Wie man einem Unternehmen 50 Jahre lang treu bleibt – und wie man mit 14 Jahren bereits einen Lehrvertrag in der Tasche hat, erzählen die Swiss Life-Mitarbeitenden Ueli Weber (66) und Amra Duraki (15).

Sie beide befinden sich in einer besonderen Phase ihres Berufslebens: Amra Duraki, Sie sind 2019 mit einer Lehre bei Swiss Life gestartet. Sie, Ueli Weber, begannen Ihre Lehre bei der damaligen Rentenanstalt im Jahr 1970. Mit 66 Jahren arbeiten Sie nach wie vor im Unternehmen. Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs im Mai sind Sie beide noch immer mit dem Ausnahmezustand durch Covid-19 konfrontiert. Deshalb führen wir dieses Interview auch per Video-Chat. Wie erleben Sie die derzeitige Situation?

Amra Duraki: Das Digitale ist mir vertraut, aber Home-Office und Home-Schooling sind eine grosse Umstellung. Ich hätte nie gedacht, dass ich das so erlebe. Ich vermisse die Kolleginnen und Kollegen in der Schule und die Mitarbeitenden.

Ueli Weber: Ich muss zugeben: Mir fehlt der persönliche Austausch im Team sehr, doch Home-Office hat auch Vorteile. Ich hatte zuerst Bedenken, dass ich zu oft abgelenkt sein würde. Doch ich kann mich gut in die Arbeit vertiefen und bin viel digitaler geworden. Beispielsweise speichere ich jetzt alles in der Cloud ab. Zudem habe ich viel mehr Zeit für die Familie und schlafe mehr.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind sehr weitreichend, jetzt sucht die Schweiz den Weg zurück zu einer neuen Normalität. Gibt es Veränderungen, von denen Sie sich wünschen, dass sie nach dem Lockdown weiterhin bestehen bleiben?

Ueli Weber: Die Digitalisierung der Arbeitswelt sollte man vorantreiben und beispielsweise allen Home-Office ermöglichen, die das sinnvoll nutzen können. Und es wäre sehr schön, wenn wir uns weiterhin mehr um unsere Mitmenschen kümmern würden.

Amra Duraki: Für die Lehre wünsche ich mir, dass es wieder so ist wie vorher. Beim Home-Schooling sitze ich den ganzen Tag vor dem Bildschirm. Das ist anstrengend. Und wenn ich bei der Arbeit eine Frage habe, dann muss ich vom Home-Office aus telefonieren oder mailen. Aber wir konnten uns sehr gut organisieren und super von zuhause aus arbeiten. Das war sehr wichtig, um die Situation so gut zu meistern.

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Wie selbstbestimmt sind Sie bei der Gestaltung Ihrer Lehre bzw. der Arbeit?

Ueli Weber: Ich habe mich bei Swiss Life intern mit 64 nochmals beworben, weil ich den Wunsch hatte, noch über die Pensionierung hinaus zu arbeiten. Die Work-Life-Balance stimmt bestens – gerade auch jetzt im Home-Office. Früher als Teamchef war das mitunter anders, da bereitete ich zwischen 6 und 7 Uhr den Tag vor und hatte viele fixe Termine. Jetzt bin ich so selbstbestimmt wie noch nie. 

Amra Duraki: Meine Lehre kann ich sehr aktiv gestalten. Ich kann mir meine Arbeiten selber einteilen und erledigen. Das gefällt mir, denn ich bin ein sehr organisierter Mensch und schätze es sehr, dass ich flexible Arbeitszeiten habe. Und ich kann mitentscheiden, in welche Abteilung ich als Nächstes gehen möchte. Durch Schnuppereinsätze ist es möglich, einen Blick in die Abteilung zu werfen, um den Alltag mitzuerleben. 

Sie beide sind ein starkes Beispiel dafür, dass bei Swiss Life verschiedene Generationen bzw. Menschen in verschiedenen Lebensphasen zusammenarbeiten. Ist das im Berufsalltag spürbar?

Amra Duraki: Ja und dieser Mix ist toll. Die ältere Generation hat schon viele Erfahrungen im Leben gesammelt. Sie ist gut in der Lage, auch in hektischen Zeiten die Ruhe zu bewahren und das Positive in jeder Situation zu sehen. Davon können wir Jüngeren viel lernen. 

Ueli Weber: Das klappt aber nur, wenn wir Älteren nicht zu festgefahren sind und andere Meinungen zulassen. Ich schätze den Austausch mit den Jungen sehr, das bringt neue Inputs. Und sie sind in der IT oft viel besser als ich, davon profitiere ich gerne.

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Amra Duraki hat 2019 die KV-Lehre bei Swiss Life Schweiz begonnen. Die 15-Jährige ist in Uster und Volketswil aufgewachsen. Da sie ein Jahr früher als üblich in die Primarschule ging, gehört sie bei den Lernenden zu den Jüngsten. Nach einem Semester in der IT-Abteilung arbeitet sie aktuell in der Abteilung Human Resources im Team Future Minds.  Amra Durakis erstes grosses Ziel ihrer beruflichen Laufbahn ist der erfolgreiche Lehrabschluss im Jahr 2022. Was danach kommt, lässt sie derzeit noch offen.

Jede Generation bringt ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnisse in die Teams mit ein. Haben Sie Beispiele, wie Generationen voneinander lernen und profitieren können?

Amra Duraki: Wir Jungen haben viele Ideen, sind kreativ. Wir sind sehr oft am Handy, sehen ständig Neues und teilen das gerne mit anderen. Davon kann die ältere Generation sicherlich profitieren. 

Ueli Weber: Ja, ich bin jetzt auch auf LinkedIn und frage immer mal wieder jüngere Kollegen, was ich tun muss, wenn ich angeschrieben werde (lacht). Ein Beispiel zum erwähnten «Festgefahrensein»: Nach über 20 Jahren dachte ich als Invalidenversicherungsspezialist, in einem bestimmten Fall müsse ich immer so und so vorgehen – bis mir ein junger Kollege einen anderen Weg aufzeigte, gestützt auf ein neues Bundesgerichtsurteil. Das geht in die Richtung, die Amra erwähnt hat: Die Jungen eignen sich Wissen anders an.

Welches sind Ihre beruflichen Ziele und Träume?

Amra Duraki: Die Lehre erfolgreich abschliessen. Was danach kommt? Dafür lasse ich mir noch Zeit. Vielleicht will ich einmal Anwältin werden. Und ich möchte sehr gerne viele Länder, Inseln und Städte auf der Welt bereisen.

Ueli Weber: Als ich mich mit 64 zum ersten Mal wieder für einen Job bewarb, war mein Ziel dasselbe wie heute mit 66: Mit Freude meinen Beitrag zu leisten und meine Erfahrungen weitergeben zu können. Das klappt und ich habe meine beruflichen Ziele und Träume alle erreicht. Privat wünsche ich mir eine gute Laufbahn für die beiden Söhne und möglichst viel Zeit mit der Familie und der Enkelin. Und vielleicht gehen wir einmal auf eine Weltreise.

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Wie weit planen Sie Ihren Werdegang voraus?

Amra Duraki: Ich plane so weit wie möglich voraus. Gerne würde ich während der Lehre einen zweiwöchigen Sprachaufenthalt machen und danach Zeit in den USA verbringen.  

Ueli Weber: Mach das unbedingt, Amra! Sprachaufenthalte sind super für die Entwicklung, das habe ich bei mir und meinen Söhnen gesehen. Selbst plane ich nicht allzu weit. Ich freue mich über jeden Tag, mache gerne Ausflüge mit meiner Frau und wir verfolgen mit, wie die Enkelin wächst. Das ist grossartig.

Sie, Ueli Weber, arbeiten seit 50 Jahren für dasselbe Unternehmen. Nie an einen Wechsel gedacht?

Ueli Weber: Noch immer habe ich das Kündigungsschreiben daheim aus der Zeit, als ich mich einmal gar nicht gut mit meinem damaligen Chef verstand. Aber ich schickte es nie ab. Und einmal wollte mich ein Kollege abwerben. Das Angebot erschien mir aber zu riskant.

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Ueli Weber (Jahrgang 1953) arbeitet seit über 50 Jahren für Swiss Life. Aufgewachsen in Zürich-Schwamendingen, begann er 1970 die kaufmännische Lehre bei der damaligen Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt. Nach dem Abschluss arbeitete er in verschiedenen Abteilungen der Einzelversicherung, machte eine Weiterbildung zum «eidgenössisch diplomierten Versicherungsfachmann» und absolvierte einen einjährigen Stage in Frankreich. 1998 wechselte Ueli Weber zur Vorsorgestiftung für das Personal von Swiss Life (VSP). Im 2002 schloss er die zweijährige Weiterbildung zum «Fachmann der Pensionskassenverwaltung» erfolgreich ab. 16 Jahre später wurde er zu 40% ordentlich pensioniert. Seitdem arbeitet Ueli Weber zu 60% in der aufgeschobenen Pensionierung für die Swiss Life Pension Services AG.

Das war alles in fünf Jahrzehnten?

Ueli Weber: Nach der Lehre ging es steil nach oben, ich war einer der jüngsten Prokuristen und dachte nicht an einen Wechsel. Als ich dann kündigen wollte, hatte ich eine Familie mit kleinen Kindern, da traute ich mich nicht. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. Es gab immer wieder neue Herausforderungen on-the-job, Abteilungswechsel und Weiterbildungen, die mir erlaubten, neue Funktionen zu übernehmen. Bis heute treffe ich auf Situationen, die neu sind und überdacht werden müssen. Zudem begeistert mich die Arbeit nach wie vor.

Können Sie sich als Lernende vorstellen, einmal so lange in einem Unternehmen zu arbeiten?

Amra Duraki: Zum jetzigen Zeitpunkt scheint es mir unmöglich, diese Frage zu beantworten. Wenn es etwas gibt, das mich dort hält – warum nicht. Ich bin aber generell eher jemand, der Abwechslung benötigt. 

Ueli Weber: Ich denke, als 15-Jährige ist dies schwierig zu beantworten. Ich hätte das vor 50 Jahren auch nicht gekonnt, denn ich hatte auch meinen Werdegang nicht so geplant. Aber es lief immer etwas. Die Schule war zum Beispiel keine Herzensangelegenheit von mir. Ich stürzte mich voll in die Arbeit, konnte Stellen wechseln und mich später weiterbilden. Das habe ich sehr geschätzt, denn es hat mich sehr viel weitergebracht.

Bilder und Videos: Giorgia Müller
Text: Simon Eppenberger

Ausbildung bei Swiss Life

Swiss Life geniesst nicht nur als Arbeitgeberin einen hervorragenden Ruf, sondern auch als Ausbilderin. Denn der Nachwuchs hat bei Swiss Life seit jeher einen hohen Stellenwert. Unsere Lernenden gehen selbstbestimmt ihren beruflichen Weg. Dabei bieten wir Orientierung und vielfältige Perspektiven. Mit Begeisterung, Vertrauen und Engagement bewegen wir uns und unsere Lernenden in die Zukunft.

Berufsleben Aktiv Gestalten

Swiss Life engagiert sich für ein selbstbestimmtes Leben - auch als Arbeitgeberin. Mitarbeitende werden darin unterstützt, die Herausforderungen des Berufslebens über alle Berufsphasen hinweg als Chance zu nutzen. Im Rahmen der Initiative «Berufsleben aktiv gestalten» entwickelte Swiss Life u.a. flexible Arbeits- und Entwicklungsmodelle, die den Mitarbeitenden Möglichkeiten schaffen, Träume zu verwirklichen.

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