Wir werden immer älter und verbringen einen immer grösseren Teil unseres Lebens im Ruhestand – durchschnittlich inzwischen mehr als einen Viertel. Das bedeutet viel Raum für ein selbstbestimmtes Leben, aber es stellt auch eine grosse Herausforderung für das Altersvorsorgesystem dar. Länger zu arbeiten, ist ein möglicher Lösungsansatz und kann auch Aspekt eines selbstbestimmten Lebens sein.

Eine neue Swiss Life-Studie zeigt, dass bis zu einem Drittel der Schweizer Bevölkerung bereits heute über das ordentliche Rentenalter erwerbstätig bleibt. Und zwar mehrheitlich, weil sie dies gerne tut, somit häufig selbstbestimmt, und nicht, weil es finanziell nötig wäre. Fast die Hälfte der über 55-Jährigen wäre grundsätzlich bereit, länger zu arbeiten, aber die Bedingungen dafür müssen stimmen. Wichtig sind insbesondere eine gute Gesundheit und Wertschätzung im Betrieb. Es arbeiten heute deutlich mehr Menschen ab dem ordentlichen Rentenalter als zur Jahrtausendwende. Nachfolgend fassen wir die wichtigsten Studienergebnisse zusammen:

  • Wir werden immer älter. Über ein Viertel des Lebens wird inzwischen im Ruhestand verbracht – Tendenz steigend. Drei Viertel der Bevölkerung zwischen 60 und 70 bezeichnen sich selbst als gesund.
  • Im Durchschnitt wird die Erwerbstätigkeit in der Schweiz momentan mit 65,6 Jahren beendet. Die Pensionierung findet häufig gestaffelt statt. Viele reduzieren ihr Pensum vor dem endgültigen Ruhestand und/oder beziehen trotz anhaltender Erwerbstätigkeit bereits eine Rente bzw. ein Alterskapital. Nur eine Minderheit verlässt den Arbeitsmarkt zum ordentlichen Rentenalter mit 64/65.
  • Das durchschnittliche Alter, in dem die Erwerbstätigkeit vollständig aufgegeben wird, stieg seit 2005 um über ein Jahr an. Analog dazu nahmen im gleichen Zeitraum die Zahl der Erwerbstätigen ab 65 und die Erwerbstätigenquote in dieser Altersklasse zu. Entgegen der internationalen Entwicklung flachte sich dieser Trend in der Schweiz jedoch kürzlich ab.  
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  • Eine Mehrheit der Erwerbspersonen ab 55 würde zwar am liebsten vor dem ordentlichen Rentenalter aufhören zu arbeiten oder zumindest das Pensum reduzieren, bestünden keine finanziellen oder andere Sachzwänge. Knapp die Hälfte wäre aber unter gewissen Bedingungen grundsätzlich bereit, länger zu arbeiten. 
  • Eine gute Gesundheit, ein gutes Arbeitsklima und die Wertschätzung seitens Arbeitgeber sind die am meisten genannten Grundvoraussetzungen für die Bereitschaft, über das ordentliche Rentenalter hinaus zu arbeiten. Häufig genannt werden aber auch eine reduzierte Arbeitszeit/Arbeitsbelastung und finanzielle Anreize. Gute Gesundheit und Arbeitsbedingungen sind wohl in erster Linie notwendiger, aber nicht hinreichender Natur. D. h., sie müssen als Bedingung erfüllt sein, damit jemand überhaupt bereit ist, länger zu arbeiten. Sie reichen für sich allein genommen aber noch nicht aus. Viele weitere Faktoren spielen auch eine Rolle.
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  • Effektiv bleiben immerhin rund ein Drittel der Männer und knapp ein Viertel der Frauen über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbstätig – wenn auch häufig in tieferen Pensen. Grossmehrheitlich nicht aus finanziellen Gründen, sondern in erster Linie, weil ihnen die Arbeit Spass macht. Jene, die weiterarbeiten, fällten diesen Entscheid somit sehr häufig selbstbestimmt.
  • Am häufigsten – durchschnittlich in mehr als jedem zweiten Fall – arbeiten Selbstständige, Landwirte, Freiberufler wie Architekten und Ärztinnen sowie Geschäftsführerinnen/-inhaber über das ordentliche Rentenalter hinaus. Vergleichsweise selten tun dies angestellte allgemeine Bürokräfte sowie Personen in gewissen Handwerksberufen, Verkaufskräfte in Handelsgeschäften sowie Pflege- und Betreuungspersonen im Gesundheitswesen. Aber auch in diesen Berufen arbeiten in absoluten Zahlen jeweils mehrere tausend Personen über das Pensionsalter hinaus. Erwerbstätige ab 64/65 Jahren finden sich in schätzungsweise rund zwei Dritteln der hierzulande vorkommenden Berufsarten. 

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