Robert Hunger-Bühler (66) gilt, nach seinem verstorbenen Freund Bruno Ganz, als einer der grössten Schweizer Schauspieler. Er arbeitete mit den bekanntesten deutschsprachigen Regisseuren wie Peymann, Bondy oder Marthaler und verliess auf Ende der letzten Saison das Schauspielhaus Zürich.

Angenommen, Sie würden plötzlich Bob Dylan gegenüberstehen, den Sie bewundern: Herzklopfen? Und was würden Sie ihm sagen?
Dass ich ihn letztes Jahr wieder in Locarno beim Konzert gesehen habe und ich ihn wieder atemberaubend fand. Ich würde ihm erzählen, dass ich vor vier Wochen auf der Band Camp Road nach Woodstock gefahren bin zum Haus, wo er mit «The Band» die «Basement Tapes» aufnahm. Sollte er mir noch zuhören, würde ich ihn fragen, wann seine «Chronicles II» erscheinen. Aber vor allem möchte ich lange stumm mit ihm sitzen...

Was verursacht bei Ihnen sonst noch Herzklopfen?
Jeder Morgen. Ich bin voller Neugierde auf den Weg, auf den mich der neue Tag führen wird.

Braucht ein Schauspieler das Herzklopfen?
Er braucht es zum Leben wie jeder Mensch. Um das Herz zu beruhigen, braucht es Übung. Herzklopfen stört manchmal beim Denken. Um einen kühlen Kopf zu bewahren, senken wir das Herzklopfen in die Waden.

Sie haben auf vielen Bühnen gespielt. Haben Sie heute bei einem Auftritt noch Herzklopfen?
Mein Herz klopft auf jeder Bühne wie verrückt!

Warum wussten Sie, dass die Bühne Ihr Leben ist?
Ich habe schon früh (wie unzählige Kinder) geahnt, dass das Spiel, die Verwandlung, zur elementaren Lebensfreude gehört wie das tägliche Brot. In meinem Fall hat mein Deutschlehrer gesagt, ich war 13, dass das ein Beruf für mich sei.

Es heisst, Sie lieben das Flüchtige –aus Angst vor dem Bestimmten?
Die Gegenwart flüchtet in jedem Moment in die Vergangenheit. Selbst was ich jetzt gerade aufgeschrieben habe, ist schon passé, weil ich jetzt schon wieder in einer anderen Zeit bin. Nur in der Kunst oder in der Versenkung des Menschen in eine Aufgabe, ein Werk oder in die Liebe oder die Trauer erleben wir unsere eigene Zeit. Über Zeit zu verfügen, ist das höchste Gut.

Wie viel Selbstbestimmung ist auf der Bühne möglich?
Der Parcours des Spiels wird mit dem Regisseur und den Mitspielerinnen und Mitspielern abgesteckt. Darin bewegen wir uns unabhängig und immer wieder neu.

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Robert Hunger-Bühler: Einst spielte er als Linksaussen bei den Junioren des FC Aarau, heute zählt er zu den renommiertesten Schauspielern der Schweiz. Zuerst ging der Sohn eines Schreiners in eine Lehre als Hochbauzeichner, besuchte im Abendstudium die Schauspielschule in Zürich und zog nach der Rekrutenschule 1974 nach Wien, wo er Theater spielte, in einer Wohngemeinschaft lebte und einen Bindestrich in seinen Namen fügte – aus Hungerbühler wurde Hunger-Bühler. In Deutschland arbeitete der Schweizer mit Regisseuren wie Bondy und Peymann und feierte Erfolge in Film und TV. 2002 kam er zusammen mit dem Regisseur Christoph Marthaler ans Schauspielhaus Zürich, wo er bis 2019 zum Ensemble gehörte.

Wenn Sie auf die Bühne gehen: Sind Sie dann ein anderer Mensch?
Ich bin der Gleiche, fühle mich aber etwas wertvoller und nützlicher als sonst.

Eine Zeitung bezeichnete Sie einst als «Virtuosen der Halbentschlossenheit». Was macht das mit einem selbst, im normalen Leben?
Halbentschlossenheit ist ein Terminus von Botho Strauss und beschreibt ein Lebensgefühl: die Kunst, den Rhythmus zwischen dem Alleinsein und der Gemeinschaft zu finden, den richtigen Abstand. Alleinsein geht nicht, aber Zusammenkleben schon gar nicht. Den Rhythmus zu finden, ist Lebenskunst.

Sie sind nach eigener Darstellung eine Rampensau, schätzen die Aufmerksamkeit des Publikums. Verlieren Sie auf der Bühne manchmal auch die Kontrolle?
Die diskrete Rampensau steht hinten links, streckt den rechten Zeigefinger hoch und lenkt alle Aufmerksamkeit auf sich.

Wie schaffen Sie den Übergang von der Bühne ins reale Leben?
Ich trinke ein oder zwei Gläser Rotwein (guten Burgunder) oder esse eine Pizza mit Sardellen.

Sie haben mit allen grossen Regisseuren gearbeitet: Mit Bondy, Zadek, Marthaler, Stein, Peymann; in Berlin auf der Schaubühne und der Volksbühne, im Burgtheater in Wien, im Zürcher Schauspielhaus. Wieso gingen Sie unlängst fort von dort? Die Pensionsgrenze hat mir die Entscheidung abgenommen. Ich bin jetzt wieder auf dem freien Markt.

Mit und über Hunger-Bühler ist das Buch «Den Menschen spielen» (Limmat-Verlag) erschienen, das neben Texten auch Notate, Haikus und Zeichnungen des Schauspielers enthält.

Interview: Christoph Grenacher
Bilder: Elena Zaucke , Xandra M. Linsin
Das Interview wurde schriftlich geführt

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Corrado Bindelli, Vorsorge- und Finanzspezialist KMU, Generalagentur Sursee

Kontakt: 041 926 72 81, Corrado.Bindelli@swisslife.ch

«Manche wollen früh in Pension gehen, andere sind selbständig und so leidenschaftlich dabei, dass sie gar nicht an den letzten Arbeitstag denken wollen. Eine frühzeitige Standortbestimmung ist aber für alle nützlich.» Vor der Pensionierung gilt es, verschiedene Fragen zu klären, wie beispielsweise: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Soll man sich für eine monatliche Rente oder einen einmaligen Kapitalbezug entscheiden? Welcher Lebensstandard ist möglich, wenn der Lohn wegfällt? Wie sieht die Steuersituation künftig aus? Auf unserer Website sind bereits viele Tipps zu finden. Für eine vertiefte Betrachtung stehen die Swiss Life-Experten zur Verfügung. swisslife.ch/pensionsplanung

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