Nach der Anreise direkt unter die Dusche? In Ferienwohnungen, die länger leer standen, sollten Gäste und Vermietende zuerst an die Wasserhygiene denken. Denn in stehendem, lauwarmem Wasser können sich Legionellen vermehren. Mit wenigen einfachen Schritten lässt sich das Risiko deutlich senken.
Ferienwohnungen werden oft unregelmässig genutzt. Während der Hochsaison läuft täglich Wasser durch die Leitungen, danach stehen Küche, Bad und Dusche manchmal wochenlang still. Genau diese Kombination aus stehendem Wasser, lauwarmen Temperaturen und wenig Bewegung im Leitungssystem kann problematisch werden.
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise im Wasser vorkommen. Gefährlich werden sie vor allem dann, wenn sie sich stark vermehren und über feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden – zum Beispiel beim Duschen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weist darauf hin, dass in der Schweiz jährlich mehrere hundert Fälle mit positivem Laborergebnis gemeldet werden; besonders viele Meldungen treten im Sommer auf.
Was Legionellen auslösen können
Eine Infektion mit Legionellen kann sehr unterschiedlich verlaufen. Möglich ist das sogenannte Pontiac-Fieber, das grippeähnliche Beschwerden verursachen kann. Schwerwiegender ist die Legionärskrankheit, eine Form der Lungenentzündung.
Wichtig: Legionellen werden in der Regel nicht durch das Trinken von Wasser übertragen, sondern durch das Einatmen von Aerosolen, also fein zerstäubten Wassertröpfchen. Darum stehen Duschen, Sprudelbäder, Duschköpfe, Wasserhähne mit starkem Sprühstrahl oder andere aerosolbildende Stellen im Zentrum der Prävention.
Die wichtigste Regel: Wasser vor der Nutzung laufen lassen
Wer eine Ferienwohnung betritt, sollte zuerst alle Wasserhähne und Duschen spülen. Öffnen Sie Warm- und Kaltwasser nacheinander und lassen Sie das Wasser einige Minuten laufen. Währenddessen sollte der Raum gut gelüftet sein. Bei der Dusche empfiehlt es sich, den Duschkopf möglichst tief in die Duschwanne oder Badewanne zu legen, damit weniger Sprühnebel entsteht.
Besonders wichtig ist das nach längeren Leerständen. Das Kantonale Labor Zürich nennt längere Standzeiten von mehr als zwei Wochen als erhöhtes Risiko für einen Legionellenbefall und empfiehlt eine gründliche Spülung.
Wassertemperatur richtig einstellen und Kalk entfernen
Entscheidend für die Vermehrung von Legionellen ist unter anderem die Temperatur: Lauwarmes Wasser ist besonders anfällig. Für sanitäre Installationen empfiehlt das BAG deshalb, am Boilerausgang eine Heisswassertemperatur von 60 Grad einzustellen. Kaltwasser sollte unter 25 Grad bleiben.
Auch Kalkablagerungen begünstigen die Ansiedlung von Mikroorganismen. Das Kantonale Labor Zürich empfiehlt deshalb unter anderem die regelmässige Entkalkung von Warmwasserboilern und
Armaturaufsätzen.
Klimaanlagen: Wann besteht ein Legionellenrisiko?
Auch Klimaanlagen können eine Rolle spielen – allerdings nur solche, die mit Wasser arbeiten oder feine Wassertröpfchen in die Luft abgeben. Dazu zählen zum Beispiel Verdunstungskühler, Luftbefeuchter, Kühltürme, mobile Klimageräte mit Wasserbehälter oder schlecht gewartete Systeme, in denen sich Kondenswasser sammelt.
Für Ferienwohnungen gilt deshalb: Klimageräte sollten regelmässig gereinigt, Filter gewechselt, Wasserbehälter geleert und Kondensatabläufe kontrolliert werden. Geräte mit Wasserreservoir sollten vor längeren Leerständen vollständig entleert und vor der erneuten Nutzung gereinigt werden.
Was Vermietende zusätzlich beachten sollten
Wer eine Ferienwohnung vermietet, trägt Verantwortung für eine sichere Infrastruktur. Dazu gehört, dass alle Wasserentnahmestellen regelmässig genutzt oder gespült werden – auch jene im Gäste-WC, in einer Aussendusche, im Keller oder in einem selten genutzten Nebenbad.
Für Vermietende ist es sinnvoll, ein einfaches Hygieneprotokoll zu führen: Wann wurde gespült? Wann wurde der Boiler kontrolliert? Wann wurden Duschköpfe entkalkt? Wann fand die letzte Wartung statt? Gerade bei häufigem Gästewechsel oder längeren Leerständen schafft das Sicherheit.
Whirlpool, Sprudelbad und Wellnessbereich: erhöhtes Augenmerk
Whirlpools und Sprudelbäder sind besonders sensibel, weil warmes Wasser stark verwirbelt wird und dadurch viele Aerosole entstehen können. Hier reichen kurze Spülmassnahmen nicht aus. Filter,
Desinfektion, Wasserwechsel und Temperaturkontrolle müssen konsequent nach Herstellerangaben und geltenden Vorgaben erfolgen.
In der Schweiz gibt es für Legionellen klare Höchstwerte. Bei Duschanlagen darf eine Wasserprobe höchstens 1’000 vermehrungsfähige Legionellen-Bakterien pro Liter enthalten. Für Sprudelbäder und Whirlpools gilt ein strengerer Wert von 100 pro Liter.
Fazit: Kleine Routine, grosser Effekt
Legionellen lassen sich nicht vollständig aus der Umwelt verbannen. Doch ihr Wachstum in Wasserleitungen lässt sich stark begrenzen – durch ausreichend hohe Warmwassertemperaturen, Kaltwasser unter 25 Grad, regelmässigen Wasserbezug, saubere Armaturen und konsequenten Unterhalt.
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