Mit einem lebensgrossen Plakat mitten in Zürich machte Silvia Triebl ihren Kinderwunsch öffentlich. Im Interview spricht die 47-jährige Kinderbuchautorin über ihren Wunsch nach einer eigenen Familie. Zwischen Unternehmertum und neuen Wegen der Familienplanung erzählt sie, weshalb sie die Hoffnung trotz Rückschlägen nicht aufgibt.
Die Hände ständig in Bewegung, der Blick ruhig und offen – mit einem schelmischen Funkeln: Silvia Triebl redet, wie andere atmen. Schnell, lebendig, ohne Unterbruch. Wer Kinderkochbücher herausgibt, muss Geschichten erzählen können. Es ist unmöglich, ihr nicht gebannt zuzuhören. Aber wenn sie von Kindern spricht, wird ihre Stimme sanfter.
Silvia ist 47 Jahre alt, gelernte Malermeisterin und Restauratorin, heute Kinderbuchautorin und Unternehmerin. Mit ihren Kochbüchern erschafft sie ein wachsendes Universum für Kinder – voller Rezepte und Fantasie. Anfang 2022 wurde sie über Nacht bekannt: Mit einem lebensgrossen Plakat mitten in Zürich suchte sie nach der Liebe. «Topf sucht Deckel», stand da. Über die Landesgrenzen hinaus berichteten Medien über die gebürtige Österreicherin, die öffentlich den Wunsch nach einer eigenen Familie formulierte.
Seit 24 Jahren lebt Silvia in Zürich. Ihren steirischen Dialekt mit Sätzen wie «bist du narrisch» hat sie sich bewahrt. Wir treffen Silvia Triebl in ihrer Showküche. Zwischen Gemüse, Kochtöpfen und Spielzeugfiguren erzählt sie von ihren Ideen, gesellschaftlichen Erwartungen – und ihrem grossen Herzenswunsch.
Silvia, was hat dich vor vier Jahren zur Plakat-Aktion bewogen?
Ich hatte zuvor diverse Dating-Plattformen wie Tinder, Bumble und Partnervermittlungen ausprobiert. Doch es war schwierig, jemanden zu finden, der meinen Kinderwunsch teilt. Als ich in einer kalten Novembernacht nach einem Frauenarzttermin an der Busstation wartete, kam mir plötzlich die Idee – «Topf sucht Deckel»: Das kapiert jeder Mann.
Und, haben die Männer deine Botschaft verstanden?
Ein paar Hundert Männer haben sich gemeldet und ich habe fast allen geantwortet. Sieben habe ich gedatet. Das war eine lustige und verrückte Aktion. Aber die Liebe, wie ich sie mir gewünscht hatte, fruchtete leider nicht.
Deine Partnersuche war also mit dem klaren Ziel verbunden, eine Familie zu gründen?
Mein Kinderwunsch war der ausschlaggebende Grund für das Plakat: Liebe zu finden und dann aus Liebe Leben entstehen zu lassen. Was gibt es Schöneres? Das ist mein grösster Wunsch.
Wie wirkt sich dein Kinderwunsch auf deine Partnersuche aus?
Meine direkte Art, mit dem Kinderwunsch umzugehen, hat viele Männer abgeschreckt. Manche meinten: Silvia, du bist schon viel zu alt. Warum willst du das? Doch mein Körper sagt mir etwas anderes.
Was entgegnest du Leuten, die dir sagen, du seist zu alt für ein Kind?
Wir werden älter als früher, denn wir leben gesünder. 50 ist die neue 40, 60 die neue 50. Ich bin 47, aber ich fühle mich wie 35, obwohl ich meine Falten habe. Wir sollten mit der Zeit gehen – auch in der Fortpflanzungsmedizin. Klar sollen Ärzte über Risiken einer Schwangerschaft aufklären. Aber am Schluss entscheide ich über meinen Körper.
Wie geht es nun weiter mit dem Kinderkriegen?
Letztes Jahr wollte ich mit einem Mann Co-Parenting probieren, das scheiterte aber an seiner Fruchtbarkeit. Jetzt bleibt mir noch die künstliche Befruchtung. Als Single ist das jedoch in der Schweiz und Österreich leider nicht möglich – in Deutschland nur in Spezialkliniken, doch liege ich über der Altersgrenze. Deshalb reise ich voraussichtlich im Frühjahr 2027 nach Spanien: Dort liegt die Altersgrenze bei 50 Jahren.
Co-Parenting
Co-Parenting bezeichnet eine postmoderne Familienform, bei der sich Erwachsene zusammenschliessen, um ein Kind aufzuziehen, ohne dabei eine Partnerschaft einzugehen.
War eine Adoption je ein Thema?
Als ich vor Jahren als Zeichenlehrerin in einem indischen Waisenhaus unterrichtete, hätte ich gerne ein Mädchen adoptiert. Aufgrund der indischen Gesetzgebung ging das nicht. Auch in der Schweiz war es unmöglich, da ich über 40 und alleinstehend war und nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügte.
Würdest du Frauen zu Social Freezing raten?
Ich würde einigen jüngeren Frauen zu Social Freezing raten. Das nimmt den Druck, wenn du keinen Partner hast. Eine Sicherheitsgarantie gibt es zwar nicht, aber psychologisch ist es beruhigend, zu wissen, dass die Eier gut gelagert sind. Leider kam Social Freezing für mich nicht mehr infrage, da mein Alter die Altersempfehlung damals bereits überstieg.
Social Freezing
Social Freezing bezeichnet das vorsorgliche Einfrieren unbefruchteter Eizellen, damit Frauen später darauf zurückgreifen können. So erhöhen sie die Chancen auf eine Schwangerschaft jenseits des Alters von etwa 35 Jahren.
Was löst die Vorstellung bei dir aus, deinen Kinderwunsch nicht erfüllen zu können?
Wenn es nicht funktioniert, nehme ich es an. Damit befasse ich mich durchaus. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf und denke positiv: Ich bin die kinderlose Kinderbuchautorin, die auf ihren Prinzen hofft – einen lieben Mann.
Es ist ein globaler Trend, der auch die Schweiz betrifft: Menschen haben immer weniger Kinder. Was löst das bei dir aus?
Es stimmt mich traurig, denn Kinder sind die Zukunft. Dass nicht jeder einen Kinderwunsch hat, ist aber auch okay. Man kann ohne Kinder glücklich sein. Ich habe Freundinnen, die wollen bewusst keine Kinder und ich verurteile sie nicht dafür.
Was, denkst du, sind die Gründe für die sinkende Geburtenrate?
Hauptfaktor sind die hohen Lebenshaltungskosten: Viele Menschen überlegen sehr genau, ob sie sich Kinder überhaupt leisten können. Manche schrecken davor zurück, Kinder in die Welt zu setzen, wenn es überall scheppert. Aber es hat schon immer schwierige Zeiten gegeben.
Storch im Sinkflug
Ursachen, Folgen und Trends zur rückläufigen Geburtenentwicklung in der Schweiz.
Ist die Schweiz denn kein kinderfreundliches Land?
Die Schweiz ist kinderfreundlich, aber mit nur 14 Wochen Mutterschaftsurlaub nicht sehr unterstützend. Nach so kurzer Zeit will ich mein kleines Wunder doch nicht abgeben. Viele haben die finanziellen Mittel nicht, um länger zu Hause zu bleiben. Da hinkt die Schweiz international hinterher.
Das Kinderthema beschäftigt dich auch beruflich: Du hast ein Kochbuch für Kinder lanciert. Worum geht es da?
Die Hauptfigur «Benjamiin» ist ein gemüseliebender kleiner Vampirjunge, der in Transsilvanien lebt und kein Blut mag, sondern Gemüse. Benjamiin vermittelt Kindern die Botschaft, dass gesunde Ernährung das A und O ist. Das macht Benjamiin auf spielerische, sympathische Art – nicht belehrend. Daraus ist eine ganze Buchreihe entstanden.
Welches unternehmerische Ziel verfolgst du mit Benjamiin?
Mein Ziel ist es, Benjamiin zu einer Kindermarke für gesunde Ernährung aufzubauen. Dazu lanciere ich einen YouTube-Kanal mit unterhaltsamen Lernvideos: Die Kinder lernen, wo etwa die Milch, Banane und Gurke herkommen. Ich erschaffe eine Welt mit Geschichten, Rezepten und Musik. Alle Figuren haben einen eigenen Charakter.
Und was kochst du in deiner Kochsendung mit Benjamiin?
In meinen Büchern geht Benjamiin auf Reisen: In jedem Buch zeigt ein anderer Koch seine Rezepte. In den Videos mache ich einfache Gerichte aus Obst und Gemüse, damit die Kinder sehen, wie man schnell und frisch leckeres Essen zubereiten kann. Ohne Fertigprodukte.
Du hast dich vergangenes Jahr selbstständig gemacht. Wie hast du diesen Schritt erlebt?
Der Schritt in die Selbstständigkeit war für mich befreiend. Man trägt zwar ein Risiko und ist wortwörtlich selbstständig – also ständig mit sich selbst. Aber ich brenne für meine Firma und bereue den Schritt keine Sekunde.
Kannst du denn schon davon leben?
Damit ich meinen Lebensunterhalt bezahlen kann, arbeite ich nebenbei als Privatköchin für Events und Familien. Aber mein Ziel ist es, mich voll auf Benjamiin konzentrieren zu können. Dazu bin ich auf zusätzliche Sponsoren und Investoren angewiesen.
Bleibt bei deiner Selbstständigkeit Zeit für Dating und Familie?
Man kann alles verbinden, aber im Moment liegt mein Fokus auf dem Firmenaufbau. Ein Kind muss schliesslich finanziert werden. Und ich möchte finanziell unabhängig sein.
Was bedeutet Geld für dich?
Geld gibt Sicherheit: Wenn dir etwas passiert, hast du ein Dach über dem Kopf. Wenn du krank bist, kannst du ins Spital.
Was war deine bedeutendste Finanzentscheidung?
Der Schritt, mich mithilfe meiner Pensionskasse selbstständig zu machen, war meine grösste Finanzentscheidung. Das ist zwar ein Risiko, aber ich bin mir sicher, dass es gut kommt.
Wann fühlst du dich finanziell selbstbestimmt?
Finanziell selbstbestimmt fühle ich mich dann, wenn ich ein Pölsterchen habe. Ich fühle mich sicher und kann ruhig schlafen, wenn ich weiss: Ich habe genug auf der Seite für den Notfall.
Was rätst du anderen Frauen in finanziellen Dingen?
Mein Rat an Frauen in finanziellen Fragen lautet: Kümmert euch selbst darum. Viele verheiratete Frauen verlassen sich auf ihren Mann. Das ist zwar schön, aber man sollte auch selbst vorsorgen. Denn man weiss nie, was kommt.
Was wünschst du dir für unsere Gesellschaft?
Ich wünsche mir mehr Offenheit und dass man andere nicht gleich verurteilt. Auf meinen Kinderwunsch und Firmenaufbau reagieren viele negativ. Das stimmt mich traurig. Warum kann ich nicht Kind und Karriere verbinden? Ich finde es grossartig, dass es immer mehr Frauen gibt, die beides anstreben.
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