See, tiefe Steuern, kurze Wege – oder doch lieber ein lebendiges Zentrum? Gleich zwei aktuelle Gemeinderankings zeigen, welche Schweizer Wohnorte besonders attraktiv sind. Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich. Das hat einen einfachen Grund: Die Rankings beantworten unterschiedliche Fragen.

Im Gemeinderanking 2026 der «Bilanz» landet Oberkirch LU auf Platz eins. Die rund 5000 Einwohner zählende Gemeinde am Sempachersee verbessert sich damit vom fünften Rang im Vorjahr an die Spitze. Dahinter folgen Horn TG und Maienfeld GR. Der Vorjahressieger Freienbach SZ fällt auf Platz fünf zurück.

Die Top Ten des Wirtschaftsmagazins haben einen klaren geografischen Schwerpunkt: die Zentral- und Ostschweiz. Auf Oberkirch, Horn und Maienfeld folgen Altendorf, Freienbach, Zug, Cham, Lachen, Hergiswil und Feusisberg. Auffallend gut schneiden dabei die Kantone Schwyz und Zug ab.

«Bilanz»: die ganze Schweiz im Vergleich

Für das «Bilanz»-Ranking nimmt das Beratungsunternehmen IAZI 966 Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern unter die Lupe. Bewertet werden acht Bereiche, darunter Wohnen und Immobilien, Arbeitsmarkt und Verkehr. Besonderes Gewicht erhält dabei der Bereich Wohnen und Immobilien mit Kriterien wie Immobilienpreise, Wohnbautätigkeit und Leerstände.

Ziel des Rankings: ein Vergleich der Standortattraktivität von Schweizer Gemeinden im landesweiten Vergleich anhand von insgesamt 56 Kriterien.

UBS kommt zu anderen Spitzenreitern

Einen deutlich anderen Ansatz verfolgt der Wohnattraktivitätsindikator der UBS. Er untersucht mehr als 2000 Schweizer Gemeinden anhand von 38 Kriterien in drei Bereichen: Infrastruktur und Erreichbarkeit, Freizeit und Lebensqualität sowie Kosten. Statt eine gesamtschweizerische Rangliste zu erstellen, werden die Gemeinden innerhalb ihrer jeweiligen Region miteinander verglichen.

Darüber hinaus ist der UBS-Indikator explizit auf Familien mit zwei Kindern ausgerichtet, die zur Miete wohnen. Für eine Familie mit mittlerem Einkommen heissen die regionalen Sieger unter anderem Basel, Fribourg, St. Gallen, Solothurn, Chur, Luzern und Aarau. Auffällig: Neun der zehn Spitzenplätze gehen an mittelgrosse Städte. Sie verbinden eine gute Infrastruktur und kurze Wege häufig mit geringeren Lebenshaltungskosten als die grössten Zentren.

Warum die Rankings so unterschiedlich ausfallen

Die unterschiedlichen Ergebnisse sind also kein Widerspruch. «Bilanz» und IAZI bewerten die allgemeine Standortattraktivität einer Gemeinde anhand eines breiten Kriterienkatalogs. UBS fragt dagegen konkreter, wie attraktiv eine Gemeinde für eine Mieterfamilie mit bestimmtem Einkommen innerhalb ihrer Region ist.

Wie gross die Unterschiede sein können, zeigt das Beispiel Zürich. Beim UBS-Indikator erreicht die Limmatstadt für Familien mit mittlerem Einkommen Platz vier innerhalb der Region Zürich–Aarau– Schaffhausen. Im schweizweiten «Bilanz»-Ranking liegt Zürich dagegen lediglich auf Rang 93.

Was bedeutet das für die eigene Immobiliensuche?

Für die Wahl des Wohnorts können beide Rankings wertvolle Anhaltspunkte liefern. Entscheidend ist jedoch, welche Kriterien zur eigenen Lebenssituation passen. Eine Familie mit schulpflichtigen Kindern etwa gewichtet kurze Schulwege und Betreuungsmöglichkeiten naturgemäss höher als ein Paar ohne Kinder.

Bei Mieterinnen und Mietern spielen vor allem die verfügbaren Wohnungen und das Mietpreisniveau eine wichtige Rolle. Wer hingegen ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, muss zusätzliche Faktoren berücksichtigen, die der auf Mieterhaushalte ausgerichtete UBS-Indikator nicht abbildet, allem voran die konkreten Kaufpreise.

Fazit: Die beste Gemeinde ist nicht für alle dieselbe

Wohnattraktivität kann sehr unterschiedlich aussehen. Wer einen Immobilienkauf plant, sollte deshalb nicht nur auf die Rangnummer schauen. Interessanter ist die Frage, warum eine Gemeinde gut abschneidet – und ob genau diese Stärken zu den eigenen Bedürfnissen passen.

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