Sie haben Ihre erste Festanstellung in der Tasche, den Mietvertrag für die erste eigene Wohnung unterschrieben und den ersten eigenen Flitzer in der Garage parkiert? Herzlichen Glückwunsch, Sie betreten gerade ganz offiziell den Weg des Erwachsenenlebens. Mit dabei: ein grosses Stück Verantwortung, aber gleichzeitig auch ziemlich viel Unabhängigkeit von Mami und Papi. Das gilt auch für die Krankenversicherung. Nun können Sie selbst entscheiden, wo und wie Sie sich krankenversichern möchten.

Auf dem Weg des Erwachsenenlebens sind Sie bereit, die Verantwortung für Ihr eigenes selbstbestimmtes Leben zu tragen? Perfekt. Denn ab 18 Jahren können Sie beispielsweise ganz allein entscheiden, welche Krankenkasse für Sie die beste ist und Sie im Krankheitsfall optimal absichern soll. Und vielleicht haben Sie bald sogar ein paar Extras im Rucksack: Gegen einen Zustupf für das neue Brillenmodell oder für das Fitness-Abo hat doch niemand etwas, oder?

Klingt ganz attraktiv, aber beim Thema «Krankenkasse» verstehen Sie nur Bahnhof?
Dann fangen wir mal ganz von vorne an.

Krankenkasse in der Schweiz: Das müssen Sie wissen

Das Krankenkassensystem in der Schweiz besteht aus zwei Teilen: der Grundversicherung und verschiedenen Zusatzversicherungen.

Was sollte ich über die Grundversicherung wissen?

  • Leben Sie in der Schweiz, ist die Grundversicherung für Sie obligatorisch.
  • Die Krankenversicherung ist frei wählbar – Sie dürfen entscheiden, welcher Anbieter der richtige für Sie ist.
  • Krankenkassen können Sie bei der Grundversicherung nicht ablehnen.
  • Der Anbieter der Krankenversicherung kann jedes Jahr bis Ende November gewechselt werden.
  • Zwar sind die Prämien der Anbieter unterschiedlich hoch, dennoch sind die Leistungen bei allen Anbietern der Grundversicherung gleich. Wie teuer Ihre Prämie ist, hängt von Wohnort, Alter, Versicherungsmodell und Franchise ab.
  • Krankheit, Unfall und Mutterschaft sind durch die Grundversicherung gedeckt. Arbeiten Sie mehr als acht Stunden beim gleichen Arbeitgeber, sind Sie über diesen unfallversichert. Eine zusätzliche Unfalldeckung über die Grundversicherung ist dann nicht nötig.

Was ist eine Franchise?

Die Franchise ist die Kostenbeteiligung, die jeder Erwachsene in der Schweiz pro Kalenderjahr an seinen Behandlungskosten leisten muss. Dabei haben die Versicherten die Wahl zwischen Franchisen über 300, 500, 1000, 1500, 2000 oder 2500 Franken. Also übernehmen Versicherte mindestens die ersten 300 und höchstens die ersten 2500 Franken ihrer Behandlungskosten pro Kalenderjahr selbst.

Was bringt mir eine hohe Franchise?

Je höher die Franchise, desto günstiger die Versicherungsprämie. Sie fühlen sich fit wie ein Turnschuh und erwarten wenig medizinische Versorgung? Dann sollten Sie die Franchise lieber höher wählen und so Prämien sparen.

Doch Vorsicht: Behalten Sie immer zur Sicherheit ein kleines Polster auf der Seite. Falls Sie unverhofft doch öfter zum Arzt müssen, sollten Sie in der Lage sein, den Selbstbehalt sorglos zu zahlen.

Was ist der Selbstbehalt?

Der Selbstbehalt wird fällig, sobald die von Ihnen gewählte Franchise während eines Kalenderjahres ausgeschöpft ist. Von da an übernehmen Sie nur noch zehn Prozent Ihrer Behandlungskosten, höchstens aber 700 Franken pro Kalenderjahr. Dieser Selbstbehalt ist für alle gleich – unabhängig von der Höhe der gewählten Franchise.

Welches ist das richtige Versicherungsmodell für mich?

Es gibt verschiedene Varianten der obligatorischen Grundversicherung: die freie Arztwahl, das HMO-Modell, das Hausarztmodell und das Telmed-Modell.

Freie Arztwahl
Wie der Name schon sagt: Bei der freien Arztwahl können Sie frei wählen, zu welchem Arzt Sie gehen möchten. Bei regelmässigen Kopfschmerzen können Sie zum Beispiel direkt zu einem Spezialisten gehen. Der Nachteil: Dieses Modell ist die teuerste Variante. Der Vorteil: Kein anderes Modell ist flexibler.

HMO-Modelle
HMO steht für «Health Maintenance Organization», auf Deutsch «Gesundheitserhaltungsorganisation». Bei diesem Versicherungsmodell müssen Sie im Krankheitsfall immer zuerst eine bestimmte HMO-Praxis aufsuchen. Ausgenommen sind Notfälle, die jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung und Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt. Der Nachteil: Ihre Arztwahl ist eingeschränkt. Der Vorteil: Sie profitieren von einem hohen Prämienrabatt.

Hausarztmodelle
Ihren Hausarzt finden Sie lässig und Sie möchten immer zuerst ihn aufsuchen, bevor Sie zu einem anderen Spezialisten gehen? Dann ist das Hausarztmodell die richtige Wahl für Sie. Auch hier sind Notfälle, die jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung sowie Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt Ausnahmefälle – ansonsten sind Sie verpflichtet, im Krankheitsfall immer zuerst zu Ihrem Hausarzt zu gehen. Der Nachteil: Nicht alle Hausärzte können ausgewählt werden – hier hat die Krankenkasse Mitspracherecht. Der Vorteil: Sie profitieren von einem hohen Prämienrabatt.

Telmed-Modelle
Sie lieben es, regelmässig mit Ihren Freunden zu telefonieren, und finden kaum ein Ende? Dann ist dieses Modell bestimmt das richtige für Sie. Bei Beschwerden melden Sie sich zuerst immer bei einer medizinischen Hotline. Diese steht Ihnen beratend zu Seite und empfiehlt Ihnen die nächsten Schritte. Der Nachteil: Eine Ferndiagnostik ist oft schwierig. Der Vorteil: Das ist das günstigste Versicherungsmodell.

Was sollte ich über Zusatzversicherungen wissen?

  • Zusatzversicherungen machen Ihren Schutz durch ambulante und Spitalversicherungen komplett.
  • Sie sind freiwillig.
  • Vor Abschluss einer Zusatzversicherung wird eine Gesundheitsprüfung durchgeführt.
  • Schliessen Sie die Zusatzversicherung ab, solange Sie fit und ohne Beschwerden sind – ansonsten gestaltet sich die Aufnahme schwieriger.
  • Anbieter von Zusatzversicherungen dürfen Sie ablehnen: Sind Sie bereits erkrankt, kann es sein, dass Sie abgelehnt werden oder dass es für die betreffende Krankheit Ausschlüsse gibt.
  • Eine Zusatzversicherung muss nicht beim Anbieter der Grundversicherung abgeschlossen werden.
  • Attraktive Zusatzversicherungen für junge Erwachsene sind jene für Fitness-Abos, Sehhilfen und Reise- und Schutzimpfungen.
 
Bildnachweis: Joshua Earle, Unsplash

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