Die einen wandern aus Liebe aus, die anderen reizt das Abenteuer oder der Wunsch nach einer steilen Karriere im Ausland. Die meisten Auswanderer vereint der Wunsch, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. An Versicherungen oder die Vorsorge denken nur wenige, dabei gibt es hier einiges zu beachten. Wer seine Auswanderung sorgfältig plant, kann jedoch auch im Ausland zuversichtlich in die finanzielle Zukunft blicken.

In den vergangenen Jahren nahm die Anzahl der Schweizer, die im Ausland leben, jährlich um circa zwei Prozent zu. Nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) waren es 2017 sogar fast drei Prozent. Insgesamt leben heute knapp 775 000 Schweizer im Ausland, die meisten von ihnen in Europa (60 Prozent). Beliebtestes Auswanderungsland ist Frankreich (200 000), gefolgt von Deutschland (90 000) und den USA (80 000).

Knapp 775 000 Schweizer leben im Ausland, jedes Jahr werden es zwei bis drei Prozent mehr.

Der Entscheid, ins Ausland zu ziehen, ist oft schnell getroffen. Statt überhastet die Koffer zu packen, ist jedoch eine sorgfältige Planung angebracht. Sonst ist der Traum vom schönen Leben im Ausland schnell ausgeträumt. Insbesondere Ihre Vorsorgesituation sollten Sie sich genau anschauen. Hierfür ist eine frühzeitige Planung wichtig, da Ihnen Ihre Versicherung nur so lange finanzielle Lösungen aufzeigen kann, solange Sie noch in der Schweiz gemeldet sind. 

Erste Säule: Beitragslücken vermeiden

Wer in der Schweiz lebt und arbeitet, zahlt in die AHV/IV ein und sorgt damit nicht nur für das Alter vor, sondern ist auch im Fall von Tod oder Invalidität finanziell abgesichert – bzw. die Angehörigen. Nach einer Auswanderung fehlt diese Absicherung. Für jedes Jahr, in dem keine Beiträge erfolgen, fehlen später 2,3 Prozent bei der AHV-Rente. Diese Beitragslücken sind jedoch vermeidbar.

Absicherung je nach Situation und Zielland: 

  • Personen, die für einen Schweizer Arbeitgeber im Ausland arbeiten, können die obligatorische AHV/IV weiterführen. Dafür reicht es aus, innerhalb von sechs Monaten nach der Auswanderung einen Antrag zu stellen.
  • Schweizer, die in die EU oder in EFTA-Staaten (Liechtenstein, Island oder Norwegen) ziehen, sind durch das jeweilige Sozialversicherungssystem im Zielland abgesichert.
  • Alle anderen können unter bestimmten Voraussetzungen in die freiwillige AHV/IV in Genf einzahlen. Der Antrag dafür muss innerhalb eines Jahres nach der Auswanderung erfolgen und der Antragsteller sollte vorher mindestens fünf Jahre ohne Unterbrechung in die AHV/IV eingezahlt haben.
  • Pensionäre haben ein Anrecht auf eine Rente, sofern sie mindestens ein Jahr lang AHV-Beiträge gezahlt haben und in ein Land ziehen, das mit der Schweiz ein Sozialversicherungsabkommen hat.
Freiwillige Einzahlung in die AHV?

Die freiwillige Einzahlung in die AHV/IV in Genf ist nicht gratis, daher sollten Sie sich den Schritt gut überlegen. Zu den Beiträgen kommen noch Verwaltungskosten (5 Prozent der Beiträge). Dadurch kann die freiwillige AHV/IV – je nach Land – zu einer teuren Doppelversicherung werden.

 Zweite Säule – das Alter ist entscheidend

Was bei einer Auswanderung mit dem Kapital der zweiten Säule geschieht, hängt vor allem vom Alter der Person und vom Zielland ab.  

  • Vor der Pensionierung: Wer in ein Land ausserhalb der EU zieht, kann das gesamte Kapital aus der Pensionskasse beziehen, innerhalb der EU immerhin den überobligatorischen Teil. Ist man in der EU weiter gegen die Risiken Tod, Invalidität und Alter versichert, wird der obligatorische Teil nicht ausgezahlt. Das Kapital wird stattdessen auf ein Freizügigkeitskonto oder -depot eingezahlt und kann frühestens fünf Jahre vor der regulären Pensionierung bezogen werden.
  • Zeitpunkt der (Früh-)Pensionierung: Bei den meisten Pensionskassen ist die Pensionierung frühestens mit 58 Jahren möglich. Erst dann kann das Vermögen aus der Pensionskasse als Kapital oder monatliche Rente bezogen werden. Ab diesem Zeitpunkt spielt es auch keine Rolle mehr, ob Sie im In- oder im Ausland leben.
  • Nach der Pensionierung: Hat man sich für eine Variante des Pensionskassenbezugs entschieden, kann dieser nicht mehr geändert werden. Daher muss man sich eigentlich auch keine Gedanken mehr machen. Dennoch ist es ratsam, vor der Auswanderung Kontakt mit der Pensionskasse aufzunehmen, da die Kassen unterschiedliche Reglemente haben. Damit eine Barauszahlung erfolgen kann, müssen Sie zudem nachweisen, dass Sie die Schweiz verlassen.  

Vorbezug der dritten Säule

Wenn Sie die Schweiz verlassen, können Sie Ihr Guthaben aus der Säule 3a beziehen – und das unabhängig vom Land, in das Sie auswandern. Die Auszahlung sollte erst nach der Abmeldung in der Schweiz und der Anmeldung im Ausland erfolgen. In diesem Fall wird bei der Auszahlung eine Quellensteuer abgezogen, die sich nach dem jeweiligen Kanton richtet. Daher kann es sich lohnen, das Guthaben der Säule 3a zu einer Bankstiftung mit Sitz in einem Niedrigzinskanton zu transferieren. Wer das Vorsorgeguthaben bereits vor der Auswanderung bezieht, muss dieses gesondert vom übrigen Einkommen versteuern, was in der Regel teurer kommt als die Quellensteuer.

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Viele Auslandschweizer schätzen die Sicherheit des Schweizer Frankens.

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Planen Sie auszuwandern und haben Sie Fragen rund um Ihre Vorsorge oder Versicherungen allgemein? Unsere Vorsorge- und Finanzexperten schauen sich gerne Ihre individuelle Situation an und zeigen Lösungen auf, damit Sie Ihren Traum vom Auswandern selbstbestimmt in die Tat umsetzen können.

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