Claudia und Roger nehmen in der Primarschule kaum Notiz voneinander. 45 Jahre später heiraten sie und gründen zusammen eine Firma: Die Geschichte über eine «Liebe auf Umwegen», die es bis ins Fernsehen schaffte.

Dass Roger 1968 als einziger Bub der Primarschulklasse ins Poesiealbum von Claudia schreiben darf, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass er am gleichen Tag Geburtstag hat: am 21. März 1961. Sie findet ihn damals eher doof, umso mehr, als das mit dem Albumeintrag dauert. Das Schoggistängeli, das er als Entschuldigung für die späte Rückgabe mitliefert, macht die Sache auch nicht besser: «Ich habe Branchli doch gar nicht gerne!», wirft ihm Claudia noch heute lachend vor.

Immer schön auf Abstand  In der Primarschule finden Claudia und Roger offensichtlich keinen Gefallen aneinander.

Immer schön auf Abstand: In der Primarschule finden Claudia und Roger offensichtlich keinen Gefallen aneinander.

Claudia und Roger gehen nach der Schule ihre eigenen Wege. Claudia heiratet einen Polizisten und studiert nach ihrer Lehre als Bankkauffrau soziale Arbeit. Nach ihrer Scheidung hat sie eine zwölfjährige Beziehung und ist anschliessend glücklich als alleinstehende Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Ein Klassentreffen mit Vorgeschichte
Bei der Vorbereitung eines Klassentreffens kommt sie wieder mit Roger in Kontakt. Roger, Abteilungsleiter bei einer AHV-Ausgleichskasse, lebt mit seiner Partnerin zusammen, die an Demenz erkrankt ist. Er sorgt für sie, kocht abends, wenn er von der Arbeit heimkommt, schmeisst den Haushalt, erledigt alles Administrative. Aber die romantische Liebe hat sich mit dem Verlauf der Krankheit immer mehr in eine fürsorgliche Liebe verwandelt. Sein Herz schlägt immer noch für die Partnerin, aber in einem anderen Rhythmus.

Claudias Herz aber schlägt schon beim zweiten Rendezvous so stark für Roger – sie empfindet viel mehr für diesen Mann, als ihr lieb ist –, aber auf keinen Fall will sie eine Beziehung zerstören. Sie schreibt ihm einen Brief, erklärt, dass sie sich besser nicht mehr sehen. Doch kurz darauf ermuntert Rogers erkrankte Partnerin ihn zu einer neuen Beziehung. «Sie hat oft zu mir gesagt, du musst dir eine neue Frau suchen, ich bin zu alt», erzählt Roger. Claudia erinnert sich immer noch mit Rührung an diesen Moment. «Diese Frau hatte wirklich Grösse.»

Wenn das Herz stärker ist als der Verstand
Und dann geschieht das, von dem Claudia die Menschen, die sie heute beruflich als Beiständin betreut, immer abhalten will: Roger zieht nach kurzer Zeit bei ihr ein. «Meinen Klienten rate ich immer davon ab, in einer Beziehung etwas zu überstürzen. Aber selber mochte ich mich dann doch nicht an meinen Rat halten», sagt sie mit einem Glitzern in den Augen. Nach zwei Monaten schon fragt Roger, ob sie ihn heiraten wolle, und am 21. März 2013, am gemeinsamen Geburtstag, heiratet das Paar.

Zweimal beste Freunde: Claudia und Roger verband in der Primarschulzeit nichts miteinander, ausser, dass sie am gleichen Tag Geburtstag hatten. Ihr war ihre Freundin lieber, ihm sein Hund.

Was passiert, wenn zwei eigenständige Charakterköpfe sich in einer neuen Partnerschaft zusammenraufen müssen? «Ich habe den Eindruck, dass wir beide unsere Selbstbestimmung zu einem grossen Teil bewahren konnten», sagt Roger. «Ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas genommen wird. Meine Eigenständigkeit habe ich nicht verloren durch die Partnerschaft, eher noch habe ich dazugewonnen – eine zweite Meinung», ergänzt Claudia. Beide sind immer wieder erstaunt, wie ähnlich sie sich sind, wie oft sie das Gleiche denken.
Auch beruflich spannen sie zusammen, künden ihre gut bezahlten Stellen, lassen sich beide mit 58 frühpensionieren, legen ihre Altersvorsorge zusammen und machen sich selbständig. Auf behördlichen Auftrag übernehmen sie Beistandschaften im Kindes- und Erwachsenenschutz – ein Gebiet, bei dem Selbstbestimmung immer als Thema mit im Raum steht. Was braucht es denn für ein selbstbestimmtes Leben? «Gesundheit», antwortet Roger wie aus der Pistole geschossen. «Und Geld», fügt Claudia an. Wer Geldsorgen habe, werde oft irgendwann auch krank.

Durch ihre Arbeit als Beistände werden sich Claudia und Roger jeden Tag bewusst, was für ein privilegiertes Leben sie führen. Was sie mit Zuversicht in die Zukunft blicken lässt, ist das Vertrauen ineinander, die Sicherheit, jemanden zur Seite zu haben, dessen Herz im gleichen Takt schlägt. Oder wie Claudia es ausdrückt: «Unsere Haut mag faltig werden, aber das Vertrauen bleibt uns.»

Text: Ruth Hafen
Bilder: Chris Iseli, CH Media

Roger und Claudia in der SRF-Dokumentation «Liebe auf Umwegen» aus dem Jahr 2015.

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Daniela Nellen, Vorsorge- und Finanzspezialistin KMU, Generalagentur Appenzellerland

Kontakt: 071 354 66 91, Daniela.Nellen@swisslife.ch

«Bei jeder beruflichen und persönlichen Neuorientierung ist es wichtig, zu schauen, ob die Vorsorge noch den Bedürfnissen entspricht. Gerne beurteilen wir mit den Kunden den aktuellen Lebensabschnitt.» Das Leben ist vielfältig und hält – wie bei dem porträtierten Paar – auch immer wieder Überraschungen bereit. Ereignisse wie eine Heirat, eine Beförderung, eine Scheidung oder ein Umzug haben auch Auswirkungen auf unsere finanzielle Situation und unsere Vorsorge. Swiss Life unterstützt und berät individuell und zeigt Wege auf, die dazu führen, dass die Kundin oder der Kunde mit Zuversicht in die Zukunft blicken kann. swisslife.ch/beratung

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