Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl und die Mehrheit im Parlament gewonnen. Die Finanzmärkte hatten bereits begonnen, sich darauf einzustellen.

Das Wichtigste im Überblick

Donald Trump hat am 5. November nicht nur die US-Präsidentschaftswahl, sondern auch die Mehrheit in beiden Kammern des amerikanischen Parlaments gewonnen. Er hat damit die Möglichkeit, einen grossen Teil seines Wahlprogramms umzusetzen. Die Handelspolitik wird konfrontativer und die Steuerpolitik noch expansiver werden. Die Effekte auf das US-Wirtschaftswachstum werden sich kompensieren, wohingegen beide inflationär wirken. Dies wirkt sich insbesondere über die US-Zinsmärkte und den USD auf die Finanzmärkte aus. Das Wahlergebnis ist aber keine Überraschung und die Finanzmärkte hatten bereits begonnen, dies vorwegzunehmen. Anleger sollten sich daher vom Wahlergebnis nicht verunsichern lassen.

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CIO Update Oktober 2024

Werfen Sie einen Blick auf das Basiszenario der Finanzmarktentwicklungen im Oktober mit Chief Investment Officer Dr. Peter Kaste.

Wie haben die Amerikanerinnen und Amerikaner gewählt?

Nach einem spannenden Wahlkampf haben die US-Wahlen mit einem klaren Sieg der Republikaner geendet. Donald Trump hat nicht nur mit einer Mehrheit der Stimmen des «Electoral College» die US-Präsidentschaftswahl gewonnen, sondern mit Mehrheiten sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus haben die Republikaner auch beide Kammern des amerikanischen Parlaments in ihrer Hand. Dies wird es Donald Trump ermöglichen, nach der Amtseinführung am 20. Januar 2025 einen grossen Teil seines Wahlprogramms umzusetzen, zumindest bis zu den Zwischenwahlen im Herbst 2026.

Was bedeutet das Wahlergebnis wirtschaftlich?

Die wirtschaftlich wichtigsten Punkte in Donald Trumps Wahlprogramm betreffen:

  • die Einführung zusätzlicher Zölle (evtl. bis zu 60% auf Güter aus China sowie 10% auf alle übrigen Warenimporte)
  • Steuersenkungen (vollumfängliche Verlängerung der zeitlich begrenzten Steuersenkungen des Jahres 2017 sowie Senkung der Unternehmenssteuern von 21% auf 15%)
  • sowie die Deregulierung gewisser Wirtschaftssektoren (z. B. Energie).

Die Einführung von Zöllen bewirkt einen einmaligen Inflationsanstieg, senkt das reale US-Wirtschaftswachstum durch schrumpfenden Privatkonsum und sinkende Unternehmensinvestitionen, führt jedoch auch zu direkten Staatseinnahmen. Zölle werden Gegenmassnahmen der Handelspartner in Form von Zöllen auf US-Waren hervorrufen. Der resultierende Handelsstreit verschlechtert international das Investitionsklima, incentiviert Investitionen in den jeweiligen lokalen Markt und kann zur Neuausrichtung von Lieferketten führen. Viel wird davon abhängen, in welcher Höhe Trump Zölle gegen welche Handelspartner erheben wird, in welcher Form letztere reagieren und wie der Handelsstreit innerhalb welcher Zeit beigelegt wird.

Die Steuersenkungen führen zu direkten Mindereinnahmen des US-Staates, steigern allerdings das reale Wirtschaftswachstum durch Förderung des Privatkonsums sowie von Firmeninvestitionen und leisten einen anhaltenden Beitrag zur Inflation. Die Deregulierung wirkt sich langfristig positiv auf das Wirtschaftswachstum aus.

Der negative Effekt der Zölle auf das US-Wirtschaftswachstum wird also durch eine expansive Steuerpolitik zugunsten der Einkommen der Privathaushalte und der Firmen sowie auf Kosten des Staatsdefizits kompensiert und die Deregulierung wird sich langfristig positiv auswirken. Die US-Inflation wird temporär durch die Zölle und mittelfristig durch die expansive Steuerpolitik erhöht.

Das Wirtschaftswachstum der Handelspartner wird durch die Zölle negativ beeinflusst. Diese werden aber weniger bereit oder in der Lage sein, der Abschwächung durch eine expansive Steuerpolitik zulasten des Staatshaushalts entgegenzuwirken.

Wie haben die Finanzmärkte initial auf das Wahlergebnis reagiert?

Die Finanzmärkte haben rational auf das Wahlergebnis reagiert, zumal sich dieses in den letzten zwei Wochen vor der Wahl abzuzeichnen begann. Die Zinsen auf 10-jährigen US-Staatsanleihen sind gestiegen, wohingegen die europäischen Zinsen kaum reagiert haben. Die US-Aktienmärkte haben das Wahlergebnis positiv aufgenommen, wobei insbesondere die kleinkapitalisierten Firmen starke Wertzuwächse verzeichnen. Aber auch die europäischen Aktienmärkte haben zugelegt. Hongkong, China sowie spanische Banken reagierten jedoch negativ auf das Wahlergebnis. Der USD hat gegenüber den wichtigsten Währungen aufgewertet.

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Welchen Effekt auf die Finanzmärkte erwarten wir langfristig?

Aufgrund der inflationären Effekte von Trumps Handels- und Steuerpolitik wird die amerikanische Zentralbank die im September eingeleiteten Zinssenkungen früher beenden als im bisherigen Basisszenario angenommen. Dies bewirkt einen Anstieg der kurzfristigen US-Zinsen. Durch den mittelfristigen Inflationsschub sowie das steigende US-Staatsdefizit werden aber auch die langfristigen US-Zinsen steigen und die Zinskurve dürfte insgesamt sogar steiler werden. Ein Teil dieser Bewegung hat bereits in den letzten Wochen vor den US-Wahlen stattgefunden, als ein Sieg der Republikaner wahrscheinlicher wurde, sowie am Tag direkt nach der Wahl.

Die Zinsen in CHF und EUR werden stabiler bleiben, da Trumps Handelspolitik auf dem Wirtschaftswachstum in der Schweiz wie in Europa lastet und die Gegenmassnahmen weniger inflationär und defizitär wirken werden.

US-Firmen profitieren von Steuererleichterungen, was den US-Aktienmarkt und die Kreditspannen von US-Firmenanleihen trotz des Handelsstreits und der steigenden US-Zinsen stützt. Ausländische Firmen mit hohem Anteil von Exporten in die USA werden unter Trumps Handelspolitik leiden, sodass ihre Aktien und Kreditspannen unter Druck geraten können, bis sich der Handelsstreit gelegt hat.

Der USD sollte aufwerten, da Trumps Politik das Wirtschaftswachstum der USA relativ zu seinen Handelspartnern positiv (bzw. weniger negativ) beeinflusst, sich die Differenz zwischen den USD-Zinsen und den Zinsen anderer Währungen ausweitet sowie die Handelspartner ein Interesse haben, ihre Währungen abzuwerten, um den Zöllen entgegenzuwirken. Ein Teil dieser Aufwertung hat ebenfalls bereits in den letzten Wochen vor den US-Wahlen stattgefunden sowie am Tag direkt nach der Wahl.

Sollten Anleger auf das Wahlergebnis reagieren?

Wir hatten das obige Wahlszenario und seine Auswirkungen bereits in unserem CIO-Update von Anfang Oktober beschrieben. Wie damals gilt die Aussage, dass Sie sich als Anlegerin oder Anleger von den US-Wahlen und ihrem Ergebnis nicht verunsichern lassen und sich auf Ihre langfristige Strategie konzentrieren sollten.

Die Auswirkungen von Wahlen auf die Finanzmärkte werden im Allgemeinen überschätzt. Jeder amerikanische Präsident, auch Trump, hat das Wohlergehen der amerikanischen Wirtschaft im Blick, und dies ist wichtig für die gesamte Weltwirtschaft und die globalen Finanzmärkte. Es ist gut, dass die Wahlunsicherheit nun vorbei und der Blick voraus wieder klarer geworden ist. 

 

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Porträtbild von Dr. Peter Kaste, Leiter Financial Engineering bei Swiss Life Asset Managers

Dr. Peter Kaste

Chief Investment Officer Swiss Life Wealth Management AG

Dr. Peter Kaste ist Chief Investment Officer bei der Swiss Life Wealth Management AG. Er ist promovierter Physiker, CFA Charterholder, Mitglied der Swiss CFA Society sowie Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Nach seiner Promotion war Peter Kaste während mehrerer Jahre als Wissenschaftler an der École Polytechnique (Paris) sowie an der ETH Zürich tätig. Seit 2006 arbeitet er im Asset Management. Von 2008 bis 2023 baute er das Quantitative-Research-Team von Swiss Life Asset Managers auf und leitete es. Seit 2024 leitet er als Chief Investment Officer das Investment Management von Swiss Life Wealth Managers.

Hinweis: Die aufgeführten Angaben dienen lediglich Informationszwecken und sind ohne Gewähr und Haftung. Sie begründen weder ein Angebot, eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Erwerb oder zur Veräusserung von Finanzinstrumenten oder zum Abschluss von anderen Rechtsgeschäften. Dieser Beitrag enthält zukunftsgerichtete Aussagen, welche unsere Einschätzung und unsere Erwartungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücken. Dabei können verschiedene Risiken, Unsicherheiten und andere Einflussfaktoren dazu führen, dass die tatsächlichen Entwicklungen und Resultate sich von unseren Erwartungen deutlich unterscheiden. Die vergangene Performance ist kein Indikator für laufende und zukünftige Entwicklungen und Ergebnisse. Investitionen in Finanzprodukte sind mit unterschiedlichen Risiken verbunden, wozu auch der potenzielle Verlust des eingesetzten Kapitals gehört.