsweise nach einer langen Reise wieder nach Hause zurückkehrt. Die Freude, die Aufregung, die Wehmut und das bisschen Stolz, die einem durchströmen, wenn der Pilot im Flugzeug den Sinkflug ankündigt und man die Miniaturlandschaft, die unter einem vorbeizieht, langsam zu erkennen beginnt. Heimatgefühle haben einen neurologischen Hintergrund. Die Forschung hat gezeigt, dass durch wiederholte synaptische Prägung und Manifestation von Engrammen, physiologische Spuren im Gehirn entstehen, die eine Reizeinwirkung als dauernde strukturelle Änderungen im Gehirn hinterlässt. Auf unserer “Festplatte”, dem Gehirn, sind oft oder ständig wiederkehrende Ereignisse eingeprägt – und sobald wir daran erinnert werden, machen sie sich bemerkbar.

Darum rührt uns Heimkommen auch jedes mal wieder aufs Neue. Egal welchen Ort wir mit dem Gefühl von Heimkommen in Verbindung bringen, solange wir an dem Ort sind oder im Umfeld von Familie und Freunden, nehmen wir es kaum wahr. Sind wir weit weg davon, vermissen wir den Ort an dem wir uns Zuhause fühlen vielleicht anfänglich noch, aber erst, wenn wir diesen geographischen Raum oder dieses eine Bild oder diesen speziellen Geruch wieder wahrnehmen, bringt das unterbewusste Gedächtnis die dazu gespeicherten Gefühle in den Vorschein.

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Zu Hause – für jeden etwas anderes

Für die Künstlerin Nina Staehli, die zwischen Luzern und Berlin pendelt, sind die Berge, auf denen sie Luft holen kann, wie Heimkommen. Heimkommen ist für sie Ankommen und dafür braucht sie nicht in erster Linie die Familie oder Freunde, sondern Ruhe und Einsamkeit. So findet sie den Faden “zum Geiste der Schweiz” wieder, wie sie es poetisch ausdrückt.

Anders geht es dem Piloten und Musiker Gert Stäuble. Mittlerweile arbeitet er als Linienpilot, doch als er noch oft auf Tournee mit seiner Band Züri West war, zog es ihn immer wieder ganz fest nach Bern zurück. Wichtig ist ihm, auch wirklich zuhause zu sein, wenn er zuhause ist: Er widmet dann seine ganze Aufmerksamkeit seiner Frau und seinen drei Kindern. Dafür fährt er gerne mal eine halbe Stunde mit dem Rad vom Flugplatz Bern Belp nach Hause ins Marzili-Quartier, damit er runterfahren und den Tag verarbeiten kann, bevor er zuhause angekommen ist.

Der Steward Giro Langella arbeitet auf den Zugstrecken Mailand-Zürich, Mailand-Basel und Mailand Genf und lebt in Como. Er liebt es zu reisen und mit den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt zu kommen, deshalb hat er seinen Beruf gewählt. Und trotzdem, wenn er zu lange von zuhause weg ist fehlen ihm die laute Mentalität mit der er aufgewachsen ist, das Italienische Essen und die Gastfreundschaft. In Italien ist man immer auf Gäste vorbereitet, hat immer genügend Essen gekocht – es könnte ja jemand vorbei kommen. In der Schweiz vereinbart für sowas immer einen Termin. Wenn Langella mal das Heimweh plagt, dann hört er sich Canzoni aus seiner Heimat Neapel an.

Zu Hause zu sein bedeutet für jeden etwas anderes, wie die Beispiele von Giro Langella, Gert Stäuble und Nina Staehli zeigen. So unterschiedlich dieser Begriff auch ausgelegt werden kann, im besten Fall ist er mit Glück verbunden. In diesem Sinne: Sorgen Sie für Sich und verbringen Sie die Weihnachtszeit wo auch immer Sie sich wohl und geborgen fühlen.