Kinderfreundliche Immobilien: Was auf Werbebroschüren häufig anzutreffen ist, bleibt in der Realität meist Mangelware. Die Rede ist von Gebäuden und Wohnungen, die kinderfreundlich sind. Doch das Thema «kindertauglich» hört nicht an der Wohnungstüre auf. Der Immopulse Blog hat für Sie nachgeforscht.

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«Es braucht viel mehr Familienwohnungen mit einfachen und flexiblen Grundrissen. Und es braucht vor allem ein kindertaugliches Wohnumfeld, wo Kinder ungehindert herumspringen können.» Marco Hüttenmoser weiss, wovon er in einem Interview mit der NZZ am Sonntag redet. Seit langem beschäftigt er sich als Erziehungswissenschaftler und Kunsthistoriker unter anderem mit dem Thema «kindgerechtes Wohnumfeld». 

Kinderfreundlich heisst…

…für ihn, dass die Innenräume den ändernden Bedürfnissen angepasst werden können, dass ein Zimmer ohne grossen Aufwand in zwei Zimmer aufgeteilt werden kann. Türklinken, Lichtschalter und auch Klingeln sollten schon für Dreijährige problemlos erreichbar sein. Und vor allem: «Kinder müssen sich bewegen können.» Das gilt in Hüttenmosers Augen vor allem für die Umgebung einer Wohnung.

Kinder brauchen Bewegung

«Immobilienplaner und Eltern verstehen unter gutem Wohnen nur gerade die Wohnung, einen grossen Balkon, grosse Fenster in der Stube», so Hüttenmoser gegenüber der NZZ am Sonntag. Aber Kinder bräuchten viel Bewegung und zwar draussen. Diese Tatsache werde von vielen Planern und Eltern noch immer nicht erkannt.
Wer sich an die eigene Kindheit erinnert, wird wissen, dass er andere Kinder vor allem draussen im Quartier und auf den Strassen getroffen hat. Dieses Verhalten hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in städtischen Bereichen aber auch in typischen Einfamilienhaussiedlungen verändert. Hauptgrund laut Hüttenmoser: die Angst der Eltern vor dem Verkehr und dessen Gefahren. Vor allem in Kleinfamilien mit einem Kind bestehe die Gefahr, dass die Kinder ohne Kontakt zu Gleichaltrigen «verinseln». Die kluge Gestaltung von Aussenräumen schafft hier laut Hüttenmoser Abhilfe.

Sichere Begegnungszonen und viel Raum

Das Wichtigste in den Augen des Experten: Verkehrsberuhigte Aussenbereiche in den Wohnquartieren, welche die Kinder alleine erreichen können und von wo sie auch wieder alleine zurück ins Haus oder in die Wohnung gelangen. «Alleine» deshalb, weil Kinder, die ständig in Begleitung eines Elternteils unterwegs sind, eine überstarke und dadurch ungesunde Bindung an die Eltern entwickeln. Daher sollten Wohnungen für Familien mit kleinen Kindern vor allem in den untersten zwei Etagen entstehen, die Treppenhäuser müssten so gestaltet werden, dass sich auch Fünfjährige alleine zurechtfinden und Aussentüren sollten nicht zu schwer und einfach zu öffnen sein. Wohnquartiere sollten Begegnungszonen ohne Parkplätze aufweisen. Tempo 30 müsse die Regel sein. Spielplätze müssten vor allem viel Raum aufweisen.

Eltern sind gefragt

Seit 40 Jahren kämpft Marco Hüttenmoser bei Planern und bei der öffentlichen Hand für diese Anliegen: «Es bleibt ein hartes Pflaster. Beim Thema Wohnumfeld sind wir immer noch am Anfang.» Neben den damit verbundenen Kosten sei auch die Angst vor Kinderlärm immer wieder ein Hindernis. Zumindest hier sieht Hüttenmoser Licht am Ende des Tunnels: «Bei Klagen gegen Kinderlärm wird nahezu immer zugunsten der Kinder entschieden.» Gefordert sind aber auch die Eltern. Denn je mehr Wert diese auf kinderfreundliche Zonen ausserhalb der eigenen vier Wände legen, desto grösser ist der Druck auf Planer und öffentliche Hand, immer mehr Wohnquartiere mit entsprechend kindertauglichen Begegnungszonen auszustatten.

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