Wie geht Erwachsenwerden? Und wie schwierig ist das, wenn der Vater der erfolgreichste Rockmusiker der Schweiz ist? Chris von Rohr (68) und seine Anfang Jahr volljährig gewordene Tochter Jewel im Interview übers Älterwerden, Freiheit und Verantwortung.

Jewel, du wurdest Ende Januar volljährig. Wie fühlt sich das an?
Jewel von Rohr: Es ist cool, endlich offiziell erwachsen zu sein. Aber im Grunde genommen ist es nur eine Zahl. Für mich ist es nicht so ein grosser Unterschied. Natürlich geniesse ich mehr Freiheiten, aber ich bin immer noch derselbe Mensch. 

Chris, hat sich für dich etwas verändert? Fühlst du dich weniger stark verantwortlich für deine Tochter?
Chris von Rohr: Jewel hatte schon früher viele Freiräume. Die Verantwortung ist dementsprechend die gleiche. Klar, während der frühen Jahre, wenn ein Kind das Leben und seine Gefahren erst erkennen und erleben muss, bist du stärker gefordert und die Verantwortung ist gross. Heute ist das schon lockerer, obwohl in den USA gibt’s nach wie vor keine Drinks für Jewel.

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Ich hatte das Glück, ein später Vater zu sein. Das war natürlich perfekt, denn ich war nicht mehr auf diesen Endlos-Tourneen. Ich konnte für dich da sein, als du mich gebraucht hast.

Wie würdest du deine Vaterrolle beschreiben?
Chris von Rohr: Ich habe Jewel als Menschen immer schon ernst genommen. Remo Largo sagt richtig: «Erziehung ist vor allem Beispiel und Liebe». Ich hatte das Glück, ein später Vater zu sein, also genau gesagt war ich bei Jewels Geburt 50. Das war perfekt, denn ich war nicht mehr auf diesen Endlos-Tourneen. Ich konnte für Jewel da sein, wenn sie mich brauchte. Und ich habe das genossen. Allen, die zweifeln, kann ich nur sagen: Go for it! Neben der Musik ist das für mich der Sinn des Lebens.

Jewel, war dir bewusst, dass dein Vater schon etwas älter ist?
Jewel von Rohr: Das hat für mich überhaupt keine Rolle gespielt. Er ist ja selber noch ein Kind und man kann mit ihm jeden Scheiss machen. Wir haben es lustig zusammen.
Chris von Rohr: Ich habe dank Jewel mein inneres Kind wiederentdeckt und konnte das ausleben. Durch meinen Job bin ich sowieso ein leichtfüssiger, verspielter Typ und nicht wie ein normaler 68-jähriger Vater.
Jewel von Rohr: Definitiv nicht! Wir erleben immer viel crazy Sachen zusammen und bei uns wird es nie langweilig.

«Steh wieder auf, es geht weiter. Die Schrammen, die werden kommen»: Chris von Rohr und Tochter Jewel im Interview (Video: Vitronic, Musik: Chris von Rohr)

Welche Freiheiten hatte Jewel, die andere nicht hatten?
Jewel von Rohr: Ich durfte immer so lange draussen bleiben, wie ich wollte. Da vertrauten mir meine Eltern und ich habe das auch nie ausgenutzt. Ich weiss, was gut für mich ist und was nicht.
Chris von Rohr: Ich finde es schlimm, wenn Erwachsene ihren Kindern immer reinreden. Man muss vertrauen und machen lassen! Erfahrung ist die Summe aller Fehler. Ich staunte auch immer und fragte mich: Wo bleibt eigentlich die Pubertät? Kommt mal noch eine Spät-Pubertät? (lacht)
Jewel von Rohr: Der Aufstand ist gar nicht nötig.
Chris von Rohr: Ich weiss nicht, ob wir schon jemals Krach hatten.
Jewel von Rohr: Doch, wegen einer Ex-Freundin!
Chris von Rohr: Da fand Jewel, das gehe gar nicht, und am Schluss hatte sie ja recht. Aber das ist das einzige Mal, dass wir bis jetzt Krach hatten.

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Sprecht ihr über das Thema Liebe und Beziehung?
Jewel von Rohr: Momentan habe ich keinen Freund, deshalb ist es kein Thema, aber wir haben auch schon darüber gesprochen.
Chris von Rohr: Wir zeigen die uns schon gegenseitig. Aber es ist nicht so, dass ich sie von etwas abhalten möchte. Wir besprechen diese Themen so, wie sie das mit ihren Freundinnen auch macht. Denn das bin ich: ein Freund.
Jewel von Rohr: Wir können über alles zusammen reden, was ich sehr schätze. Viele Kollegen und Kolleginnen erzählen mir von Problemen mit ihren Eltern. Da gibt es oft Streit und Uneinigkeiten. Aber bei meinen Eltern hatte ich das fast nie. Wir hatten immer ein gutes, lockeres Verhältnis.
Chris von Rohr: Vielleicht hilft es auch, dass Jewels Mutter und ich uns nicht in einer mühsamen Partnerschaft abstrampeln. Wir haben irgendwann beschlossen: Als Elternpaar funktionieren wir sensationell, aber als Partner geht es leider nicht. Das war heavy Shit. Eine persönliche Niederlage. Es gab Tränen und Schmerz. Aber wir haben das nicht zuletzt für unsere Tochter getan. Es ist so schädlich für Kinder, wenn die Eltern ständig streiten. Und dann kommt gleich Regel Nummer eins: Wenn es eine Trennung gibt, wird nicht schlecht über den Ex-Partner gesprochen.
Jewel von Rohr: Ihr seid ja heute super befreundet. Wir gehen einmal im Jahr sogar alle zusammen in die Ferien!
Chris von Rohr: Und das ist ein gutes Feeling. Es ist ja auch etwas Schönes, als Eltern ein Leben lang miteinander verbunden zu sein, auch wenn es als Partner nicht geklappt hat. Und ich behaupte, dass Jewel deshalb auch so ausgeglichen und happy ist.

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Chris von Rohr ist Rockmusiker, gründete die Hardrock-Band «Krokus» und war von 1991 bis 2002 Songwriter und Produzent von «Gotthard». In Solothurn aufgewachsen und wohnhaft arbeitet er auch als Kolumnist, Radio- und Fernsehmoderator und Buchautor. Sein letztes Buch, die Autobiografie «Himmel, Hölle, Rock ’n’ Roll» beschrieb das Fachmagazin «Rolling Stone» als «eine Liebeserklärung an fünf Jahrzehnte Rock ’n’ Roll, an die Frauen, das Kindbleiben, das Überwinden von Hindernissen und die Freundschaft.»
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Jewel, machst du dir Gedanken, wie du deine Kinder mal erziehen würdest?
Jewel von Rohr: Familiärer Zusammenhalt wäre mir wichtig. Mit meinem Partner durch gute und schlechte Zeiten zu gehen und meinen Kindern die Werte weiterzugeben, die mir von meinen Eltern vermittelt wurden. Und sie auch frei und ohne grosse Regeln erziehen. Das Einzige, was ich wohl anders machen würde, ist, dass sie ein Instrument lernen müssten und da auch dranbleiben sollten. Das haben meine Eltern nie richtig durchgezogen und das finde ich heute schade.
Chris von Rohr: Hmm. Ich konnte und wollte meine Tochter einfach nicht dazu zwingen, Gitarre oder Klavier zu spielen. Ich finde es aber gut, dass sie sagt, sie würde es anders machen, gebe jedoch zu bedenken: Vorher kann man tausend Thesen aufstellen, wie man es angeht, aber sobald das Kind da ist, ist alles anders. Also dann wollen wir mal sehen, ob du es dann immer noch durchziehst, wenn es dich weinend anschaut und nicht in den Musikunterricht will. Musik muss aus einem inneren Feuer kommen. Aber vielleicht liege ich falsch. Bei mir auf jeden Fall liefs genau andersrum – der elende Musikunterricht vergraulte mir fast das Musikmachen. Klar gibt’s heute zum Glück andere Lehrkräfte und Lehrwege.

Lesen Sie auf diesem Blog ab 29. Juni den zweiten Teil des Interviews mit Chris von Rohr und seiner Tochter Jewel von Rohr. 

Text: Marlies Seifert
Bilder: Daniel Bodenmann, Mario Baronchelli

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