Beim EM-Quali-Spiel gegen Rumänien war sie der Star des Abends: Profi-Fussballerin Ramona Bachmann schaffte es vom Nachwuchstalent zum Nati-Star. Heute kickt die Chelsea-Angreiferin im Frauenfussball ganz weit oben mit.

Wie kamst du zum Fussball?
Ich bin damit aufgewachsen, mein Vater spielte Fussball, mein Bruder auch – es liegt sozusagen in der Familie. Ich habe von klein auf immer einen Ball am Fuss gehabt und dauernd Fussball gespielt, mit den Nachbarskindern, mit Schulkollegen und später mit den Teamkolleginnen.

«Wollen wir wirklich dahin, wo die Männer sind?»: Ramona Bachmann im Video-Interview. (Kamera: Keystone/Alessandro della Valle)

Was fasziniert dich am Fussball?
Fussball ist ein Teamsport. Wenn das Team nicht funktioniert, erreichst du gar nichts. Und wenn man mal einen schlechten Tag hat, dann kann man sich auf seine Mitspielerinnen verlassen, das gibt mir viel. Und dann liebe ich natürlich die Atmosphäre, das ganze Drumherum. Wie viele Leute man begeistern kann mit Fussball.

Wann wurde aus dem Hobby mehr?
Meine Karriere kam sehr schnell in Gang, mit 16 habe ich einen Profivertrag unterschrieben und konnte meine Leidenschaft zum Beruf machen. Davon habe ich immer geträumt.

Sind dir jemals Zweifel gekommen, ob die Profikarriere das Richtige für dich ist?
Ich habe eigentlich nie eine wirkliche Sinnkrise gehabt im Hinblick auf meine Karriere. Ich habe von klein auf gewusst, was ich will. Es hat mich einfach glücklich gemacht – ich habe immer das machen können, was ich am liebsten mache. Dafür bin ich extrem dankbar.

Ramona Bachmann (geb. 1990)

Ramona Bachmann (geb. 1990) wuchs in Malters LU auf und spielt, seitdem sie 16 ist, im Schweizer Fussballnationalteam der Frauen. Mit einem Angebot des schwedischen Klubs Umea IK begann zeitgleich ihre Profi-Karriere. Nach Stationen in den USA und in Deutschland steht die Stürmerin heute beim Chelsea F.C. unter Vertrag. Ihre Lebenspartnerin ist die Schweizer Nationalmannschaftskollegin Alisha Lehmann, die aktuell bei West Ham United spielt.

Mit 16 hat es dich in den Norden, nach Schweden, verschlagen. Wie kam es dazu?
Ich gehörte zur ersten Gruppe von Schweizer Fussballerinnen, die ins nationale Ausbildungszentrum aufgenommen wurden. Meine Trainerin dort kannte den Trainer von Umea in Nordschweden. Sie erzählte ihm von einem «jungen Talent» in ihrer Gruppe. Daraufhin durfte ich in Schweden vorspielen und sie machten mir sofort ein Angebot. Damals, im Jahr 2007, waren die Schwedinnen die stärksten Spielerinnen Europas und Umea das beste Team, das ich mir vorstellen konnte.

Wie war das, mit 16 allein im Ausland?
Das war schon eine Herausforderung, ich war mit Abstand die jüngste Spielerin und konnte kein Wort Schwedisch. Der Fussball gab mir extrem viel, darum ging es mir gut. Aber natürlich vermisste ich meine Eltern sehr.

Mittlerweile stehst du beim englischen Topteam Chelsea F.C. unter Vertrag. Wie geht es dir dort?
Es ist natürlich super, bei so einem grossen Club spielen zu können. Wir trainieren am gleichen Ort wie die Männer, werden täglich zweimal verpflegt, die Infrastruktur ist perfekt. Und das Niveau in England wird jedes Jahr besser. Die Verantwortlichen sind bereit, viel Geld zu investieren, und können deshalb Top-Spielerinnen engagieren.

Den Alltag von Profi-Athleten bestimmen Trainer und Trainingspläne. Gibt es Dinge, bei denen du dir nicht reinreden lässt?
Auf jeden Fall. Fussball ist zwar ein Teamsport, aber auf dem Platz ist man auf sich selber gestellt. Und wenn ich mich mal nicht so gut fühle und denke, ein Training würde mir eher schaden als nützen, setze ich aus oder mache etwas anderes – natürlich immer in Absprache mit dem Trainer. Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören.

Gruppenbild bei Match auf dem Rasen (siehe Beitrag Nils Nielsen)

Swiss Life ist seit 2004 stolze Partnerin des Schweizerischen Fussballverbandes. Die Partnerschaft mit dem SFV wurde bis nach der EM-Endrunde 2020 verlängert. Die Partnerschaft umfasst die Männer-Nationalteams (A-Team, U-21 bis U-15) und die Frauen-Nationalteams (A-Team, U-20 bis U-16) des SFV.

Was macht für dich ein selbstbestimmtes Leben aus?
Das zu machen, was mich glücklich macht. Wenn man seine Leidenschaft verfolgt, hart arbeitet und die eigenen Träume wahr macht.

Manchmal geht ein Traum nicht in Erfüllung, ein Plan nicht auf, ein Match verloren – wie gehst du mit Niederlagen um?
Nach einer Niederlage ist mir wichtig, dass man den Frust zulässt. Das ist nicht immer so schön, aber es gehört halt einfach dazu. Nach einem schlechten Match analysiere ich die eigenen Fehler. Und dann nehme ich auch mal ein paar Stunden Abstand vom Fussball und mache was völlig anderes. Fernsehen zum Beispiel, das lenkt ab.

Was möchtest du in deiner Fussball-Karriere noch erreichen?
Ich möchte auf jeden Fall mal die Champions League gewinnen. Ich bin bis jetzt dreimal im Finale gewesen und habe dreimal verloren. Und natürlich die Frauenfussball-EM 2021 in England. Ich möchte unbedingt mit dem Schweizer Team dabei sein.

Fotos: Keystone/Gaëtan Bally
Kamera: Keystone/Alessandro della Valle
 

 

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