Die Architekturbiennale in Venedig ist DAS Architekturereignis 2016. 88 Teilnehmende aus 37 Ländern präsentieren ihre Arbeiten. 62 Länderpräsentationen, darunter auch die Schweiz, ergänzen die Biennale.

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«In Venedig wird aus Architektur Sozialkunst», titelte die «Zeit» vor ein paar Tagen zur Biennale. Im Vordergrund stehen an dieser weltweit wichtigsten Architekturausstellung für einmal nicht schöngeistige Entwürfe. Der verantwortliche Kurator Alejandro Aravena aus Chile stellt konkrete Antworten auf dringende Probleme wie soziale Ungerechtigkeit, Naturkatastrophen oder Energieverbrauch in den Vordergrund. Er ernennt die Architekten zu «Berichterstattern von der Front».

Schweiz auf Wolke 7?

Da scheint zumindest der Schweizer Pavillon an der Biennale den Aufruf Aravenas nicht wirklich gehört zu haben. Denn dort erhebt sich im Zentrum eine riesige weisse Betonwolke des Architekten und ETH Professors Christian Kerez, die sich bei genauerem Hinsehen sogar als bewohnbar erweist. Besucher können die Wolke durch schmale Öffnungen betreten und werden sozusagen im Bauch der Baukunst aufgenommen.

Lösungen für Flüchtlinge und Favelas

Weit realitätsnäher und mottogetreuer zeigen sich die Arbeiten unserer Nachbarn Deutschland und Österreich. Diese versuchen sich zum Beispiel an einfachen und günstigen Lösungen, wie Wohnraum und Infrastruktur für Flüchtlinge geschaffen werden können. Die brasilianischen Favelas und wie diese wohnlich und hygienisch aufgewertet werden können, sind ein weiteres, sozial heisses, Eisen. Dem Thema, wie durch eine Verbesserung der Wohnsituation der armen Landbevölkerung künftig die Landflucht verhindert werden kann, geht eine chilenische Idee nach. Rauch, Explosionskrater und Ruinen, wie sie die Bomben in Gaza und Pakistan zurückgelassen haben, bilden die Grundlage der «forensischen Architektur» des Architekten Eyal Weizmann.

Die Zukunft gehört Biomimikry

Schonender Umgang mit Ressourcen und damit eine Verminderung des Einflusses der Menschen auf Klima und Umwelt sind ein weiteres Thema. Biomimikry heisst nichts anderes, als während Jahrmillionen entstandene und erprobte Lösungen aus der Natur auf Probleme zu übertragen, die uns Menschen beschäftigen. Da gehört das Ersetzen energieverschlingender Klima- und Belüftungsanlagen durch gezielten Pflanzenbewuchs genauso dazu, wie die Übernahme des Bauplanes von winzigen Kieselalgen in Statik und Architektur, um Rohstoffe einzusparen und Kosten zu senken. Wolkenkratzer, die zu senkrechten Gärten werden, sind nur ein Beispiel, wie Biomimikry in der Architektur immer mehr Einzug hält.

Keine Regel ist die Regel

Auffallend: Die Aussteller der Biennale setzen gehäuft auf die Abschaffung von Regeln. Mehr Freiheit für die eigene Schaffenskraft und weniger Regelwerk im Bauwesen ist die Botschaft. Womit wir wieder bei der Wolke des Schweizer Pavillons sind: Denn wo anders als an Ausstellungen im Ausland kann die Schweiz eine bewohnbare Wolke aus Beton bauen? Denn hierzulande verhindern strikte Baureglemente derart kreative Architektur äusserst effizient. Dass es auch anders geht zeigt die Architekturbiennale in Venedig noch bis zum 27. November 2016.

Quellen:

- Presseunterlagen Biennale 2016, Zeit Online, Pro Helvetia

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