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Was bedeutet es, für sich zu sorgen?

Länger zu leben ist nicht nur ein Privileg, es ist auch eine Aufforderung zur aktiven Gestaltung und Planung der individuellen Zukunft.

Hat der Mensch ein gewisses Alter erreicht, weiss er nur zu gut, was es bedeutet, für andere zu sorgen: Eltern ziehen ihre Kinder gross, welche umsorgt werden müssen – später sorgen sie für ihre eigenen Eltern, für die Familie, Freunde und Bekannten. Überall wird man gebraucht und muss sich bewusst Zeit für sich selbst nehmen. Doch was bedeutet es eigentlich, für sich selbst zu sorgen?

Wenn wir jung sind, sind wir uns alle ähnlich – doch bereits mit der Ausbildung in Teenagerjahren ändert sich das. Das Leben wird immer individueller, wir entscheiden uns für verschiedene Berufsrichtungen und Lebensstile. So individuell sich das Leben gestaltet, so flexibel ist auch der Übertritt in die Pensionierung. Langsam einen Gang zurückschalten und weniger Stellenprozent arbeiten? Sich eventuell schon früher pensionieren lassen? Oder gar selbstständig sein und bis weit übers Pensionsalter hinaus weiterarbeiten? Die in früheren Zeiten gelebten festen Abläufe am Ende eines Arbeitslebens machen heute  einer individuellen Lebensgestaltung Platz. Beim “Proberentnern” haben wir verschiedene junge und ältere Menschen kennengelernt und erfahren, wie sie ihr Leben gestalten. Nun haben wir bei der ehemaligen Radiofrau Verena Speck nachgefragt: „Was bedeutet Vorsorge für Sie?“

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Verena Speck

Frau Speck, welche Bedeutung hatte  die Vorsorge für Sie, als Sie jung waren?

Als junge Frau hat mich das Thema Vorsorge überhaupt nicht interessiert. Damit wollte ich nichts zu tun haben, ich wollte keinen Job annehmen, nur weil man da gut abgesichert war. Mich mit dem Thema zu befassen wurde mir nahegelegt, aber das interessierte mich null, das fand ich sowas von bünzlig! Auch hatte ich keine Kenntnisse darüber, was die Auflagen waren – ich wusste nicht einmal, wann man denn genau pensioniert wird.

Wann haben Sie sich zum ersten Mal Gedanken zur Vorsorge gemacht?

Beim Radio hatten wir immer einen super Personaldienst. Der Personalverantwortliche zeigte mir damals auf, welche Möglichkeiten ich habe. Trotzdem habe ich beim internen Jobwechsel von der Pensionskasse das Geld auszahlen lassen – und es dann auch gleich ausgegeben! Auf Empfehlung des Personalverantwortlichen hin habe ich dann aber wieder in die Pensionskasse eingezahlt. 1972 kam dann die 3. Säule, ab diesem Zeitpunkt habe ich auch regelmässig einen Batzen einbezahlt. 

Wie sorgen Sie im Alter für sich?

Wir achten sehr auf die Ernährung und gestalten unseren Alltag individuell, aber aktiv. Mit meinen Projekten und den Enkelkindern bin ich immer auf Achse. Ich fühle mich sehr vital und habe keine Angst vor dem Älterwerden. Ich denke, ich kann es annehmen, egal was kommt.

Mehr zu Verena Speck und ihrer Sicht zum Thema Vorsorge

Heute stehen den 45 Jahren im Berufsleben im Schnitt 20 Jahre im Pensionsalter gegenüber: Fast die Hälfte unseres Arbeitslebens haben wir also noch Zeit, um unseren Lebensabend zu gestalten. Die meisten Menschen, so auch Verena, tun es: Personen im Pensionsalter  sind  heute so aktiv wie nie zuvor. Sie treiben Sport, bereisen die Welt, bilden sich weiter, beraten weniger erfahrene Berufstätige, unterstützen ihre Kinder und engagieren sich in der Nachbarschaft – ganz nach dem jeweiligen Gusto.

Proberentnern – DJ (25) trifft Musikmamsell (73)

Das Leben wird heute ganz individuell gestaltet.  Die Idee von einem für alle Menschen praktisch identischen Ablauf des späten Lebens bröckelt immer mehr. Länger leben macht Spass, wenn Gesundheit und Lebensqualität stimmen. Und dafür kann man etwas tun, auch wenn man noch mitten im Berufsleben steckt.Es lohnt sich, einen individuellen Plan aufzustellen, der für einen stimmt. Immer mehr Leute satteln in der zweiten Lebenshälfte sogar komplett um und fangen etwas ganz Neues an.

Kurz gesagt: Alt sein ist heute relativ. Einerseits werden wir immer älter, andererseits gestaltet sich jeder sein Leben individuell.