Mit einer flexiblen Gestaltung des Arbeitsalltags können Ihre Mitarbeitenden Arbeitszeit und -ort ihren Bedürfnissen anpassen. Das Ergebnis sind zufriedene Angestellte und mehr Produktivität. Dieser Ratgeber zeigt auf, welche flexiblen Arbeitsmodelle umsetzbar sind und wie Sie diese implementieren.

Genügend Aufträge, hoher Gewinn und ein Bonus für alle Mitarbeitenden – das alles klingt eigentlich nach einem perfekten Geschäftsgang. Doch ein wichtiger Faktor ist hier nicht berücksichtigt: die Zufriedenheit der Mitarbeitenden.

Wenn es an Fachkräften mangelt, müssen Arbeitgebende aus der Masse herausstechen und (potenziellen) Mitarbeitenden ein möglichst attraktives Umfeld bieten. Eine Möglichkeit, diese Arbeitgeberattraktivität zu erreichen, sind flexible Arbeitsmodelle. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die verschiedenen Modelle, ihre Vorteile und was Angestellte bei der Vorsorge beachten sollten, um den Ruhestand finanziell selbstbestimmt zu geniessen.

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Was sind flexible Arbeitsmodelle?

Mit flexiblen Arbeitsmodellen gestalten Sie das Umfeld für Ihre Angestellten so, dass es auf ihre Lebensumstände abgestimmt ist. Ein Beispiel: Mitarbeitende bestimmen selbst, wann und wo sie arbeiten.
Es gibt verschiedene flexible Arbeitsmodelle und nicht alle eignen sich für jede Branche oder jede Tätigkeit. Folgend zeigen wir die gängigsten auf.

Teilzeit

Das Teilzeitpensum hat sich in vielen Schweizer Unternehmen als flexibles Arbeitszeitmodell etabliert. Besonders Männer arbeiten heute häufiger Teilzeit als noch Anfang der 1990er-Jahre. Das zeigt eine Auswertung des Bundesamts für Statistik. Mit dem Teilzeitangebot erhöhen Unternehmen ihre Attraktivität bei Mitarbeitenden, die sich mehr arbeitsfreie Zeit wünschen, sei es wegen Kindern oder weil sie nicht auf den Lohn eines Vollzeitpensums angewiesen sind.

Jobsharing

Immer öfter bieten Arbeitgebende für gewisse Stellen ein Jobsharing an, um Fachkräften mehr Flexibilität zu ermöglichen. Dies kann etwa eine Vollzeitstelle sein, die Sie künftig mit zwei Mitarbeitenden besetzen, welche die gleiche Tätigkeit übernehmen. Hier sind zum Beispiel Aufteilungen von 50:50 oder 60:40 möglich – je nach Stelle gibt es Überschneidungen bei der Arbeitszeit.

Gleitzeit

Beim Gleitzeitmodell können Mitarbeitende ihre Arbeitszeit flexibel einteilen – nach Wochen-, Monats- oder Jahresarbeitszeit. Erforderte Stunden sollen dabei nach dem jeweiligen Zeitraum geleistet bzw. Überstunden abgebaut sein. Gleitzeit ist besonders sinnvoll für Angestellte, die je nach Projekt oder Saison unterschiedlich ausgelastet sind. Zudem ist es auch für Eltern nützlich, die bestimmte Bring- und Abholzeiten bei der Kinderbetreuung einhalten müssen.

Seltener können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Überstunden auch über einen längeren Zeitraum ansammeln, um diese für ein Sabbatical oder einen früheren Eintritt in die Rente einzusetzen.

Ein Spezialfall der Gleitzeit ist die Vertrauensarbeitszeit. Hier überlässt es das Unternehmen den Angestellten, dass diese die korrekte Anzahl Stunden leisten. In wenigen Fällen ist dann keine Zeiterfassung mehr nötig. Da eine Zeiterfassung in der Regel gesetzlich vorgegeben ist, sollten Sie die rechtlichen Voraussetzungen prüfen.

Viertagewoche

Als Massnahme gegen den Fachkräftemangel gibt es bereits Schweizer Unternehmen, die eine Viertagewoche eingeführt haben. Bei der Viertagewoche arbeiten Angestellte in jedem Fall jeweils vier statt fünf Tage. Die Wochenarbeitsstunden teilen Unternehmen jedoch unterschiedlich ein. Ein Überblick:

  • «Echte» Viertagewoche: Die Angestellten arbeiten vier Tage pro Woche und erhalten den vollen Lohn. Eine 40-Stunden-Woche verkürzt sich in diesem Fall auf 32 Stunden. Mitarbeitende erhalten also einen Tag geschenkt.
  • Gleitzeitmodell: Arbeitnehmende teilen ihre Wochenarbeitszeit auf vier statt fünf Tage auf. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden wären das 10-Stunden-Arbeitstage.
  • Verkürzte Wochenarbeitszeit: Dies ist eine Zwischenlösung der beiden obigen Modelle. Der Arbeitgeber verkürzt die Wochenarbeitszeit, beispielsweise von 40 auf 35 Stunden. Verteilt auf vier Tage arbeiten Angestellte täglich 8,75 Stunden.
  • Teilzeit: Angestellte arbeiten nur vier Tage pro Woche, erhalten entsprechend aber auch weniger Lohn. Hier handelt es sich also um ein herkömmliches 80-Prozent-Pensum.

In Island hat sich die Viertagewoche bereits bewährt. Die Mehrheit der arbeitenden Isländerinnen und Isländer arbeitet an vier Tagen pro Woche insgesamt 35 Stunden, und das bei vollem Lohn. Dabei weist das Land laut Medienberichten seit der Einführung eine positive Entwicklung der Wirtschaft auf.

Hybrides Arbeiten

Die wohl gängigste Form von hybridem Arbeiten ist die Kombination aus Büro und Homeoffice bzw. Mobile Office. Hier gibt es je nach Betrieb Vorgaben zur Anwesenheit: Der Betrieb bestimmt eine maximale Anzahl Homeoffice-Tage oder einen bestimmten Bürotag, an dem alle Angestellten vor Ort arbeiten.

Unternehmen können dieses Angebot ergänzen, sodass Mitarbeitende eine bestimmte Zeit pro Jahr im Ausland arbeiten können. Eine andere Form davon wäre die Workation. Dabei arbeiten Mitarbeitende im Ausland beispielsweise halbtags und kombinieren beim Aufenthalt Arbeit und Ferien.

Remote Work

Remote Work kann sinnvoll sein, wenn lokal keine Fachkräfte vorhanden sind oder wenn wertvolle Fachkräfte ins Ausland ziehen und Sie die Anstellung nicht auflösen wollen.

Als Unternehmen sollten Sie sich bei Remote Work im Ausland über die steuerlichen Vorschriften des jeweiligen Landes informieren.

Je nach Branche, Arbeitszeiten und Betrieb gibt es weitere Möglichkeiten, das Arbeitsumfeld der Angestellten möglichst flexibel zu gestalten.

Wie profitieren Unternehmen und Mitarbeitende?

Mit flexiblen Arbeitsmodellen bieten Sie Ihren Angestellten eine bessere Work-Life-Balance und profitieren gleichzeitig selbst davon – eine Win-win-Situation. Laut einer Studie von Sotomo im Auftrag des Schweizerischen Arbeitgeberverbands wünschen sich viele Schweizerinnen und Schweizer flexiblere Modelle, was Arbeitszeiten und -orte betrifft.

Einige Ergebnisse aus der Studie, die Unternehmen als Vorteil dienen können:

  • Fachkräftemangel reduzieren: Die Studie besagt, ein Viertel der befragten Teilzeitbeschäftigten wäre bereit, das Arbeitspensum zu erhöhen, wenn sie flexiblere Arbeitszeiten hätten. Würde dieser Fall eintreten, könnten Unternehmen den Fachkräftemangel umgehen, indem Teilzeitangestellte ihr Pensum erhöhen.
  • Geringere Fluktuation: Ein flexibles Arbeitsmodell kann für Mitarbeitende mehr Wertschätzung und mehr Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf bedeuten. Sind Ihre Mitarbeitenden zufriedener, ist die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung wiederum kleiner. Wertvolle Mitarbeitende bleiben Ihrem Betrieb somit erhalten.
  • Höhere Arbeitgeberattraktivität: Immer öfter müssen Unternehmen im Bewerbungsprozess Anreize bieten, damit sich Bewerbende für sie entscheiden. Mit flexiblen Arbeitsmodellen haben Sie bereits einen Pluspunkt bei potenziellen Mitarbeitenden gesammelt.
  • Mehr Produktivität: Durch eine gute Work-Life-Balance und flexible Freizeitgestaltung sind Ihre Mitarbeitenden ausgeruhter und weniger gestresst. Als Folge sind die Angestellten motivierter und dadurch meist produktiver.

Vorsorgelücken vermeiden

Angestellte, die Teilzeit arbeiten oder längere Zeit kein eigenes Einkommen haben, weisen oft ein Defizit bei späteren Leistungen auf. Dies gilt für die erste Säule, die AHV, sowie die zweite Säule, die Pensionskasse. Deshalb sollten sich diese Personen früh um die Vorsorge kümmern, um auch nach der Pensionierung mit genügend Altersguthaben finanziell selbstbestimmt leben zu können.

Damit flexible Arbeitszeiten keinen Nachteil der Pensionskasse zur Folge haben, können Unternehmen ihren Angestellten überobligatorische BVG-Leistungen bieten. Beispiele dafür sind tiefere Koordinationsabzüge oder ein höherer Zinssatz auf das Altersguthaben. Eine ausführliche Übersicht dazu finden Sie im Ratgeber BVG-Überobligatorium: So holen Sie das Beste raus.

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In jedem Fall sollten Sie Ihre Mitarbeitenden über die Situation aufklären. Zeigen Sie Möglichkeiten auf, etwa die private Vorsorge in der Säule 3a oder den zusätzlichen Einkauf in die Pensionskasse. Betonen Sie dabei, wie wichtig diese Massnahmen sind, um die Altersvorsorge zu stärken.

Unterschiede durch Kinderpause und Teilzeit

Es gibt ein deutliches Defizit beim Altersguthaben sowie bei der Pensionskassenrente, wenn die Person nach der Kinderpause nur noch Teilzeit arbeitet und keine entsprechenden Massnahmen vom Unternehmen vorgenommen werden, um die Vorsorgelücke zu verkleinern. Mit entsprechenden Massnahmen lassen sich Defizite deutlich reduzieren.

Hier eine Beispielrechnung:

Die Abbildung veranschaulicht drei Fallbeispiele, die das Altersguthaben bei Teilzeitarbeit aufzeigen. In einer blau eingefärbten Infobox werden die drei Personas dargestellt. Darunter zeigt eine Tabelle, wie sich ihr Pensum verändert, welches Altersguthaben sie bis zum 65. Lebensjahr erreichen und wie hoch die jeweilige Pensionskassenrente ausfällt.
Die Abbildung veranschaulicht drei Fallbeispiele, die das Altersguthaben bei Teilzeitarbeit aufzeigen. In einer blau eingefärbten Infobox werden die drei Personas dargestellt. Darunter zeigt eine Tabelle, wie sich ihr Pensum verändert, welches Altersguthaben sie bis zum 65. Lebensjahr erreichen und wie hoch die jeweilige Pensionskassenrente ausfällt.

Arbeitgeber können weitere überobligatorische Leistungen bieten. Lesen Sie dazu den Ratgeber BVG-Überobligatorium: So holen Sie das Beste raus. Auch Angestellte haben die Möglichkeit, fürs Alter mehr anzusparen, etwa mit der Säule 3a und der Säule 3b oder einem freiwilligen Einkauf in die 2. Säule.

Bedarf der Mitarbeitenden einbeziehen

Bevor Sie flexible Arbeitsmodelle einführen, sollten Sie die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeitenden kennen. Klären Sie ab, ob Mitarbeitende überhaupt einen zusätzlichen freien Tag wollen (Viertagewoche) oder ob sie eher das Bedürfnis haben, im Homeoffice zu arbeiten.

Prüfen Sie zudem separate Lösungen pro Team. Beispiel für eine Schreinerei: Während Homeoffice oder eine Workation eher für Büroangestellte geeignet ist, ist die Viertagewoche auch für handwerklich tätige Mitarbeitende realisierbar.

Falls Sie unsicher bezüglich der Modelle sind, lassen sich viele Modelle auch für eine bestimmte Zeit testen. Holen Sie Ihre Angestellten dazu früh ins Boot, um gemeinsam die beste Lösung zu finden.  

Klare Kommunikation

Achten Sie auf eine verständliche Kommunikation der Massnahmen Ihren Mitarbeitenden gegenüber. So kann die Belegschaft nachvollziehen, welche Vorteile dabei für sie herausspringen. Und: Erstellen Sie vor der Einführung ein klares Konzept, wie die einzelnen Phasen ablaufen. Dazu gehören unter anderem die Einsatzplanung, angepasste Zeiterfassung oder klare Richtlinien.

Kommunizieren Sie die Massnahmen zudem nicht nur intern, nutzen Sie flexible Arbeitsmodelle auch als Employer Branding gegen aussen, um als Arbeitgeberin attraktiver dazustehen. So ist es etwa wichtig, dass Sie die Modelle jeweils als Benefit in Ihren Stellenausschreibungen erwähnen. In gewissen Fällen ist sogar eine Medienmitteilung denkbar.

FAQ

Mit flexiblen Arbeitsmodellen bieten Unternehmen ihren Mitarbeitenden Möglichkeiten, um Arbeitszeiten oder -orte nach ihren Bedürfnissen zu wählen. Dies ermöglicht eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Gängige Beispiele im Bereich der flexiblen Arbeitszeit sind Gleitzeit, Viertagewoche oder Jobsharing. Bei den Arbeitsorten sind etwa Homeoffice oder Remote Work möglich.

Bei der flexiblen Arbeitsplatzgestaltung erlauben Unternehmen ihren Mitarbeitenden, ihren Arbeitsort (teils) selbst zu wählen. Dies reicht von Shared Desks im Büro über das Homeoffice bis zu Remote Work, beispielsweise im Ausland.

  •  Erschwerte Erreichbarkeit: Es gibt Tage, an denen einzelne Mitarbeitende nicht erreichbar sind. Das ist zwar nicht zwingend ein Nachteil, es benötigt aber Planung und Koordination im Team.
  • Keine klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit: Angestellte arbeiten oft ausserhalb von Bürozeiten. Dies kann belastend sein.
  • Erhöhter administrativer Aufwand: Unternehmen müssen die Zeiterfassung umstellen und teilweise individuell gestalten.

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