Patrick Wenger (37) ist Rettungssanitäter bei der Air Zermatt. Bei seiner Arbeit mit Helikopterpiloten und dem Arzt kennt er keine Routine – und doch ist jahrelange Erfahrung nötig, damit Einsätze in letzter Minute gelingen.

Der Himmel ist die Grenze, «The Sky is the Limit» ist der Slogan von Air Zermatt. Wo sind Ihre Grenzen?
Nebst den Grenzen der modernen Luftfahrttechnik und den Wetterbedingungen sind meine persönlichen Grenzen, wenn es um die Sicherheit der Crew und des Patienten geht.

Sind im Sommer die Einsätze weniger gefährlich als im Winter?
Die Einsätze im Sommer sind meist technischer, anspruchsvoller und damit gefährlicher als im Winter. Aus Sicht der Notfallmedizin ist das Spektrum im Sommer auch abwechslungsreicher.

Sie erleben Schicksale, bergen Tote, retten schrecklich zugerichtete Menschen. Wie gehen Sie damit um?
Bei solchen Einsätzen liegt der Fokus bei mir auf der raschen und richtigen Behandlung, falls es nicht bereits zu spät ist. Gewisse Bilder bleiben, kommen und gehen wieder. Schwieriger ist es mit den Emotionen der Angehörigen oder Hinterbliebenen. Mir hilft es zu wissen, dass es nicht mein Schicksal ist – wenn nötig nehme ich mir Zeit für den Abschied. Sofern nicht der nächste Einsatz ansteht, halte ich kurz inne und baue ein Steinmännchen oder etwas Ähnliches an der Unfallstelle als Andenken auf.

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Patrick Wenger (rechts) mit einem Rettungsarzt der Air Zermatt bei einer Bergrettung: Mit einer Helikopterflotte von elf Maschinen und insgesamt 75 Mitarbeitenden fliegt die 1968 gegründete Air Zermatt täglich rund 25 Einsätze und betreibt ein Trainings-Center, welches den grossen Erfahrungsschatz auf dem Gebiet der Notfallmedizin und der alpinen Rettung in Aus- und Weiterbildungskursen weitergibt. Seit 2011 führt die Air Zermatt zusammen mit der Rettungsstation Zermatt auch eine Rettungsstation im Himalaya, wo lokalen nepalesischen Fachleuten die Möglichkeit einer Bergretterausbildung geboten wird.

Was gibt Ihnen Sicherheit in Ihrem Job?
Die Gewissheit, frühmorgens im Wissen aufzustehen, dass unsere Heli-Mechaniker bereits die täglichen Kontrollen pflichtbewusst durchführen. Wie beim Schachspielen versuche ich immer zwei Schritte voraus zu sein. Bei komplexen Situationen habe ich ein Ritual, um mich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Warum sind Sie Rettungssanitäter?
Aus Interesse und Begeisterung an der Notfallmedizin, die vielfach ausserhalb der Komfortzone und ohne Heimvorteil stattfindet. Der Job fordert mich täglich körperlich und mental – um bereit zu sein für das, was auch immer kommen wird, und meinen Teil für die professionelle Zusammenarbeit in einem kleinen, dynamischen und lösungsorientierten Team beizutragen.

Hat man in diesem Beruf auch Angst um sein eigenes Leben?
Wer diesen Job ausübt, ist sich der Gefahr bewusst und nimmt sie an. Während meiner humanitären Einsätze in Konfliktregionen in der Wüste Nord- und Westafrikas hätte mir die Angst um das eigene Leben bei der Arbeit keinen Vorteil gebracht. Mich selbst mit eigenen Ängsten zu konfrontieren, ist aber eine spannende Herausforderung, die sich immer ausbezahlt hat.

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Sind die Geretteten dankbar? Haben Sie danach noch Kontakt mit Ihnen?
Das ist sehr individuell. Die meisten Geretteten haben ihre eigene Art, Dankbarkeit zu zeigen – nicht immer verstehe ich diese. Es melden sich doch einige oder schreiben liebe Worte. Ich habe aber auch keine Erwartungen, denn es ist für diese Menschen meist ein Moment, den sie vergessen wollen oder verdrängen.

Woran denken Sie abends beim Einschlafen?
Ich bin vor allem dankbar für die Erlebnisse eines zu Ende gehenden Tages und bleibe hungrig für die weiteren. Danach Licht löschen, umdrehen – und das war’s.

Text: Florian Caprez
Bilder: Christian Pfammatter, Christian Spreitz

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