Die ehemalige Eishockey-Spielerin Florence Schelling (33) hat sich für ihren Beruf entschieden, ohne sich dabei die Frage nach dem Geld zu stellen. Das holt sie nun nach.

Über die eigenen Finanzen zu sprechen, ist vielleicht das letzte grosse Tabu unserer Gesellschaft. Wir haben Musiker Ritschi, die ehemalige Eishockey-Torhüterin Florence Schelling und die Bäuerin Anne Challandes gefragt, wie sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten - und welche Rolle dabei Geld und Vorsorge spielen.

Beruflich haben Sie sich mehrmals neu orientiert. Welche Rolle spielte dabei Geld? 
Es geht mir immer um Leidenschaft und innere Überzeugung. Ich mache lieber etwas, was mir Freude bereitet, und verdiene dabei weniger, als dass ich irgendwo unglücklich bin, dafür aber einen hohen Lohn habe.  

Und doch muss man Rechnungen bezahlen – wie viel Geld brauchen Sie für ein selbstbestimmtes Leben? 
Das habe ich erst jetzt, mit der Firmengründung, das erste Mal ausgerechnet. Es sind rund 4500 Franken pro Monat.  

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In Gelddingen konnte es nach der Eishockey-Karriere nur aufwärts gehen, nehme ich an?  
(Lacht) Ja das kann man so sagen. Von 2008 bis 2013 hatte ich in den USA ein Stipendium für die Universität, das war wie ein Lohn für mich. Auch in Schweden und in der Schweiz gab es finanzielle Unterstützung, aber das muss man eher als Zustupf bezeichnen. Inzwischen hat sich die Situation etwas gebessert, aber leben kann davon nach wie vor niemand. Ich habe neben dem Spielen immer gearbeitet oder studiert.  

Männer hingegen können durchaus gut Geld verdienen im Eishockey. Haben Sie sich jemals aufgelehnt? 
Ja, als wir 2014 an den Olympischen Spielen in Sotschi eine Bronzemedaille gewannen, wurde unsere Prämie nicht voll ausgezahlt – Swiss Ice Hockey hat einen Teil einbehalten, damit sie uns «weiter finanzieren können».   

Sie haben die Angelegenheit öffentlich gemacht. Was ist passiert?  
(Lacht) Ich habe auf die Schnauze bekommen. Sonst leider nichts.  

Haben Sie diese «mageren Jahre» im Eishockey etwas gelehrt im Umgang mit Geld?  
Ich bin ganz gut darin, auch mit wenig erfüllt zu leben, und sorge seit ein paar Jahren vor. Und obwohl ich noch jung bin, denke ich manchmal: Hätte ich doch früher angefangen. (Lacht)    

Als Verwaltungsrätin von «I Believe In You» machen Sie Crowdfunding für Sportler und Sportlerinnen – ein Herzensprojekt ausgehend von Ihren Erfahrungen? 
Ja, es ist leider im Breiten- wie auch im Spitzensport oft ein Problem, dass sich die Athletinnen und Athleten zum Beispiel ein Trainingslager oder auch Ausrüstungen nicht leisten können. Es ist toll, Menschen dabei zu helfen, sich im Sport zu verwirklichen. Für die einzelnen Spenderinnen und Spender ist es zum Teil nicht viel Geld, alles zusammen macht es aber einen grossen Unterschied.   

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Und doch muss man Rechnungen bezahlen – wieviel Geld brauchen Sie für ein selbstbestimmtes Leben? 
Das habe ich erst jetzt, mit der Firmengründung, das erste Mal ausgerechnet. Es sind rund 4'500 Franken pro Monat.  

Selbstständigkeit ist mit finanziellen Unsicherheiten verbunden – sind Sie jemand, der gut mit Risiken umgehen kann?  
Ich habe Wirtschaft studiert, mir ist bewusst, dass es immer mal rauf und wieder runter geht. Als ich mir 2019 beim Skifahren das Genick gebrochen habe und rund ein Jahr lang ausser Gefecht war, hat sich vieles relativiert. Damals war ich am Tiefpunkt, jetzt stehe ich hier, mache etwas ganz Neues. Es geht immer wieder aufwärts.  

War die Reha-Zeit für Sie finanziell stressig? 
Nein, vor allem, weil ich zu meinen Eltern gezogen bin – so fiel die Miete weg, was immer meine grösste Ausgabe war. Das war eine grosse Erleichterung.   

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Ein paar kurze, knappe Geldfragen zum Schluss. Wofür geben Sie privat am liebsten Geld aus?  
Reisen.  

Welche Ausgaben tun weh?  
Unnötiges, zum Beispiel wenn ich etwas vergessen habe und dann Express-Gebühren zahlen muss.    

Wofür geben Sie zu viel Geld aus?
Tu ich grundsätzlich einfach nicht. Aber in den Ferien sitzt es etwas lockerer als sonst.   

Was bedeutet Ihnen Geld?  
Eine Notwendigkeit, ein Mittel zum Zweck.  

Ihre grösste Investition?   
Die GmbH-Gründung. Mit sehr grossem Abstand.    

Ihr erster Job?  
Ich habe mein Sackgeld aufpoliert, indem ich den Rasen gemäht oder die Wäsche gebügelt habe. Das Geld wanderte  vor allem ins Kässeli.  

Sie gewinnen eine Million Franken. Was machen Sie als Erstes?  
Sicher mal ein Nachtessen mit der Familie. Und dann würde ich es wahrscheinlich in die Firma investieren. Und spenden würde ich  auch noch einen Teil. Ich habe keine materiellen Sehnsuchtsobjekte. 

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Florence Schelling

Ehemalige Eishockey-Torhüterin

Die Zürcherin Florence Schelling (33) begann ihre Karriere als Eishockey-Torhüterin bei den GCK Lions. Neben ihrem Wirtschaftsstudium spielte sie in den USA, Kanada und Schweden und bestritt insgesamt 190 Länderspiele. 2018 beendete sie ihre Laufbahn, momentan macht sie sich selbstständig mit ihrer Firma Focus Finder.

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Florence Schelling hat sich für eine Sport-Karriere entschieden – wie selbstbestimmt gestalten Sie Ihr Leben?

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