Früher wollte er Astronaut werden, heute verfolgt der Neurowissenschaftler eine andere Mission: Ein Netzwerk von Superhirnen aus der ganzen Welt soll den Brain Code knacken und so die Grundlage für «menschenähnliche» künstliche Intelligenz schaffen.

«Als Kind habe ich Roboter aus Legos gebaut. Die sahen zwar aus wie Menschen, hatten Arme und Beine, aber irgendwas hat gefehlt. Als 12-Jähriger las ich von Prometheus, der Zeus das Feuer gestohlen und dem Menschen die Seele eingehaucht hat. Und ich dachte: „Wow, Prometheus ist ein Star.“»

Sein Lehrer beschied Pascal Kaufmann damals, nur Götter dürften Menschen schaffen. Doch den Neurowissenschaftler, der sich nicht so schnell von Grenzen aufhalten lässt, kümmert dies nicht. Er will «menschenähnliche» künstliche Intelligenz (KI) schaffen. Der 40-Jährige ist überzeugt, dass wir damit in vielen Fragen schon viel weiter wären, zum Beispiel in der Medizin. KI müsse zum Wohl der Menschen entwickelt werden und die neutrale Schweiz sei als «Talenthub» dafür prädestiniert.

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Pascal Kaufmann (*1978) belegte am Gymnasium Altgriechisch und Latein und studierte später Neurowissenschaft. Er hat im US-Verteidigungsministerium an der Entwicklung von Cyborgs mitgearbeitet und baute 2013 am KI-Labor der Universität Zürich Roboy, einen humanoiden Roboter. 2010 gründete er mit seinem ehemaligen Studienkollegen Marc Vontobel die Firma Starmind, woraus sich die Stiftung Mindfire entwickelte.

«Unser Gehirn ist kein Computer»

Intelligenz ist für Kaufmann das Gegenteil von Digitalisierung. Diese beinhalte das fortwährende Abarbeiten derselben Regeln. Um Neues zu schaffen, müssten aber Regeln gebrochen werden. Der Unternehmer, der selbst gerne mit tausend Gehirnen denken möchte, fände es grossartig, wenn er eine kleine Linse auf dem Auge hätte. Falls ihm schwierige Fragen gestellt würden, erhielte er passende Antworten umgehend darauf projiziert. Um diese zu generieren, könnte man die Technologie verwenden, welche seine Firma anbietet. «Starmind vernetzt Menschen zu einer Art Superorganismus.» Doch der Neurowissenschaftler versteht auch, dass die Entwicklungen im Bereich KI Ängste auslösen können. Es sei aber an uns, zu bestimmen, wie wir diese Technologie anwenden, die für ihn per se neutral ist.

Die Gedanken, die sich Menschen früher beim Betrachten von Sternen und Planeten gemacht hätten – dass man wohl nie herausfinden würde, wie deren Bahnen verlaufen –, machten sie sich heute beim Gehirn. Man sei von der Fülle der zig Milliarden Hirnzellen überwältigt und denke, dass man deren Funktionen wohl nie verstehen werde. Doch Kaufmann geht davon aus, dass unser Gehirn kein Computer, sondern eher ein Superorganismus ist, der aus vielen kleinen Akteuren besteht. Die diesem Organismus zugrunde liegenden Gesetze müssten nun von einem Netzwerk von Superhirnen aus der ganzen Welt entschlüsselt werden. Der Neurowissenschaftler ist überzeugt: «Wenn man diesen Brain Code geknackt hat, kann man künstliche Intelligenz bauen.»

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Roboy ist ein fortschrittlicher humanoider Roboter, der am Artificial Intelligence Laboratory (AI-Lab) der Universität Zürich entwickelt und im März 2013 vorgestellt wurde. Ursprünglich wurde er entworfen, um Menschen im Alltag zu unterstützen. Das AI-Lab der Universität Zürich mit Leiter Rolf Pfeifer und Pascal Kaufmann, CEO der Starmind International AG, sind die geistigen Väter des Roboters.

«Bildung ist die wichtigste Waffe»

Bildung ist für Kaufmann «die wichtigste Waffe» in einer automatisierten Welt. Dank dem angeeigneten Wissen seien wir in der Lage, zwischen Fakten, Fiktion und Manipulation zu unterscheiden. An Schulen würden aber immer noch Dinge unterrichtet, die Maschinen bereits besser beherrschten. «Wir sollten lernen, die richtigen Fragen zu stellen – und kritisch zu denken», meint er.

Der visionäre Denker glaubt, dass uns die neuen Technologien Türen öffnen, neue Horizonte aufzeigen und uns die Möglichkeit geben, verstärkt selbst über unser Leben bestimmen zu können. So hätten wir die Chance auf «ein neues paradiesisches Zeitalter», in dem die Menschen vielleicht nicht mehr arbeiten müssen. Nicht mehr arbeiten? Was sollen wir denn mit der freien Zeit anfangen? Kaufmanns lakonische Antwort: «Jemand, der früher 16 Stunden auf dem Acker gearbeitet hat, stellte wohl dieselbe Frage bei der Einführung von Maschinen.» 

www.starmind.com | www.mindfire.global

Text: Yvonne Eckert

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Christian Beckstedde - Vorsorge- und Finanzspezialist KMU

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