Die neuste Swiss Life-Studie zeigt: Zwar wünscht sich fast die Hälfte der kinderlosen 18- bis 45-Jährigen hierzulande ein Kind, doch die Geburtenrate sinkt unaufhaltsam. Die befragten Eltern sind nicht unzufriedener als Kinderlose, obwohl sie sich häufiger überlastet fühlen und deutlich mehr unbezahlte Arbeit leisten.
Historisch tiefe Geburtenrate trotz verbreitetem Kinderwunsch
25.06.2026 – Die Geburtenraten sinken weltweit: 2023 wurden pro Frau noch halb so viele Kinder geboren wie 1950. In Europa erreichte im selben Jahr kein einziges Land eine Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau, die für den Ersatz der Elterngeneration nötig wäre. Dies gilt auch für die Schweiz: Mit 1,28 Kindern pro Frau erreichte die Geburtenrate 2025 einen historischen Tiefstand.
Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick
- Die Geburtenrate erreichte in der Schweiz 2025 mit 1,28 Kindern pro Frau einen historischen Tiefstand. Weltweit hat sich die Anzahl Kinder pro Frau seit 1950 halbiert.
- Eltern sind ähnlich zufrieden wie Kinderlose, fühlen sich jedoch häufiger überlastet.
- 25- bis 54-jährige Mütter arbeiten 16 bis 22 Stunden pro Woche gegen Bezahlung –gleichaltrige, kinderlose Frauen mit 29 bis 32 Stunden deutlich mehr. Väter leisten ähnlich viel bezahlte Arbeit wie kinderlose Männer.
- In Haushalten mit Kindern unter sieben Jahren fällt deutlich mehr unbezahlte Arbeit an als in kinderlosen.
- Drei von zehn Befragten finden: Die Gesellschaft erwartet zu stark, dass man Kinder hat. Frauen (35%) sehen dies häufiger so als Männer (23%).
- 46% der kinderlosen 18- bis 45-Jährigen wünschen sich ein Kind. 33% der Eltern wünschen sich ein weiteres Kind.
- Fast die Hälfte der Befragten glaubt, dass sich in einer Partnerschaft eher Frauen ein Kind wünschen. Nur 5% tippen auf die Männer. Tatsächlich wünschen sich 45% der kinderlosen Frauen und 48% der kinderlosen Männer ein Kind.
- Die häufigsten Gründe gegen (weitere) Kinder sind ein fehlender Kinderwunsch (52%), eine abgeschlossene Familienplanung (43%) und die finanzielle Belastung (39%).
Sinkende Geburtenraten in diesem Ausmass führen in absehbarer Zeit zu weniger Arbeitskräften, die in den Arbeitsmarkt eintreten. Dies kann das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen und stellt unser Altersvorsorgesystem vor grosse Herausforderungen. Eine Erholung ist nicht in Sicht: Gemäss dem Bevölkerungsszenario des Bundesamts für Statistik, das am ehesten der aktuell gemessenen Geburtenrate entspricht, wird es in der Schweiz ab 2031 mehr Todesfälle als Geburten geben. Bis 2075 kommen auf jede Person im Rentenalter nur noch zwei Personen im Erwerbsalter – heute sind es drei.
Eltern sind ähnlich zufrieden wie Kinderlose, fühlen sich aber häufiger überlastet
2025 waren Mütter bei der Geburt eines Kindes im Schnitt 32 Jahre alt, Väter 35. Das Leben mit Kindern beginnt heutzutage später und unterscheidet sich deutlich von demjenigen ohne – gerade in finanzieller Hinsicht: Haushalte mit Kindern sind durchschnittlich weniger zufrieden mit ihren Finanzen als solche ohne. Während kinderlose Paarhaushalte im Schnitt rund 22% ihres Bruttoeinkommens sparen können, sind es bei Paaren mit Kindern nur 17%.
Rund die Hälfte der von Swiss Life befragten 18- bis 60-Jährigen findet, dass es mit Kindern schwieriger ist, privat für das Alter zu sparen. Jedoch sind Eltern nebst verschiedenen Lebensbereichen wie der Wohnsituation oder dem Freundeskreis auch mit ihren Ersparnissen ähnlich zufrieden wie Gleichaltrige ohne Kinder. Das Kinderhaben wird generell als herausfordernd beurteilt: Insbesondere Eltern mit Kindern unter vier Jahren fühlen sich deutlich häufiger überlastet (52%) als Kinderlose (36%).
Mehr Arbeit, weniger Einkommen – vor allem für Mütter
Haushalte mit Kindern haben im Durchschnitt ein tieferes Einkommen als solche ohne. Das liegt unter anderem daran, dass Kinder insbesondere für Mütter Konsequenzen für die Erwerbsarbeit haben. In Paarhaushalten gehen 25- bis 54-jährige Mütter rund 16 bis 22 Stunden pro Woche einer bezahlten Arbeit nach – bei kinderlosen Frauen sind es mit 29 bis 32 Stunden deutlich mehr. Väter und kinderlose Männer leisten hingegen ähnlich viel bezahlte Arbeit: rund 36 bis 40 Stunden.
Storch im Sinkflug
Ursachen, Folgen und Trends zur rückläufigen Geburtenentwicklung in der Schweiz
Berücksichtigt man die unbezahlte Arbeit, leisten Haushalte mit Kindern insgesamt mehr Arbeitsstunden als kinderlose Haushalte – insbesondere bei Kindern unter sieben Jahren. Mütter mit Kindern in diesem Alter übernehmen mit 61 bis 65 Stunden pro Woche einen deutlich höheren Anteil der unbezahlten Arbeit als Väter (39 bis 42 Stunden). Zu einem gewissen Grad widerspiegelt dies gesellschaftliche Erwartungen: So finden 35% der Befragten, dass es für kleine Kinder schädlich ist, wenn die Mutter in Vollzeit erwerbstätig ist, während dies beim Vater nur 16% so sehen.
Drei von zehn finden, dass die Gesellschaft zu stark erwartet, dass man Kinder hat
Die Familiengründung ist eine persönliche Entscheidung, steht aber auch unter dem Einfluss gesellschaftlicher Erwartungen. Drei von zehn Befragten finden, dass die Gesellschaft zu stark erwartet, dass man Kinder hat – Frauen (35%) sind eher dieser Meinung als Männer (23%). Dies kann damit zusammenhängen, dass sich Frauen häufiger mit dieser Erwartung konfrontiert sehen. So sagen 38% der Befragten, dass von einer Frau Kinder erwartet werden, während dies bei Männern nur 17% so sehen.
Auf die Frage, welche Begriffe sie mit dem Elternsein verbinden, nennen 61% «Freude und Lebensglück», 59% «familiäre Geborgenheit» sowie 48% «Sinn und Erfüllung». Zudem spielen «finanzielle Verantwortung» (59%) und «Stress» (40%) eine Rolle. Nicht wenige sorgen sich um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wobei Frauen (61%) im Vergleich zu Männern (36%) klar öfter davon ausgehen, dass ein (weiteres) Kind zu (viel) schlechteren Berufsaussichten führt.
Fast die Hälfte der Kinderlosen wünschen sich ein Kind
46% der befragten 18- bis 45-jährigen Kinderlosen wünschen sich ein Kind, 27% wollen keines. Frauen (45%) wünschen sich etwas weniger oft ein Kind als Männer (48%). Die Gesellschaft schätzt die Situation interessanterweise vollkommen anders ein: 45% denken, dass es eher die Frauen sind, die ein Kind wollen, während dies nur 5% den Männern zuschreiben. 41% der Befragten glauben, dass der Kinderwunsch innerhalb einer Partnerschaft bei Männern und Frauen gleich ausgeprägt ist. Bei den Eltern wünschen sich 33% der 18- bis 45-Jährigen ein weiteres Kind – wobei auch hier der Wunsch bei Männern (37%) etwas ausgeprägter ist als bei Frauen (29%).
Für die Entscheidung zu einem (weiteren) Kind spielt die Beziehungsqualität vor Finanzen und Betreuungsmöglichkeiten die wichtigste Rolle – die Aufteilung der Hausarbeit wird am wenigsten genannt. 61% der Personen mit einem (weiteren) Kinderwunsch hätten gerne zwei Kinder. Rückblickend geben sich die 46- bis 60-jährigen Eltern mehrheitlich mit ihrer Anzahl Kinder zufrieden: Nur 15% hätten gerne mehr Kinder gehabt, 4% weniger. Der unerfüllte Kinderwunsch ist jedoch ebenfalls verbreitet: 39% der Kinderlosen im Alter 46 bis 60 geben an, dass sie gerne Kinder gehabt hätten.
Warum viele auf (weitere) Kinder verzichten
Die Ursachen für die weltweit sinkenden Geburtenraten sind vielfältig und nicht abschliessend geklärt. Internationale Forschung legt nahe, dass die mit Kindern verbundenen Opportunitätskosten sowie der wirtschaftliche Aufstieg von Frauen in den letzten Jahrzehnten eine Rolle spielen könnten.
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Die gemäss Swiss Life-Umfrage häufigsten Gründe, weshalb 18- bis 45-Jährige hierzulande keine (weiteren) Kinder wollen, sind: ein fehlender Kinderwunsch (52%), eine abgeschlossene Familienplanung (43%) oder eine zu hohe finanzielle Belastung (39%). Zwei Drittel der Eltern ohne weiteren Kinderwunsch nennen die abgeschlossene Familienplanung als wichtigsten Grund. Kinderlose ohne Kinderwunsch begründen diesen besonders häufig mit der Weltlage (46%) oder einer zu hohen zeitlichen Belastung (44%).
Kinderlose mit Kinderwunsch geben an, bislang keine Kinder zu haben, weil sie sich zu jung fühlen (41%) oder weil der oder die passende Partner/-in (41%) oder die Finanzen (30%) fehlen. 31- bis 40-Jährige (31%) geben zudem deutlich öfter gesundheitliche Probleme als Grund für die bisherige Kinderlosigkeit an als 18- bis 30-Jährige (3%).
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