Ein Ort, an dem Frauen zusammenkommen, arbeiten, netzwerken und neue Projekte aushecken – das ist die Idee hinter dem Startup von Laura Seifert und Estefanía Tapias. In Teil drei unserer Videoserie geht’s um weibliche Seilschaften als Geschäftsmodell. Vier Karrieretipps gibt’s obendrauf.

Davon, dass unter uns die wohl geschäftigste Strasse Zürichs liegt, ist hier oben wenig zu spüren. Fünf Stockwerke über der Einkaufsmeile scheint der Alltagslärm der Stadt weit weg. Allenfalls das gelegentliche Rattern der Kaffeemaschine übertönt das Klackern der Tastaturen und die gedämpften Gespräche der Frauen vor ihren Laptops. Wir befinden uns in der Bahnhofstrasse 62, dem ehemaligen Franz-Carl-Weber-Haus, in einem Loft in Etage fünf. Schwarz-weiss-Fotografien an den Wänden, eine Couch mit Samtkissen, auf den hellen Holztischen stehen kleine Blumenvasen.

Im obersten Stockwerk des historischen Gebäudes ist 2018 das Coworking-Büro WeSpace eingezogen, 
der erste Coworking-Space, der vor allem auf weibliche Kundschaft abzielt. Warum ausgerechnet das noch gefehlt haben soll in der Schweiz, erklären die Gründerinnen im Video.

Laura und Estefanía: Das Video

«Der Moment, in dem man sich trauen muss»: Laura Seifert und Estefanía Tapias haben ihre Jobs gekündigt und gemeinsam eine Firma gegründet.

Die neue Life-Stories-Serie

Hinter jeder starken Frau steht vor allem eine: sie selbst. Auf unserem Blog stellen wir in diesem Jahr Frauen vor, die uns beeindrucken. Die Selbstbestimmerinnen-Serie: Was Frauen antreibt, was sie bremst, was sie bewegt, was sie inspiriert. Die ersten drei Folgen mit den Unternehmerinnen Laura und Estefanía.

Sogenannte exklusive „Gentlemen’s Clubs“ oder Männerbünde werden gerade von Frauen oft kritisiert, weil sie u. a. als Garant für den Fortbestand alter Seilschaften gelten. Seid ihr sozusagen das weibliche Pendant, ein Ladies-only-Club? Immerhin, der Kameramann durfte ja rein …

Estefanía: (Schmunzelt) Das sind wir keinesfalls. WeSpace steht definitiv allen offen! Einzig die Mitgliedschaft ist ausschliesslich Frauen vorbehalten, ebenso die digitale Community. Aber Männer können selbstverständlich einen Tagespass oder das Sitzungszimmer buchen und bei uns arbeiten und auch an den öffentlichen Anlässen teilnehmen. 

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Estefanía Tapias, Jahrgang 1988, verliess ihre Heimat Kolumbien nach der Schulzeit, um in Argentinien und Italien Architektur und Städteplanung zu studieren. Seit 2013 lebt sie in der Schweiz. An der ETH hat sie sich, zuletzt als Postdoktorandin, mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Städte der Zukunft befasst. Gleich zwei Wirtschaftsmagazine nahmen sie 2018 in ihre Liste von Persönlichkeiten mit Einfluss auf: „Forbes“ in die „30 under 30“ im Bereich Wissenschaft in Europa, „Bilanz“ in die „Top 100 Digital Shapers der Schweiz“.

Euer Geschäftsmodell basiert aber vor allem auf der Vernetzung von Frauen. Was läuft da eurer Ansicht nach anders?

Estefanía: Man begibt sich auf dünnes Eis, wenn man Pauschalaussagen macht. Jeder und jede ist anders. Allerdings können wir aus unserer Erfahrung berichten, dass sich manche Frauen offensichtlich gelöster und mutiger fühlen und sich auch freier äussern, wenn sie unter sich sind. Das sind übrigens auch die Erfahrungen von anderen Vorreitern in unserem Business, das heisst ähnlichen Coworking-Communitys für Frauen, wie zum Beispiel „The Wing“ in den USA.

Laura: Ich persönlich bin recht fordernd und „pushe“, wenn ich etwas will. Viele Frauen unterschätzen sich aber vielleicht noch zu oft im beruflichen Zusammenhang, sind da vielleicht zu selbstkritisch oder trauen sich nicht so viel zu. Und das ist etwas, das sowohl in Unternehmen der Fall ist als auch in der Selbständigkeit. Wir wollen Frauen eine Plattform geben, um ihre Ideen zu testen, ein Netzwerk aufzubauen, und auch den Sprung in die Selbständigkeit unterstützen.

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Laura Seifert, Jahrgang 1989, aufgewachsen in den USA, Deutschland und der Schweiz, ist Betriebswirtschaftlerin. Nach einem Studium in Hamburg, London, New York, Paris und Berlin promovierte sie in Corporate Finance an der Universität St. Gallen. Danach arbeitete sie in der Finanzbranche, zuletzt im Investment Banking von JP Morgan Chase & Co.

Gibt es Tipps, die euch auf eurem beruflichen Weg geholfen haben und die ihr teilen möchtet?

Laura: Klare Ziele setzen. Mit klaren Zielen kommst du weiter und auch schneller voran. Mir hat das immer Orientierung gegeben und geholfen, Prioritäten zu setzen. Und gleichzeitig kann ich nur empfehlen, gut darüber nachzudenken, was einem wirklich wichtig ist und was einen antreibt.

Estefanía: Sich zu fragen: Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern kannst? Mutig zu sein, also Chancen zu nutzen und zu ergreifen, wenn sie kommen. Eines unserer Beiratsmitglieder sagt immer: „What's the bolder version of my next action?“, das heisst so viel wie „Wie kann ich bei dem, was ich als Nächstes plane, noch einen draufsetzen“.

Laura: Eines noch: Bloss nicht den Fehler machen, zu warten, bis man sich bereit fühlt. Man kann auch zu viel über etwas nachdenken. Manchmal geht es darum, einfach loszulegen.

Swiss Life Asset Managers

Trend Coworking

Swiss Life Asset Managers ist Eigentümerin des grössten privatgehaltenen Immobilienportfolios in der Schweiz. Dazu zählt auch die Liegenschaft in der Bahnhofstrasse 62 in Zürich, in der das Unternehmen WeSpace seinen Sitz hat. Swiss Life Asset Managers beobachtet fortlaufend Trends und Entwicklungen auf dem Büroflächenmarkt und geht für die Zukunft von einem anhaltenden Wachstum des Coworking-Sektors aus.

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