Der 21-jährige Betriebswirtschafts-Student Stefan Beer ist einer der wenigen Schweizer E-Sport-Profis und stand bis Ende letzten Sommer beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach unter Vertrag; seine Spiele verfolgten schon mal 100 000 Zuschauer live am Bildschirm. Indem er sein Hobby zum Nebenjob gemacht hat, kann er sein Studium finanzieren.

«Wir gehen gleich hoch in mein Zimmer, dann kannst du sehen, wo ich zocke», sagt Stefan Beer gleich nach der Begrüssung im schmucken Reihenhaus am Rande von Russikon unweit des Pfäffikersees.
Stefan ist 21-jährig, freundlich, zuvorkommend, gut frisiert – die Mutter betreibt einen Coiffeursalon – und studiert Betriebswirtschaft in Winterthur, daneben hat er einen nicht ganz gewöhnlichen Nebenjob: Er ist professioneller FIFA-Gamer.
Wir betreten sein Zimmer: Drei Bildschirme reihen sich auf seinem Schreibtisch aneinander, daneben stehen X-Box und Playstation. Zudem ein üppig gepolsterter Bürostuhl, an dem man jeden Winkel einstellen kann, um es sich möglichst bequem zu machen. «Das ist wichtig, wenn man mal acht Stunden vor dem Bildschirm sitzt», sagt Stefan. Er ist einer der wenigen E-Sport-Profis in der Schweiz, stand bis vor Kurzem beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach unter Vertrag.

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Stefan «Topik» Beer (21) hatte mit vier Jahren zum ersten Mal einen Controller in der Hand. Heute ist er professioneller FIFA-Gamer. Als E-Sport-Profi stand er bis letzten Sommer beim deutschen Bundesligisten Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. 2018 konnte er sich als einziger Schweizer für ein internationales Turnier in Manchester qualifizieren. Wenn er nicht gerade vor bis zu 100 000 Fernsehzuschauern in der virtuellen Bundesliga spielte, studiert er Betriebswirtschaft in Winterthur.

Die Konsolen waren stetige Begleiter in Stefans Jugend, er spielte viel – aber nicht zu viel. Solange die schulischen Leistungen stimmten, so die Ansage der Eltern, hätten sie nichts dagegen. Schon damals verstand es Stefan, eine gesunde Balance zu halten. «Ich ging immer gern nach draussen an die frische Luft, kickte mit Freunden oder machte Spaziergänge. Die echte und die virtuelle Welt stehen bei mir in keinem Konkurrenzkampf.» Fussball liegt in der Familie, der Vater spielte als Profi unter anderem in der Super League beim FC Zürich, auch die Schwester kickt.

«Fussballprofi zu werden, hatte ich aber als Bub nicht im Sinne», sagt Stefan. Nach seiner Juniorenzeit hörte er auf. Und schlug dann doch, wenn auch ungeplant, den Weg zum Profi ein. In einer Online-Partie lernte er einen anderen Gamer aus Zürich kennen, gemeinsam spielten sie im Doppel ein Turnier – und gewannen es sogleich.
Darauf trat Stefan auch solo an Turnieren an, lernte die Leute hinter ihren Usernames an Events kennen und machte sich als «Topik» schnell einen Namen in der Szene. Als einziger Schweizer qualifizierte er sich 2018 für ein internationales Turnier in Manchester. Einige seiner Spiele für Borussia Mönchengladbach in der virtuellen Bundesliga wurden im Fernsehen mit bis zu 100 000 Zuschauern übertragen.
Gegenwärtig trainiert er alle zwei Tage bis zu drei Stunden. «Zu Beginn der Saison, wenn die neue Software bereitsteht, ist es mehr. Dann muss man sich mit den Neuerungen möglichst schnell vertraut machen, da bin ich schon mal acht Stunden am Tag dran. Aber natürlich nicht alles am Stück, da ich zwischendurch Bewegung benötige.»

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Vor dem Studium hatte er eine KV-Lehre gemacht, nun sieht er in seiner eigenständigen Arbeit als E-Sport-Profi keinen grossen Unterschied zu anderen Bürojobs: «Am Ende verbringen viele andere Menschen auch acht Stunden am PC. Wichtig ist einfach, dass man es möglichst gesund macht.»
Nichts als eine Flasche Wasser gönnt er sich während des Gamens, bezeichnenderweise benannte er sein Team in FIFA «Stillswässerli». «Das hat sich so eingebürgert, weil ich praktisch immer eine Flasche stilles Wasser bei mir habe. Würde ich ständig Cola trinken, wäre ich wohl Diabetiker», sagt er schmunzelnd. «Ich trenne die Zeit vor dem Bildschirm klar ab», antwortet er auf die Frage, ob intensives Gamen nicht auch automatisch eine Suchtgefahr birgt. «Ausserdem geht es ja nicht um Zeitvertreib, sondern darum, durch schnelles Denken das Maximum herauszuholen. Das ist anstrengender Denksport, was viele Aussenstehende nicht wahrnehmen» – Handarbeit, die auf nichts anderes abstellt als sein eigenes Können, Tun und Handeln.
Wie das aussieht, macht Stefan vor, als er gegen einen Fremden im Internet eine Partie startet.

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E-Sport ist ein neuer Wirtschaftszweig, der kontinuierlich wächst – weil er von der Game-Kultur profitiert. Jeder dritte Schweizer ist laut einer aktuellen Studie ein Gamer. Entgegen der weitläufigen Meinung ist E-Sport nicht nur bei der jungen Bevölkerung angesagt; bis in die Mittvierziger ist die Beliebtheit hoch.

Anpfiff. Stefan lässt den Gegner spielen. «Typisches Ballgeschiebe», kommentiert er, als der Gegner ein paar Querpässe schlägt. «Sowas gibts bei mir weniger, ich habe meistens direkten Zug zum Tor.» Doch dann überlistet ein Pass in die Tiefe Stefans Abwehrkette, 1:0 für den Gegner. Stefan nimmt es ohne grosse Regung zur Kenntnis, auch als er wenig später 0:2 zurückliegt. Innert Minuten dreht er das Spiel zu seinen Gunsten auf 3:2 und erklärt dabei seelenruhig, was er macht.

«Eine Schusstäuschung zur Ballannahme oder Ballmitnahme, das funktioniert oft gut», zwei Treffer erzielt er so. «Du musst gedanklich immer einen Schritt voraus sein, einen Plan haben und das sofort in den Händen umsetzen können. Du musst ständig wissen, welche Tastenkombination genau das macht, was du willst. Gleich, wie wenn jemand blind das Zehnfingersystem beherrscht.» Die Partie endet 3:3 unentschieden.
Noch weiss Stefan nicht, wie weit seine E-Sport- Karriere ihn tragen wird. «Es ist ein sehr schnelllebiges Geschäft, jedes Jahr kommen Tausende Neue dazu, jeder könnte der neue Topshot werden.» Eine Karriere sei daher schwieriger planbar als im echten Sport. Dank den finanziellen Einkünften aus seinem Vertrag mit Borussia konnte er bisher sein Studium finanzieren. Nur die Allerbesten können E-Sport Vollzeit betreiben. Stefan will sich nun regelmässig für internationale Turniere qualifizieren und eines Tages an der WM teilnehmen, dort winken dem Gewinner 250 000 Dollar Preisgeld. Ausgeschlossen, dass er die eines Tages holt, ist es nicht: «Aber darauf setzen würde ich nicht. Dank meinem BWL-Studium baue ich mir eine gute Sicherheit auf und kann mir gut vorstellen, als Buchhalter zu arbeiten.»
Zur Verabschiedung reicht er eine gekühlte Flasche. «Ein stilles Wasser mit auf den Weg ist immer gut.»

Text: Dominik Osswald
Bild: Christian Verheyen

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Eric André de Martin; Dipl. Finanzberater IAF Generalagentur Zug

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