So emotional wie die Ehe begonnen hat, geht sie meist auch zu Ende. Gar nicht so einfach, da einen kühlen Kopf zu bewahren. Damit man nach einer Scheidung möglichst bald wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken kann, ist es wichtig, sich möglichst gut zu informieren. So können selbständig die richtigen Entscheidungen getroffen werden – auch in finanzieller Hinsicht.

2017 wurden 15 900 Ehen geschieden – das ist fast jede dritte Ehe.

Der Trend, sich scheiden zu lassen, hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen. Dennoch geht heute circa jede dritte Ehe in die Brüche. Neben starken Gefühlen wie Enttäuschung und Rache bringt eine Scheidung in der Regel auch grosse Existenzängste mit sich. Und das nicht ohne Grund, denn die finanziellen Konsequenzen einer Scheidung können erheblich sein. So muss möglicherweise das Eigenheim verkauft werden und auch die einbezahlten Beiträge in die Altersvorsorge müssen geteilt werden. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:

AHV

Sobald die Scheidung rechtskräftig ist, kann das während der Ehe angehäufte AHV-Guthaben zu gleichen Teilen gesplittet und auf beide AHV-Konten verteilt werden. Für das AHV-Splitting ist es wichtig, dass ein Antrag bei der zuständigen Ausgleichskasse erfolgt. Erst danach wird die Rente berechnet. Der Antrag kann auf der Webseite der jeweiligen AHV-Ausgleichskasse heruntergeladen werden: www.ahv-iv.ch.

Pensionskasse

Auch das Guthaben der Pensionskasse wird zur Hälfte zwischen den Ehegatten aufgeteilt. Als Grundlage für die Berechnung gilt die Länge der Ehe – also der Zeitraum vom Tag der Eheschliessung bis zum Scheidungsdatum. Dabei werden auch die Zinsen berücksichtigt, die sich während der Ehe angesammelt haben. Wurde vor der Ehe in einem Vertrag Gütertrennung vereinbart, hat dies keine Auswirkungen auf das Pensionskassen-Splitting. Die Gütertrennung gilt nur für Guthaben, die bereits vor der Ehe bestanden.

Der Ehepartner, der vom Pensionskassenausgleich profitiert, erhält das Geld übrigens nicht ausbezahlt. Es wird stattdessen direkt an die Pensionskasse überwiesen. Ist er oder sie keiner Pensionskasse angeschlossen und jünger als 59 Jahre, wird das Geld auf ein Freizügigkeitskonto oder eine Freizügigkeitspolice übertragen. Entsprechende Produkte werden von Banken, der Post und natürlich von Versicherungen wie Swiss Life angeboten.

3. Säule

Was mit den Guthaben der privaten Vorsorge geschieht, hängt vom Güterstand ab, der im Ehevertrag vereinbart wurde. Hat ein Paar keine Regelung getroffen, gilt die Errungenschaftsbeteiligung. In diesem Fall, der am häufigsten vorkommt, wird das Vermögen der 3. Säule hälftig geteilt. Das gleiche gilt für die Gütergemeinschaft. Bei einer Gütertrennung wird das Guthaben hingegen nicht aufgeteilt. Zudem besteht die Möglichkeit, bei der Scheidung auf die Teilung der privaten Vorsorge zu verzichten oder das Geld anders als hälftig zu teilen.

Vorsorgecheck

Sind durch die Scheidung Vorsorgelücken entstanden? Dann ist es wichtig, diese rasch zu schliessen, damit auch im Alter die finanzielle Zuversicht erhalten bleibt. Der Vorsorgecheck berechnet die finanzielle Situation nach der Pensionierung und zeigt mögliche Lücken auf.

Empty room full of cardboard boxes and cleaning things for moving into a new home

Hypothek

Bei einer Scheidung kommt oft die Frage auf, was mit den Immobilien passiert. Wird das Eigenheim oder die Eigentumswohnung verkauft oder bleibt ein Partner darin wohnen? Wurde das Wohneigentum gemeinsam gekauft, muss die ausziehende Partei entschädigt werden. Die Höhe dieser Zahlung hängt vom aktuellen Wert der Immobilie ab.

Ist die Hypothek noch nicht abbezahlt, ist das jedoch gar nicht so einfach. Denn bei einer gemeinsam abgeschlossenen Hypothek haften beide Ehepartner solidarisch, auch wenn der eine auszieht. Das heisst, dass jeder der geschiedenen Partner für die Schulden des andern aufkommen muss, sollte dieser nicht zahlungsfähig sein. Der Hypothekarvertrag läuft somit trotz Scheidung weiter. Man kann zwar aus einer Hypothek aussteigen, allerdings fällt dabei oft eine hohe Vorfälligkeitsentschädigung an.

Tipp

Scheidungsfall vertraglich regeln

Bereits zum Zeitpunkt des Immobilienkaufs ist finanzielle Weitsicht wichtig. Daher sollte vertraglich geregelt werden, was im Fall einer Scheidung mit der Hypothek geschieht. Das kann auch Auswirkungen auf die Wahl der Hypothek haben. Wer hier überlegt und selbstbestimmt handelt, kann auch nach einer Scheidung zuversichtlich in die finanzielle Zukunft blicken.

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