Sich wie ein Götti oder eine Gotte um sein Patenkind zu kümmern, bis es selbständig im Leben steht: Das ist das Ziel der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden. Seit 1940 öffnet die Organisation Türen für finanzschwache Berggebiete und setzt sich dafür ein, dass diese als Lebens- und Wirtschaftsraum erhalten bleiben.

Interview mit Barbla Graf

Vieles hat sich verändert seit der Gründung der Patenschaft 1940 durch das Zürcher Ärzte-Ehepaar Olga und Paul Cattani und drei weitere Initianten. Und doch ist etwas gleich geblieben, sagt Barbla Graf, seit gut 20 Jahren Geschäftsführerin der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden: «Auch heute noch nehmen wir unsere Aufgabe mit viel Herzblut und Verstand wahr. Genau wie damals.» Anfänglich stand vor allem die Arbeitsbeschaffung im Zentrum der Unterstützung. Viele Männer waren in der Kriegszeit an der Grenze stationiert. Die Organisation vermittelte damals den Frauen Heimarbeit als willkommene Verdienstmöglichkeit. In den 50er-Jahren konzentrierte man sich dann vor allem darauf, die Wohnqualität der Bevölkerung in entlegenen Bergdörfern zu verbessern. Mit der Zeit entwickelte sich das Einsatzgebiet laufend.

Eine bedeutende Organisation

Mit jährlich über 20 Millionen Schweizer Franken Unterstützungsgeldern, 125 000 Gönnerinnen und Gönnern und rund 250 bewilligten Gesuchen pro Jahr hat sich die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden inzwischen zu einer bedeutenden Organisation entwickelt. Das zeigt sich auch an der eindrücklichen Summe von über 600 Millionen Schweizer Franken, die seit der Gründung an die unterstützungswürdigen Berggemeinden geflossen sind.Insgesamt setzen sich nebst 17 ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und vier Experten auch neun Mitarbeiterinnen auf der Geschäftsstelle in Zürich dafür ein, dass die Berggebiete eine nachhaltige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zukunftsperspektive haben. «Obwohl sich der 2008 eingeführte Finanzausgleich positiv auf die Berggebiete ausgewirkt hat, verbleiben den finanzschwachen Berggemeinden bei ihren Projekten häufig Restkosten, die sie nicht selber tragen können», erklärt Barbla Graf.

10'000 ehrenamtliche Stunden

Hier kommt die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden zum Zug. Finanziert werden nebst Infrastrukturprojekten wie Wasser- und Abwasseranlagen oder Strassenbauten auch Lawinenverbauungen, Kindergärten, Schulhäuser oder Alpsanierungen. Nicht finanziert werden dagegen Projekte, die bereits ausgeführt sind, oder solche von Einzelpersonen. Auch gewährt die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden keine Darlehen und beteiligt sich nicht an Schuldensanierungen.

«Wir sind auch keine politische Organisation, sondern helfen dann, wenn die Subventionen bewilligt und die effektiven Restkosten bekannt sind», betont Graf. Entschieden wird meist innerhalb weniger Monate. Und dank äusserst tiefen Administrationskosten – die Vorstandsmitglieder und Experten arbeiten zusammen jährlich rund 10 000 Stunden ehrenamtlich – können die Spenden ohne Abzüge an die Empfänger weitergeleitet werden. Damit öffnet die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden nicht nur Türen, sondern setzt sich dafür ein, dass die Berggemeinden belebt und lebenswert bleiben. 

Website der Patenschaft für Berggemeinden

Text: Barbara Studer
Bild und Video: Kilian J. Kessler
 

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