Durch einen unachtsamen Moment im Studium hat Jeannine Born ihre Berufung gefunden. Heute arbeitet sie als Achtsamkeitsexpertin, Psychotherapeutin und Life- und Businesscoach in Zürich. Mit ihrer Arbeit ermöglicht sie Menschen, achtsamer und selbstbestimmter ihren Alltag zu gestalten.

Schon als Kind ist sie die Anlaufstelle für andere. Sie versucht stets, Menschen zuzuhören und ihnen das Leben etwas leichter zu machen. Ärztin will sie werden. Als sie als Studentin im grossen Universitätsgebäude den Gang entlang läuft und sich fälschlicherweise in den linken, statt den rechten Raum setzt, findet sie dort ihre wahre Berufung: Die Psychologie-Vorlesung fesselt sie vom ersten Moment an. Sie handelt und wechselt
noch in derselben Woche das Studienfach.

Aus einem Zufall einen Plan schmieden, das tut Jeannine Born ein weiteres Mal. Bevor sie in den Ferienflieger steigt, schnappt sie sich eines der vielen Magazine. Sie schlägt es auf und trifft auf ein
Interview mit Jon Kabat-Zinn, Professor und Begründer der Achtsamkeitsmethode MBSR (Mindfulness-based stress reduction). «Das will ich machen!», weiss sie sofort. Zurück aus den Ferien sind alle Kurse ausgebucht. Das hält sie nicht ab. Sie ergattert sich einen Ausbildungsplatz, den es eigentlich nicht mehr gäbe.

j-born-3

Seit 13 Jahren arbeitet sie nun als Achtsamkeitsexpertin, Psychotherapeutin und Lifecoach. Die Nachfrage sei in den vergangen zwei Jahren nochmals deutlich gestiegen – sowohl von Privatpersonen wie Unternehmen.

Viele Dinge lenken uns ab. Unsere Aufmerksamkeit hüpft von einem zum Nächsten. Besonders im Arbeitsumfeld mit Anrufen, E-Mails und Meetings. Konzentriert und fokussiert bei der Arbeit oder
in einem Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen zu sein, fällt vielen schwer. Wir fühlen uns ausgeliefert, machtlos und alles andere als selbstbestimmt.  

Achtsamkeit ist der Weg zu einem selbstbestimmten Leben.

Dieses Online Angebot ist deaktiviert, da Sie sich ausserhalb der Schweiz befinden. Cookie-Einstellungen

Unternehmen täten gut daran, Achtsamkeit zu fördern. Die Forschung belege, dass bereits einzelne achtsame Menschen die psychologische Sicherheit und das bewusstere Handeln eines ganzen Teams erhöhe. In jedem Büro Sitzkissen auf dem Boden zu verteilen und alle zum Meditieren zu verdonnern, sei jedoch der falsche Ansatz, erklärt Jeannine Born: «So käme mehr Widerstand. Besser Angebote schaffen für die Interessierten und diese Mitarbeitenden als interne Multiplikatoren nutzen. Das ist zielführender.»

Dass Achtsamkeit eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben ist, davon ist Jeannine Born überzeugt. «Nur wenn ich präsent bin in meinen Leben und merke, welche Kräfte wirken, welche Gefühle kommen und welche Gedanken da sind, kann ich selbstbestimmt handeln. Ohne Achtsamkeit kriegen wir all dies oft nicht mit und handeln einfach automatisiert. Das ist dann überhaupt nicht selbstbestimmt.»  

 

Achtsamkeit bedeutet...

...dass wir innehalten können, bewusst Entscheidungen treffen. Und nicht einfach reagieren auf äussere Kräfte. Viele Schwierigkeiten entstünden, wenn uns etwas triggert und wir reaktiv handeln, statt innezuhalten. Diesen kurzen Moment könnten wir nutzen, empfiehlt Jeannine Born.

Ihren Alltag gestaltet Jeannine Born mit eigener Praxis weitgehend selbstbestimmt. Aber sogar die Expertin fällt manchmal in Muster zurück: «Es passiert immer wieder, dass ich Termine zusage, obwohl ich eigentlich bereits zu viel los habe.» Darum trainiert sie weiterhin regelmässig das Meditieren. Achtsamkeit sei schliesslich eine Trainingsmethode und keine Wellness oder gar Glaubenssache, wie Kritiker*innen gelegentlich behaupten würden.

Bilder: Unsplash, Kenrick Mills

Hirn-Scans zeigen deutlich, dass durch Meditation das Zentrum für Gelassenheit und bewussteres Handeln stärker wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Menschen

Prof. Dr. Sabina Misoch: «Wie altern wir in Zukunft?»

Mehr lesen

Menschen

Xaver Schenker: «Ich hatte immer eine Faszination für die Ferne.»

Mehr lesen

Menschen

Diana Werthmüller: «Ich möchte unserer Gesellschaft zeigen, dass der Tod nicht als Tabuthema behandelt werden soll.»

Mehr lesen