Die Frage «Stadt oder Land?» stellt sich 2026 differenzierter denn je. Während nach der Pandemie vielerorts von Stadtflucht die Rede war, zeigt sich inzwischen ein urbaner Rebound: Junge Erwachsene und gut ausgebildete Fachkräfte zieht es wieder stärker in die Zentren.
Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum im Umland insbesondere bei Familien ungebrochen. Es ist weniger ein Entweder-oder als vielmehr eine Verschiebung der Nachfrage entlang unterschiedlicher Lebensphasen.
Zürich und Basel: Städte bleiben Magnete
In Städten wie Zürich und Basel ist der Wohnungsmarkt weiterhin stark angespannt. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS) zeigen: Die Leerstandsquoten sind tief, die Nachfrage hoch. Gerade junge Menschen schätzen die Nähe zu Arbeitsplätzen, Hochschulen, Gastronomie und Kultur. Kurze Wege, ein dichtes Netz des öffentlichen Verkehrs und flexible Arbeitsmodelle machen das urbane Wohnen wieder besonders attraktiv.
Die Stadt Zürich verfolgt zudem eine aktive Wohnpolitik mit dem Ziel, den Anteil gemeinnütziger Wohnungen zu erhöhen und die soziale Durchmischung zu sichern, wie sie auf ihrer Website schreibt. Solche Strategien stärken die langfristige Attraktivität urbaner Räume – trotz steigender Preise.
Winterthur und Bern: Umland mit urbaner Qualität
Parallel dazu profitieren Agglomerationen und kleinere Städte von der anhaltenden Nachfrage nach mehr
Wohnraum. Winterthur etwa vereint städtische Infrastruktur mit vergleichsweise moderateren Preisen. Auch rund um Bern entstehen neue Quartiere, die besonders Familien ansprechen. Laut Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) bleibt die Siedlungsentwicklung nach innen ein zentrales Ziel, wodurch Verdichtung und neue Wohnformen auch ausserhalb der Kernstädte an Bedeutung gewinnen.
Gleichzeitig suchen Familien grössere Räumlichkeiten, Grünflächen und ein kinderfreundliches Umfeld – oft
verbunden mit guter Anbindung an das urbane Zentrum. Das klassische Einfamilienhaus bleibt gefragt, doch die Lage muss stimmen: Die Nähe zu Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichem Verkehr ist entscheidend.
Mobilität verändert Standortentscheide
Neue Mobilitätskonzepte beeinflussen die Wohnortwahl zunehmend. Sogenannte «Mobility Hubs», kombinierte Knotenpunkte für Bahn, Bus, Carsharing und Veloverleih, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie erleichtern multimodales Pendeln und reduzieren die Abhängigkeit vom eigenen Auto. Dadurch werden auch Standorte attraktiv, die früher als «zu weit weg» galten.
Insbesondere entlang gut erschlossener S-Bahn-Achsen rund um Zürich, Bern oder Basel steigt die Nachfrage nach Wohnraum. Pendelzeiten werden planbarer, und flexible Arbeitsmodelle erlauben vielen Erwerbstätigen, nicht mehr täglich ins Zentrum zu reisen. Das verschiebt die Bewertung von Distanz und macht das Umland konkurrenzfähiger.
Nachfrageverschiebung statt Stadtflucht
2026 zeigt sich: Die grosse Stadtflucht bleibt aus. Stattdessen erleben die Städte einen neuen Aufschwung bei jungen Zielgruppen, während Familien weiterhin nach bezahlbaren Alternativen im erweiterten Einzugsgebiet suchen. Die Nachfrage verteilt sich neu, abhängig von Lebensphase, Budget und Mobilitätsangebot.
Für Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Kaufinteressierte bedeutet dies, dass Standortfragen differenzierter betrachtet werden müssen. Urbane Zentren bleiben wertstabil und begehrt, während gut angebundene Umlandgemeinden langfristig von strukturellen Trends profitieren. Wohnen in der Stadt oder im Umland ist damit weniger eine Grundsatzentscheidung als vielmehr ein Ausdruck individueller Lebensmodelle in einem sich wandelnden Immobilienmarkt.
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