Es ist 2018. Haben Männer und Frauen nicht längst die gleichen Chancen und tragen dieselben Risiken? Swiss Life-Expertin Martina Gantenbein klärt auf und verrät, worauf Frauen bei ihrer Vorsorge achten sollten, um auch in Zukunft selbstbestimmt entscheiden zu können.

Was die finanziellen Zukunftsaussichten angeht, teilen Männer und Frauen selten dieselbe Ausgangslage. Der Gender Pay Gap, der durchschnittliche Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau, führt in seiner Konsequenz zum Gender Pension Gap – einer möglicherweise gravierenden Versorgungslücke im Alter. Die Faktoren, die zu dieser Ungleichheit führen, sind kaum veränderbar. Kinder und der damit häufig verbundene Wechsel in eine Teilzeitstelle sind mit der häufigste Grund für finanzielle Einbussen. Hinzu kommen die klassischen Unwägbarkeiten wie eine Scheidung oder ein Verdienstausfall durch Unfall oder Krankheit. Grund genug, sich frühzeitig mit der eigenen Vorsorgesituation auseinanderzusetzen. Mit diesen zehn Tipps von Frau zu Frau bewahren Sie sich Ihre finanzielle Unabhängigkeit.

1. Nehmen Sie Ihre finanzielle Vorsorge selbst in die Hand

Verlassen Sie sich besser auf sich selbst, wenn es um Ihre finanzielle Absicherung geht – nicht auf die AHV, nicht auf die Policen des Partners und nicht auf Ihren Arbeitgeber. Die dritte Säule bietet viele Möglichkeiten, die finanzielle Vorsorge selbstbestimmt zu gestalten. 

2. Machen Sie eine Bestandsaufnahme

Mit einem ehrlichen und schonungslosen Blick auf die eigenen Finanzen beginnt der Weg zu einer soliden Absicherung. So gehen Sie am besten vor: 

  • Stellen Sie Ihre Ein- und Ausgaben einander gegenüber und kalkulieren Sie Ihr monatliches Budget. Wo hat es Sparpotenzial, das Sie in die Vorsorge investieren können? 

  • Was gibt es bereits für Vorsorgepolicen, Vermögenswerte und Anlagen? Lassen Sie sich bei dieser Analyse von einer erfahrenen Vorsorgeberaterin helfen und beraten. Sie zeigt Ihnen Versorgungslücken auf und prüft Ihre Unterlagen auf mögliche Überversicherungen. 

  • Auf dieser Basis kalkulieren Sie alle Eventualitäten durch: Bleiben Sie in absehbarer Zeit ledig, wollen Sie heiraten oder sind Sie schon verheiratet? Gibt es Kinder oder planen Sie Kinder? Auch weniger erfreuliche Entwicklungen wie eine Scheidung oder eine Patchwork-Situation gilt es einmal durchzuspielen.

3. Prüfen Sie Ihre Finanzen regelmässig

Überprüfen Sie Ihre Vorsorge und Finanzsituation in regelmässigen Abständen mit Ihrem Berater oder Ihrer Beraterin. Dieser aktuelle Überblick über Ihre Finanzen ist sehr hilfreich, wenn sich Ihre Lebenssituation ändert.

4. Definieren Sie klare Sparziele

Was auch immer bei Ihrer Budgetaufstellung herausgekommen ist – jeder gesparte Franken ist gut investiert. Definieren Sie kurz-, mittel- und langfristige Sparziele und legen Sie Ihr Geld entsprechend an. Sparkonten eignen sich ideal für kurzfristige Sparziele, Anlagen sind eine mittelfristige Strategie und Policen sind Ihre finanzielle Zukunft. Damit das Sparen Spass macht, empfiehlt es sich, Ihre Wünsche im Auge zu behalten. Dank dieser Vorfreude kommt das Gefühl von Verzicht erst gar nicht auf.

5. Sichern Sie sich gegen Erwerbsunfähigkeit ab

Frauen haben sich Ihre berufliche Zukunft hart erkämpft. Ein Unfall oder eine schwere Krankheit können diese finanzielle Unabhängigkeit mit einem Mal gefährden. Eine Belastung, die sich auch auf das mentale Wohl niederschlägt und die Genesung mitunter erschwert. Alleinstehende Frauen haben es in dieser Situation besonders schwer, aber auch eine Familie kann diese Last nur schwer schultern. Sorgen Sie auch hierfür rechtzeitig vor, bevor die Ersparnisse fürs Alter schwinden.

6. Sichern Sie Ihre Hypothek ab

Hypotheken halten speziell für Frauen ein hohes finanzielles Risiko bereit, da diese in den meisten Fällen gemeinsam mit dem Partner aufgenommen wurden. Niemand spricht gerne darüber. Trotzdem ist das Worst-Case-Szenario ein Umstand, den sich jede Frau frühzeitig bewusst machen sollte. Ist die Hypothek im Fall des Todes des Partners noch tragbar? Unser Tragbarkeitsrechner zur Berechnung des Todesfallkapitals schafft Klarheit.

7. Pension – behalten Sie die erste Säule (AHV) im Blick

Wie hoch ist der staatliche Pflichtanteil Ihrer Rente? Bestellen Sie sich einen Auszug aus Ihrem Individuellen Konto und prüfen Sie, ob sämtliche Beitragsjahre einbezahlt wurden und welche Leistungen Sie bei Ihrer Pensionierung zu erwarten haben. Fünf Jahre können zudem rückwirkend einbezahlt werden.

8. Schliessen Sie Vorsorgelücken

Frauen arbeiten weitaus häufiger Teilzeit als Männer, aber auch bei einer Selbständigkeit oder im Fall von Arbeitslosigkeit wird die Pensionskasse nicht mehr ausreichend aufgefüllt. Investieren Sie den Betrag, den Sie bei einer Vollanstellung sparen würden, zusätzlich zur Säule 3a in eine private freie Vorsorge: die Säule 3b. Schliessen Sie eine Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit mit ein, damit das Sparziel auf jeden Fall erreicht wird. Weitere Informationen zum Schweizer Rentensystem finden Sie hier.

9. Schöpfen Sie die Säule 3a voll aus

Wer jedes Jahr in die Säule 3a einzahlt, kann Steuervorteile nutzen. Frauen, die selbständig oder Teilzeit arbeiten, können zu ihrem Steuervorteil 20 Prozent des Einkommens in die gebundene Vorsorge investieren. Der Maximalbetrag für Frauen in Anstellung beträgt CHF 6768, selbständige Frauen können bis zu CHF 33 840 steuerlich geltend machen.
 

10. Planen Sie Ihre Pensionierung frühzeitig

Je früher Sie sich organisieren, desto besser. Starten Sie deshalb bereits zehn Jahre vor dem offiziellen Pensionsalter mit der Planung. So können Sie bei absehbaren Versorgungsengpässen im Alter noch rechtzeitig reagieren. Eventuell ist sogar eine Frühpensionierung möglich.

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Erfahrene Finanzberaterin

Martina Gantenbein arbeitet bereits seit über zehn Jahren für Swiss Life. Sie ist dipl. Vorsorgespezialistin für Privat- und Unternehmenskunden und betreut aktuell Kunden der Generalagentur Uster. Frau Gantenbein ist 34 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Aus Erfahrung weiss sie: In puncto Vorsorge müssen Frauen aufholen und ihre Finanzen selbstbestimmt in die Hand nehmen.

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