Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nicht auf die Pensionierung freut. Endlich mehr Zeit für Hobbys, Reisen und die Familie. Um das Rentnerdasein zu geniessen, sollte man die Planung möglichst frühzeitig und selbstbestimmt angehen. Vor allem der Entscheid über die Auszahlung der Pensionsgelder aus der beruflichen Vorsorge ist dabei wichtig. Lieber eine monatliche Rente oder einen einmaligen Kapitalbezug?

Versicherte können ihr Guthaben aus der Pensionskasse auf drei verschiedene Arten beziehen: als monatliche Rente, als einmalige Kapitalauszahlung oder als Kombination aus beidem. Es ist wichtig, sich für diese Entscheidung Zeit zu nehmen, da sie grosse Auswirkungen auf die finanzielle Zukunft hat und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Die folgenden Tipps helfen dabei, einen Entscheid zu treffen, der auch im Alter finanzielle Zuversicht garantiert.

1. Finanziellen Bedarf berechnen

Als Erstes sollte man die eigene finanzielle Situation unter die Lupe nehmen und das Einkommen nach der Pensionierung ausrechnen. Gibt es beispielsweise Einnahmen aus Vermietungen oder Lebensversicherungen? Wie hoch sind die Auszahlungen aus der AHV? Und wie viel Geld benötigt man monatlich, um auch als Pensionär einen angemessenen Lebensstandard zu haben. Sind diese Fragen geklärt, kann ermittelt werden, wie viel Pensionsgeld monatlich noch benötigt wird.

2. Sicherheitsbedürfnis einschätzen

Der Entscheid zwischen Rente oder Kapital hängt auch von der eigenen Persönlichkeit ab. Ist einem die Sicherheit einer monatlichen Rente bis zum Lebensende wichtig oder möchte man sein Geld selbst verwalten und bevorzugt dementsprechend die Flexibilität des Kapitalbezugs? Beides hat seine Vor- und Nachteile. Bei einer Rente hat der Pensionär ein hohes Mass an Sicherheit, kann aber beispielsweise nicht von Börsengewinnen profitieren oder grössere Ausgaben wie die Hypothek tilgen. Bei einer Kapitalauszahlung und einer anschliessenden Investition in Anlagen sind zwar hohe Renditen möglich, aber dafür gibt es keine finanziellen Garantien. Bei sinkenden Börsenkursen schrumpft das Alterskapital.

3. Anlagekenntnisse berücksichtigen

Wer sich für die einmalige Auszahlung des Kapitals entscheidet, geniesst ein hohes Mass an Flexibilität und kann mit einigem Geschick hohe Renditen durch Anlagen erzielen. Dafür sind jedoch gute Kenntnisse des Kapitalmarktes erforderlich. Ansonsten droht die Gefahr, sich zu verspekulieren. Um an der Börse zu investieren, braucht es auch einen gewissen Anlagehorizont. Gelder, die kurzfristig wieder gebraucht werden, sollten daher nicht angelegt werden. Zudem sollte man sich überlegen, wer das Geld verwaltet, wenn man erkrankt oder geistig nicht mehr in der Verfassung ist, sich selbst um die Anlagen zu kümmern.

4. Anmeldefrist für den Kapitalbezug beachten

Wie viel Altersguthaben als Kapital bezogen werden kann, hängt von der Pensionskasse ab. Gemäss Gesetz sind es mindestens 25 Prozent, viele Kassen erlauben aber den Bezug des halben oder gesamten Guthabens. Die Frist für den Kapitalbezug beträgt je nach Pensionskasse bis zu drei Jahre. Wer die Anmeldefrist verpasst, kann die Auszahlung als Kapital rückwirkend nicht mehr beantragen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig Gedanken über die Pensionierung zu machen und diese selbstbestimmt anzugehen. Idealerweise beginnt man zwischen 50 und 55 Jahren mit der Planung. Etwa fünf Jahre vor der Pensionierung sollte man einen Zeitpunkt für den Renteneintritt festlegen und auch die Auszahlung der Pensionsgelder konkretisieren.

5. Amortisierung der Hypothek prüfen

Die Auszahlung als Kapital hat den Vorteil, dass man das Geld dazu verwenden kann, um Schulden zu tilgen oder die Hypothek so weit zu amortisieren, dass die Höhe vom Kreditgeber akzeptiert wird und die Zinskosten das Budget nicht zu stark belasten. Schliesslich muss die finanzielle Tragbarkeit einer Hypothek auch im Alter gewährleistet sein. Nach der Pensionierung sind die Einkünfte oftmals deutlich tiefer als während des Erwerbslebens. Dennoch müssen die Zinsen weiterhin amortisiert werden und auch die laufenden Kosten (bestehend aus Nebenkosten, Unterhalt, Zinskosten und Amortisation) dürfen ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen.

6. Steuern berücksichtigen

Und wie wirkt sich der Entscheid auf die Steuern aus? Rentenzahlungen werden zu 100 Prozent als Einkommen besteuert. Beim Kapital verhält es sich anders. Dieses wird für das Auszahlungsjahr gesondert vom übrigen Einkommen und zu einem reduzierten Satz versteuert. Danach werden Einkommen und Vermögen normal besteuert. Ein Kapitalbezug kann längerfristig für den Pensionär günstiger kommen – dies ist jedoch abhängig vom Grenzsteuersatz und von der Lebensdauer.

7. Familienabsicherung nicht vergessen

Gilt es Kinder oder Angehörige finanziell abzusichern, kann es sich lohnen, sich das Kapital auszahlen zu lassen. Im Todesfall kommt das vorhandene Alterskapital dann den Hinterlassenen zugute. Eine laufende Rente kann hingegen nicht vererbt werden. Stirbt der Rentner, behält die Pensionskasse sein nicht bezogenes Guthaben. So finanziert sie sehr alt werdende Rentner, die mehr Rente beziehen, als sie in ihrem Erwerbsleben einbezahlt haben. Ehepartner und Kinder erhalten jedoch eine Hinterbliebenenrente.

8. Am besten auf Kombination setzen

Eine sinnvolle Lösung ist die Kombination aus Rente und Kapital. Als Grundregel gilt, dass der Grundbedarf über sichere Einkünfte lebenslang gedeckt sein sollte. Zum Grundbedarf zählen fixe Ausgaben – etwa für Lebensmittel, Krankenkasse, Wohnen und Mobilität, aber auch für Hobbys und Ferien. Zur Abdeckung des Grundbedarfs ist die monatliche Rente ideal. Was darüber hinausgeht, kann als Kapital bezogen und selbst angelegt werden. 

Ob man sich für eine Auszahlung als Rente, Kapital oder eine Kombination aus beidem entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. Wichtig ist jedoch, das Thema „Pensionierung“ selbstbestimmt anzugehen und sich möglichst frühzeitig zu informieren. Eine Checkliste kann hierbei helfen.

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