Frauen erhalten heute im Alter rund ein Drittel weniger Rente als Männer. Der sogenannte Gender Pension Gap nimmt zwar langsam ab, wird jedoch in absehbarer Zeit nicht verschwinden. Dies zeigt eine umfassende Studie von Swiss Life.

Ausmass, Ursachen und Entwicklung

  • Heutige Altersrentnerinnen erhalten über alle drei Säulen hinweg etwa ein Drittel weniger Rente als Männer.
  • Das Thema ist komplex und muss differenziert interpretiert werden. Gründe sind v.a. unterschiedliche Erwerbsbiografien und Systemelemente wie der Koordinationsabzug.
  • Die wachsende Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen, sinkende Lohndifferenzen und rechtliche Anpassungen sorgen dafür, dass der Gender Pension Gap langsam, aber stetig abnimmt, jedoch nicht ganz verschwindet.

Gender Pension Gap ist (nicht) gleich Vorsorgelücke

  • Der Gender Pension Gap ist bei verheirateten Paaren am grössten, aber dort oft nur bedingt spürbar.
  • Geschiedene Rentnerinnen müssen heute am häufigsten Ergänzungsleistungen beziehen und sind damit am stärksten betroffen. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich dies u.a. aufgrund des 2000 eingeführten Vorsorgeausgleichs in der 2. Säule künftig etwas verbessern wird.
  • In den letzten Jahren ist die Zahl der Konkubinatspaare mit Kindern stark gestiegen. Diese Haushaltsform ist im Vergleich zur Ehe vorsorgetechnisch nicht gleich gut abgesichert.
  • Frauen leben länger, weshalb Sparguthaben länger reichen müssen und weshalb sie im Alter öfter in einem teuren Einpersonenhaushalt oder Pflegeheim leben.

Der Koordinationsabzug

  • Ein tieferer Koordinationsabzug reduziert den Gender Pension Gap. Diese Massnahme ist aber nicht gratis, sondern reduziert den Nettolohn und erhöht die Arbeitskosten.
  • Vorsorgeeinrichtungen und Arbeitgeber können schon heute teilzeitfreundliche Modelle anbieten, in dem sie auf den Abzug ganz verzichten oder diesen an das Pensum koppeln.
  • Eine Mehrheit der bei Swiss Life angeschlossenen KMU tut dies bereits. Dies hat zur Folge, dass 70% aller bei der BVG-Sammelstiftung Swiss Life aktiv versicherten Frauen von einem teilzeitfreundlichen Koordinationsabzug profitieren.
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Lösungsansätze

  • Sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen.
  • Das Thema ist komplex und die ideale Lösung individuell verschieden: Darum sich schon in jungen Jahren von Spezialisten beraten lassen.
  • Beim Entscheid über den Teilzeitgrad, z.B. im Rahmen einer Familiengründung, sollte auch die Altersvorsorge mitberücksichtigt werden.
  • Für sich selber oder für den Partner bzw. die Partnerin zusätzlich privat vorsorgen.
  • Konkubinatspaare (besonders bei unterschiedlichen Erwerbspensen) sollten sich gegenseitig zusätzlich vertraglich absichern.
  • Die Vorsorgelösung des Arbeitgebers anschauen: Welcher Koordinationsabzug kommt zur Anwendung?
  • Arbeitgeber sollten den Koordinationsabzug überdenken: Allenfalls macht es Sinn, darauf zu verzichten oder den Abzug an den Teilzeitgrad zu koppeln.
  • Wo möglich und sinnvoll, sollten Arbeitgeber Teilzeit(kader)stellen und flexible Arbeitszeiten fördern.