Solange das Einkaufserlebnis stimmt, hat der klassische Spielwarenladen eine Zukunft. Davon ist Marcel Dobler überzeugt. Der Digitec-Gründer hat 2018 die Warenhauskette Franz Carl Weber übernommen. Mit Innovationskraft und Kulturwandel will er die Traditionsmarke auch digital auf Kurs bringen.

«Wir haben die Zukunft von Franz Carl Weber im Auge, nicht das Investment»: Marcel Dobler ist seit 2018 einer der Haupteigentümer des Schweizer Traditionsunternehmens.

Zwischen Plüschtieren und Puppenwagen nähert sich ein Riese. Marcel Dobler, knapp einen Meter neunzig gross, Kreuz wie ein Schrank, kräftiger Händedruck, fällt auf im Shopping-Schlaraffenland für die Kleinen. Der «Tausendsassa», wie er in Medienberichten gern genannt wird, ist Spitzensportler, FDP-Nationalrat und Digitec-Mitgründer. Seine jüngste Herausforderung: Der Spielwarenhändler Franz Carl Weber, jahrzehntelang Platzhirsch im Geschäft mit den Kinderträumen.

Doch während der eine Riese den digitalen Wandel mitgestaltete, verschlief der andere die Aufbruchstimmung. Doblers einstiges «Baby» Digitec ist heute zum grössten Onlineshop des Landes herangewachsen. Branchenschwergewicht Franz Carl Weber geriet irgendwann ins Taumeln, auch wenn die Zahlen noch knapp stimmten.

Keine leichte Aufgabe
Das Ruder herumzureissen sei eine Herkulesaufgabe, urteilten Branchenkenner. Die Marke mit dem roten Schaukelpferd im Logo steht für ein Stück Schweiz, fanden viele in der Bevölkerung. Und so erregte Doblers Mehrheitsbeteiligung 2018 landesweit Aufsehen. 50 Prozent von Franz Carl Weber gehören nach dem Ausstieg eines dritten Investors inzwischen ihm, die anderen 50 sind in der Hand des deutschen Spielzeugherstellers Simba Dickie. «Klar hätte ich mir auch eine leichtere Aufgabe suchen können», sagt Dobler heute.

Plattgedrückte Nasen an Schaufenster-Auslagen mit Spielzeug-Landschaften. Von Kinderhänden abgewetzte Weihnachtskataloge. Franz Carl Weber ist für viele Erwachsene vor allem ein Ort der Erinnerung. Auch für Marcel Dobler. «Die Beteiligung ist für mich ganz klar eine Herzensangelegenheit», sagt er. «Ich habe sehr starke Kindheitserinnerungen an Franz Carl Weber und ich will, dass meine Kinder das weiter haben können. Ich möchte die Marke mit ihren Emotionen am Leben erhalten und den tollen Mitarbeitenden eine Zukunft bieten.»

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Marcel Dobler, geboren 1980, ist Miteigentümer von Franz Carl Weber, Digitec-Gründer, Politiker und Spitzensportler. Mit zwei Freunden gründete der gebürtige Männedorfer 2001 den Elektronik-Onlineshop Digitec. Später verkaufte er seine Anteile an Migros und wurde ein reicher Mann. Der gelernte Informatiker wollte «weiterhin etwas bewegen» und stieg 2015 als FDP-Nationalrat in die Politik ein. Auch sportlich setzt Dobler viel in Bewegung: Zuletzt wurde er Schweizermeister im 4er-Bob als Anschieber an den Meisterschaften in St. Moritz. 2009 gewann er den Titel im Zehnkampf. Marcel Dobler lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Rapperswil-Jona.

Viele Emotionen und ein Zentrallager
Das klingt nach viel Nostalgie, doch Dobler ist Geschäftsmann genug, sich nicht von rührigen Gefühlen leiten zu lassen. Auch wenn es gerade die Emotionen sind, von denen er sich im hart umkämpften Spielwarenmarkt viel verspricht: «Wer zu uns kommt, wird auf Wunsch umfassend beraten, hat eine riesige Auswahl, kann Spielwaren ausprobieren und anfassen, bevor er eine Kaufentscheidung trifft. Das Einkaufserlebnis ist und bleibt enorm wichtig.»

Marktforschungen geben ihm auch in einem anderen Punkt recht: An Spielwaren sparen Schweizerinnen und Schweizer meist zuletzt, das macht die Branche hierzulande weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Und statt ins Internet gehen viele noch lieber in den Laden und lassen sich beraten. Noch.

Grossbaustelle Online-Handel
Mittelfristig weisen die Marktforschungen in eine andere Richtung. Hier kommt Dobler ins Spiel, der digitale Vorreiter. Er vermisste ein grosses Zentrallager, Basis jedes zeitgemässen Online-Shops. Im Sommer 2019 hat Franz Carl Weber eines eröffnet. Andere Investments brauchen einen etwas längeren Atem. Von Nöten sei, sagt Dobler, auch ein Kulturwandel innerhalb des Traditionsunternehmens. Eine Struktur mit flachen Hierarchien, die Innovationen fördere und die Mitarbeitenden stärker einbeziehe. «Schaffen soll Spass machen», findet er.

Dass er die eigenen Ziele stets selbst habe stecken können, treibe ihn extrem an. «Selbstbestimmt zu leben, das ist mir unendlich wichtig. Es ist ein Privileg, dass ich so frei bin.» Etwas weniger Freiheit gewährt er seinen Kindern im Hinblick auf deren Konsumfreuden. «Bisher sind sie noch nicht auf die Idee gekommen, dass alles, was in Papas Laden drin ist, ihres sein könnte», sagt Dobler mit einem Schmunzeln. «Sie haben lange Wunschlisten, aber sie wissen, dass sie nur einzelne Sachen kriegen. Ich glaube, das habe ich im Griff.» Und schiebt lachend ein «im Moment zumindest» hinterher.

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Franz Carl Weber

Franz Carl Weber, gegründet 1881, ist der führende Schweizer Spielwarenspezialist und gehört zu den ältesten Spielwarenbrands weltweit. Das einstige Familienunternehmen mit Hauptsitz in Zürich ging 2006 an den französischen Spielwarenkonzern Ludendo. Nachdem dieser in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wurde Franz Carl Weber 2018 von einer Investorengruppe um Marcel Dobler übernommen. Heute sind Dobler und der Spielwarenhersteller Simba Dickie zu jeweils 50 Prozent am Unternehmen beteiligt. Damit die rund 240 Mitarbeitenden von Franz Carl Weber bei der Vorsorge optimal abgesichert sind, vertraut Franz Carl Weber auf eine BVG-Lösung von Swiss Life.

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